Wahlverlierer CDU Berlin: SPD und Grüne wollen sich mit Konservativen treffen
Während in Berlin Linke, Grüne und SPD über eine Koalition verhandeln wollen, meldet sich plötzlich die CDU und will reden. Was hat es damit auf sich?
Foto: Fabian Sommer/picture alliance/dpa
dpa Inmitten der Bemühungen von Linkspartei, Grünen und SPD um eine Regierungsbildung in Berlin hat die CDU ein eigenes Gesprächsangebot gemacht. Der CDU-Landesvorsitzende Stefan Evers habe die Führungen von Grünen und SPD zu gemeinsamen Gesprächen über die aktuelle Lage eingeladen, teilte eine Parteisprecherin mit.
Dieser Schritt erfolgte demnach „angesichts des besorgniserregenden Verlaufs der Sondierungen sowie mit Blick auf anstehende Entscheidungsnotwendigkeiten der nächsten Wochen“. Und: „Die Einladung sowie die Gespräche selbst sind vertraulich.“
SPD und Grüne sagten zu. „Herr Evers hat uns zu einem Treffen eingeladen, und natürlich sprechen wir immer wieder miteinander“, sagte die SPD-Landesvorsitzende Bettina König der Deutschen Presse-Agentur. „Wir regieren dieses Bundesland gerade gemeinsam und haben genug zu klären, aber das ist keine Sondierung.“
Auch die Grünen betonten, dass es nicht um eine mögliche Regierungsbildung mit der CDU gehe. „Dabei handelt es sich nicht um Sondierungsgespräche, sondern um ein Gespräch über die konstruktive Gestaltung der Übergangszeit bis zur Bildung der neuen Regierung“, teilte der Landesverband mit.
Nach Informationen des Tagesspiegels, der zuerst über die Einladung berichtet hatte, soll das Gespräch am 29. Oktober stattfinden – die Linke als Wahlsieger hat Evers nicht dazu eingeladen. Zu den Themen dürfte nach dpa-Informationen angesichts einer angespannten Finanzlage die Frage eines Nachtragshaushalts gehören. An dem Tag kommt auch das neue Berliner Abgeordnetenhaus zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.
Rechnerisch auch Schwarz-Grün-Rot möglich
Bei der Berlin-Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Dahinter folgten CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und – mit ihrem historisch schlechtesten Ergebnis – die SPD (12,1 Prozent). Die bisher regierende CDU-SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren.
Nun wird nach erfolgreichen Sondierungsgesprächen versucht, eine rot-grün-rote Regierung zu bilden. Gelingt das, könnte Linke-Fraktionschefin Elif Eralp erste Regierende Bürgermeisterin ihrer Partei in Berlin werden. Grüne und SPD haben dem Beginn von Koalitionsverhandlungen bereits zugestimmt. Die Linke entscheidet auf einem Parteitag am 31. Oktober darüber.
Käme die Koalition zustande, hätte sie zusammen 91 Sitze, das wären 14 mehr als die absolute Mehrheit. Möglich wäre aber auch eine Koalition von CDU, Grünen und SPD, deren Mandatszahl allerdings nur 2 Sitze über der absoluten Mehrheit läge. Da es in den Reihen von Grünen und SPD viele Vorbehalte gegen ein Bündnis mit der CDU gibt, gilt diese Option als wenig wahrscheinlich.
CDU-Spitzenkandidat Evers, der auch noch amtierender Senator für Finanzen und für Kultur ist, befindet sich mit seiner Partei seit der Wahl am 20. September in einer Art Wartestellung. „Die Hand der CDU bleibt ausgestreckt für ein Bündnis der Verantwortung und der Vernunft, das wissen die Führungen von Grünen und SPD aus allen bisherigen Gesprächen“, sagte er jetzt.
„Da die Spitzen der Grünen von Anfang an und dann auch öffentlich erklärt haben, unter allen Umständen eine Koalition mit den Linken anzustreben und ein anderes Bündnis nicht in Erwägung zu ziehen, kam eine Einladung zu formellen Sondierungen bisher leider nicht in Betracht“, so die Berliner CDU.
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