Weidehaltung von Kühen: SPD protestiert gegen Rückzug des Agrarministers
Agrarminister Rainer will die Prämie für Weidehaltung doch nicht einführen. Die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion fordert ihn zur Umkehr auf.
In der SPD regt sich Widerstand gegen den Plan der Bundesregierung, den Start einer deutschlandweiten Subvention für die Weidehaltung von Milchvieh abzusagen. „Wir fordern unseren Koalitionspartner, den Bundesminister Rainer, auf, sich das zu überlegen“, sagte die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Franziska Kersten, am Donnerstag. Ihre Partei stehe dazu, diese „Ökoregelung“ der EU-Agrarsubventionen in Deutschland einzuführen. „Wir müssen Gemeinwohlleistungen honorieren, und da ist die Weideprämie ein ganz wichtiger Anteil“.
Dass Kühe auf der Weide gehalten werden, sei wichtig für die Kulturlandschaft, die Klauen und Gelenke der Rinder sowie das Tierwohl, ergänzte die Abgeordnete. Beweidetes Grünland nützt Experten zufolge zudem der Artenvielfalt, weil es ein vielfältigerer Lebensraum ist als Äcker oder intensiv gemähte Wiesen. Dennoch gehe die Weidehaltung zurück, so Kersten. Schon 2019 hatten laut Statistischem Bundesamt nur 31 Prozent der Rinder Zugang zur Weide. Jetzt sind es laut der SPD-Politikerin nur noch 25 Prozent. „Das, was mit Weidemilch zu erzielen ist, das deckt nicht die Kosten ab“.
SPD: Verschiebung ja, Abschaffung nein
Der Grund sei, dass Kühe auf der Weide meist weniger Milch gäben, ergänzte Ottmar Ilchmann, konventioneller Milchbauer und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die vor allem kleine und mittlere Höfe vertritt. Denn die Tiere verbrauchten mehr Kalorien, wenn sie sich draußen bewegen. Zudem sei das Futter nicht „so optimal zusammengestellt“ wie im Stall.
Deshalb habe der Bundestag mit Stimmen der SPD 2024 einen Zuschlag für Weidehalter aus den EU-Direktzahlungen beschlossen, so Kersten. 2025 hätten die Länder mehr Zeit für die Umsetzung verlangt. „Wir haben der Verschiebung zugestimmt, aber nie der Abschaffung“, sagte die SPD-Abgeordnete.
Regierung argumentiert mit „Bürokratie“
Dem Bundestag liegt nun aber ein Gesetzentwurf der Regierung vor, der den für 2027 geplanten Start streichen soll. „Für die Verwaltungen der Länder wird Aufbau von Bürokratie vermieden“, heißt es in der Begründung. Die Länder würden bereits mit Zuschüssen aus Brüssel „Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen insbesondere zur Weidehaltung“ anbieten. Laut Kritikern ist das jedoch nur in wenigen Ländern der Fall.
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