Wasserstoffstrategie der Bundesregierung: Grüne Energie

Die Forschungsministerin setzt einen Innovationsbeauftragten ein. Er soll dafür sorgen, dass die Wasserstoffstrategie ein Erfolg wird.

Brennstoffzellen in einem Wasserstoff-Kraftwerk

Wsserstoffkraftwerk in Mecklenburg-Vorpommern Foto: JensBüttner/dpa

BERLIN taz | Endlich einmal gewonnen. Als Bildungsministerin derzeit stark gebeutelt, hat Anja Karliczek als Bundesforschungsministerin in der vorigen Woche einen Punktsieg errungen. Gegenüber Wirtschaftsminister Altmaier konnte sie sich mit ihrer Forderung nach einem Innovationsbeauftragten für den neuen Förderschwerpunkt „Grüner Wasserstoff“ durchsetzen. Am Freitag wurde der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann in dieser Funktion vorgestellt. Mit einem millionenschweren Wettbewerb soll er in den kommenden Jahren die Weichen für den Aufbau der „Wasserstoffrepublik Deutschland“ stellen.

Die Durchsetzung der kniffligen Personalie war für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auch eine Konsequenz aus dem administrativen Hickhack der letzten Monate, als eine Verabschiedung der „Nationalen Wasserstoff­strategie“ wegen unzureichender Abstimmungen zwischen den Ministerien für Forschung, Wirtschaft, Umwelt und Entwicklung ein ums andere Mal verschoben werden musste.

Dabei ging es um die Kapazitäten der Elektrolyse-Anlagen und die Rolle von „blauem“ Wasserstoff, der wegen seiner Herstellung aus Erdgas im Unterschied zum „grünen“ Hydrogen nicht klimaneutral ist. Mit dem Corona-Konjunkturprogramm, das für die deutsche Wasserstoffforschung und -technik gigantische 9 Milliarden Euro bereitstellt, kam der Durchbruch.

„Wir brauchen eine Aufbruchstimmung und das klare Signal für Innovatoren und Investoren: Deutschland will Leitanbieter und Leitmarkt für grüne Wasserstofftechnologien werden“, erklärte Karliczek bei der Ernennung des Innovations­beauftragten. Seine Funktion werde es sein, vor allem für eine Beschleunigung des Transfers zwischen Forschung und wirtschaftlicher Anwendung zu sorgen. „Damit aus den guten Ideen aber auch erfolgreiche Innovationen werden, muss der Sprung in die Praxis gelingen“, sagte die Ministerin. Eine intensive Nutzung des „grünen Wasserstoffs“ sei von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz, aber auch für den Erhalt der Industrie in Deutschland.

Derzeit gibt es kein Wasserstoffauto„made in Germany“

Kaufmann, forschungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, unterstrich die Bedeutung von Innovation in seiner bisherigen Tätigkeit. „Als Berichterstatter für die Innovationspolitik und Hightech-Strategie sowie Mitglied der Gründungskommission und des künftigen Aufsichtsrats der Agentur für Sprunginnovationen liegt mir dieses Thema sehr am Herzen“, sagte der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete.

Auch die deutsche Automobilindustrie wolle er an das Wasserstoffthema heranführen, sagte Kaufmann vor der Presse. Er musste aber einräumen, dass die Führungsrolle, die deutsche Autobauer in den 90er Jahren beim Wasserstoffmotor hatten, wieder verloren gegangen sei. Derzeit gibt es kein Wasserstoffauto „made in Germany“.

Damit sich dies ändert, kann Kaufmann in eine prall gefüllte Förderschatulle greifen. Mit seiner Ernennung startete das BMBF zugleich den Ideenwettbewerb „Wasserstoff­republik Deutschland“ mit einem Umfang von rund 600 Millionen Euro. Ab sofort, so die Ministerin, seien „Innovatoren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aufgerufen, Ideen für den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft einzureichen“.

Besonderes Interesse besteht an Durchbrüchen bei der Wasserelektrolyse im Industriemaßstab und für Transportlösungen zum grünen Wasserstoff. Außerdem will das BMBF die Grundlagenforschung insbesondere für bessere Materialien und Komponenten, aber auch für alternative Erzeugungsverfahren verstärkt fördern.

Ob der erste grüne Wasserstoff in Deutschland im Industriemaßstab schon vor 2030 produziert werden könne, bezweifelte Kaufmann. Das gesamte Projekt „Wasserstoffrepublik“ sei eher auf einen Zeitraum von zwanzig Jahren ausgelegt. Und auch nicht auf Deutschland begrenzt: Wie Karliczek mitteilte, erarbeitet ihr Haus gegenwärtig einen „Potenzialatlas“ für 31 afrikanische Staaten, in denen mit deutscher Technikhilfe eine Wasserstoffproduktion aufgebaut werden könnte.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de