Warnstreik angedroht: Erst Eisregen, dann Streik
Verdi kündigt für Montag Warnstreik an. Tram-, Bus- und U-Bahnen sollen ganztägig nicht fahren. BVG spricht von unverhältnismäßiger Eskalation.
dpa/taz Die Geduld der Berliner Bevölkerung wird gerade auf eine harte Probe gestellt. Nicht genug damit, dass Eisregen den Tramverkehr über Tage lahmlegte, hat die Gewerkschaft Verdi nun für Montag einen ganztägigen Warnstreik angekündigt. Tram-, Bus- und U-Bahnverkehr sollen den ganzen Tag bestreikt werden. Nur die S-Bahn fährt weiter. Sie wird von der Deutschen Bahn betrieben.
Wie ein Panzer hatte sich der Eisregen in der Nacht zu Montag um die Oberleitungen gelegt und die gesamte Tramflotte in der Hauptstadt zum Stillstand gebracht. Auf Kranwägen stehende BVG-Arbeiter haben versucht, das Netz von 200 Kilometern in den letzten Tagen mit Handarbeitsgeräten Meter für Meter von der Kruste zu befreien. Zwar läuft ein Großteil des Straßenbahnnetzes jetzt wieder, doch übers Wochenende soll es erneut kalt werden. Wer zuletzt aufgrund der Glätte in Berlin auf Bus und Bahn ausgewichen ist, dürfte am Montag auch dort das Nachsehen haben.
Auch in den anderen Bundesländern hat Verdi zu Warnstreiks bei den Verkehrsunternehmen aufgerufen. Hintergrund sind die derzeit bundesweit parallel laufenden Tarifrunden im öffentlichen Nahverkehr.
BVG behält sich rechtliche Schritte vor
Die BVG reagierte mit Unverständnis auf den Warnstreik und kritisierte eine „unverhältnismäßige Eskalation“. „Angesichts der aktuellen Extremwetterlage und der weiterhin bestehenden Herausforderungen, insbesondere im Straßenbahnbetrieb, gefährdet die stundenlange Arbeitsniederlegung den Tramverkehr in Berlin erneut“, teilte das Unternehmen mit.
„Die BVG appelliert an die Gewerkschaft, den Streikaufruf für Berlin in der aktuellen Ausnahmesituation zurückzunehmen und Lösungen am Verhandlungstisch zu finden.“ Gleichzeitig behalte sich das Unternehmen rechtliche Schritte gegen den Arbeitskampf vor.
Die Gewerkschaft wirft der Arbeitgeberseite in den laufenden Verhandlungen eine Blockadehaltung vor. „Der BVG-Vorstand verweigert jede ernsthafte Auseinandersetzung mit der Realität der Beschäftigten“, teilte Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt mit. „Dabei sind gute Arbeitsbedingungen, unter denen die Kolleg*innen ihren Beruf auch langfristig ausüben können, zentral, um Beschäftigte im Unternehmen zu halten.“ Auch in anderen Bundesländern soll es zu Arbeitskämpfen kommen.
Kein Ergebnis nach zwei Verhandlungsrunden
Zwei Gesprächsrunden zwischen den beiden Tarifparteien sind bisher ohne Ergebnis geblieben. Verdi verhandelt derzeit parallel in allen 16 Bundesländern mit den Verkehrsunternehmen. Während sich die Tarifrunde im vergangenen Jahr um mehr Geld drehte, geht es dieses Mal in den meisten Ländern um den sogenannten Manteltarifvertrag, so auch in Berlin. Dieser regelt vor allem die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten.
Verdi fordert unter anderem mehr Urlaubstage für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine Mindestruhezeit zwischen den Schichten von elf Stunden sowie mehr Urlaubsgeld mit Umwandlungsmöglichkeit in freie Tage. Außerdem will die Gewerkschaft eine Erhöhung der sogenannten Wendezeit auf sechs Minuten ohne Ausnahme. Das betrifft die Zeit, die Fahrerinnen und Fahrer an einer Endhaltestelle haben, bevor sie wieder in die Gegenrichtung aufbrechen.
Der BVG zufolge hat die Gewerkschaft in der ersten Runde ihren Forderungskatalog noch einmal ausgeweitet. Darin enthalten sei auch eine 35-Stunden-Woche, die die Gewerkschaft durchsetzen wolle. Verdi selbst hatte sich bisher nicht dazu geäußert.
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