Wassersprudler im Selbstversuch: Explodiert das hier gleich?

Sprudelmaschinen für Lei­tungs­wasser sind in vielen Küchen inzwischen Standard. Erfahrungsbericht einer Neusprudlerin.

Wasserblasen bilden sich an einer roten Frucht in einem Glas

Hauptsache, es blubbert ordentlich Foto: dpa

Kurz nach Ende des zweiten Lockdowns, Freunde kommen zum Essen, Freude groß, Alkohol viel. Als M. nach Sprudel fragt, zeige ich auf den Kasten hinter ihr. „Du schleppst noch Wasserflaschen in den vierten Stock?“, sagt sie ernsthaft schockiert. Und ich denke ernsthaft beschämt: Na ja, ich schleppe auch noch Kohlen in den vierten Stock.

Außerdem weiß ich gar nicht, was die Alternative wäre? Ein Bringdienst? Es gab mal eine Zeit, in der Leute teure Karaffen besaßen, in die sie einen Stein legten und Leitungswasser drübergossen, auf dass daraus Mineralwasser würde. Diese Zeit ist offenbar vorbei, Sprudelwassermaschinen scheinen inzwischen so Standard wie Espressokannen und Brotmesser.

Bisher hielt ich diese Geräte für die Kategorie Gemüseraffel mit fünf Trommelaufsätzen („leichte Reinigung“, „langlebiger Trommelmotor“, „zusätzlicher Aufsatz für dünne Pommes“). Doch selbst M., die von Küchengeräten so viel hält wie andere von Zigarettenrauch, hat längst einen Sprudler.

Gut. Dann will ich jetzt auch Selbstsprudler werden. Ich finde heraus, dass die Firma SodaStream ursprünglich britisch und der erste Sprudelmaschinenhersteller überhaupt war, dass sie in einer israelischen Siedlung produzierte, was zu einem Boykottaufruf der BDS-Bewegung führte, und außerdem auch Feuerlöscher herstellt. Alles daran finde ich spannend, und so wird mein erster Sprudler der „Duo“ für knapp 100 Euro.

Panik vor dem Raketenwerfer

Der ist – angeblich als einziges Sprudelgerät der Welt – nicht nur für Plastik-, sondern auch für Glasflaschen geeignet. Die Plastikflasche ist für unterwegs gedacht und sieht leider so aus, als würde man darin seinen Morgenmittelstrahlurin in die Arztpraxis transportieren. Dafür ist die Glasflasche schlank, schlicht, schön; ein optisch wie haptisch perfektes Gefäß.

Damit der Sprudler seine Arbeit aufnehmen kann, köpft man einen Zylinder (mit CO2 drin) und schiebt ihn senkrecht so ins Gerät, als würde man einen Raketenwerfer mit einer Flugabwehrrakete bestücken. Erste zaghafte Versuche, den Deckel der Maschine nach unten zu drücken, damit er die Flasche umschließt, scheitern aus Panik vor dem Raketenwerfer. Das Risiko eingehend, dass mir das ganze Gerät gleich um die Ohren fliegt, drücke ich herzhafter. Der Deckel senkt sich wie ein Paternoster nach unten.

Es folgt ein weiterer Drückvorgang. Dieser erinnert an eine Toilettenspülung und damit kommt endlich Sprudel ins Wasser. Ein weiterer winziger Schubs, schon hebt sich der Maschinendeckel wie ein Theatervorhang und gibt den an einen Sektkübel erinnernden silbernen Flaschenhalter frei, der sich in einer eleganten Bewegung nach vorne beugt. In dem Winkel, in dem ein Kellner seinem Gast den Champagner zum Prüfen des Etiketts reicht, kommt die Flasche zum Stehen.

Ihr Inhalt prickelt durchaus. Aber es schmeckt halt schon wie Leitungswasser, das man so lange geschüttelt hat, bis es blubbert, und nicht wie Mineralwasser aus Jahrmillionen altem Vulkangestein. Für den Campari Soda ist das Blubberaufkommen allerdings nahezu perfekt. Und was will man mehr?

Jetzt muss ich nie wieder Wasserkisten in den vierten Stock schleppen. Toll! Bleiben die Kohlen, bleibt das Heizen. Vielleicht erfindet da ja auch mal wer ein passendes Gerät.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de