Weltweite CO2-Emissionen: Zurück zum dreckigen Normalbetrieb

Corona war nur eine Atempause: Der globale CO2-Ausstoß steigt wieder. Industrieländer reduzieren Emissionen – aber nur ein Zehntel des Nötigen.

Leere Straßen

Leere Straßen lassen Emissionen sinken. Sogar in den Arabischen Emiraten Foto: Satish Kumar Subramani/reuters

BERLIN taz | Die Hoffnung, dass die weltweite Coronakrise zu einem Wendepunkt in der Klimakrise führen könnte, geht gerade in Rauch auf. Denn die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen aus der Energiewirtschaft, die etwa zwei Drittel des Problems ausmachen, haben inzwischen das Vor-Krisen-Niveau überschritten. Das meldet jetzt die Internationale Energieagentur (IEA), eine Behörde der Industrieländerorganisation OECD: „Die letzten Daten zeigen, dass die globalen Emissionen im Dezember 2020 um 2 Prozent oder 60 Millionen Tonnen höher lagen als im gleichen Monat des Vorjahres“, heißt es in einer aktuellen Analyse.

Die Gründe: Die Konjunktur zieht nach Lockdown und Krise wieder an, und die Regierungen handeln nicht entschlossen für ein Ende der fossilen Brennstoffe. „Viele Volkswirtschaften sehen Emissionsniveaus, die höher liegen als vor der Krise“, heißt es von der IEA. Schon im Sommer hatte eine Bilanz ergeben, dass ein großer Teil der 3,5 Billionen Dollar schweren Coronahilfen in 17 großen Ländern an umweltschädliche Branchen geht.

Für IEA-Generalsekretär Fatih Birol ist die aktuelle Entwicklung „eine deutliche Warnung, dass nicht genug getan wird, um die Energiewende weltweit zu beschleunigen“. Im Frühjahr 2020 hatte die IEA wie viele andere Institute betont, die Erholung nach der Krise sei eine Chance zum Umsteuern weg von den Fossilen. „Wir müssen besser wiederaufbauen“, hatte auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres gemahnt.

Davon sieht die IEA jetzt wenig: „Unsere Zahlen zeigen, dass wir zum CO2-intensiven Business as usual zurückkehren.“ In China, das immerhin 28 Prozent der globalen CO2-Emis­sionen ausmacht, stiegen diese über das gesamte Jahr um 0,8 Prozent. In Indien, Brasilien und den USA zog die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle zum Ende 2020 ebenfalls stark an. In den USA und der EU sanken dagegen die Emissionen jeweils um etwa 10 Prozent.

Historischer CO2-Einbruch im Pandemiejahr

Weltweit war der Einbruch im Jahr 2020 um etwa 2,6 Milliarden Tonnen oder 7 Prozent historisch einmalig. Vor allem weniger Auto- und Flugverkehr schlugen zu Buche. Für die Klimaziele müssten solche Reduktionen allerdings jährlich erfolgen – über die nächsten 30 Jahre. Viele hatten gehofft, 2019 werde das „Peak-Jahr“ für Fossile, nach dem die Emissionen nur noch fallen.

Danach sieht es aber auch nach einer aktuellen Studie unter Führung der Universität East Anglia nicht aus, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Der Rückgang 2020 „maskiert komplexe Dynamiken und Unterschiede der Länder bei der Behandlung der Pandemie“, heißt es da. „Die Emissionen lagen niedriger, weil die fossile Infrastruktur weniger genutzt wurde, nicht weil sie geschlossen wurde“, sagt einer der Au­toren, Glenn Peters vom norwegischen Center for International Climate Research. Das Risiko sei groß, dass der CO2-Ausstoß wieder steige.

Allerdings sehen die For­sche­r:in­nen einen positiven langfristigen Trend: „Das Wachstum bei den globalen Emmisionen beginnt nachzulassen“, heißt es in der Studie. Etwa 2.000 Klimagesetze und Verpflichtungen zur Klimaneutralität zeigten ihre Wirkung. Seit dem Abkommen von Paris 2015 ist demnach der Ausstoß in 64 Ländern, vor allem in Industriestaaten, zurückgegangen – im Schnitt um 160 Millionen Tonnen pro Jahr. Doch diese Volkswirtschaften machen nur noch 35 Prozent der Emissionen aus. In 150 Staaten, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern, wachse mit der Wirtschaft aber immer noch der CO2-Ausstoß.

„Die meisten aktuellen Covid-19-Wiederaufbaupläne widersprechen den eigenen Klimazielen der Länder“, urteilt die Studie. Für die Klimaziele müssten die Industriestaaten ihre jährliche Reduktion auf 1,5 Mil­liarden Tonnen verzehnfachen. Und weltweit brauche es einen „tiefgehenden Abzug“ von Kapital aus fossiler Infrastruktur.

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