piwik no script img

Wahlverhalten bei der BundestagswahlFrauen wählen anders

SPD und Grüne bekommen mehr weibliche Stimmen, AfD und FDP mehr von Männern. Erstmals ziehen zwei offen trans lebende Frauen in den Bundestag ein.

Patricia Hecht

Aus Berlin

Patricia Hecht

Erdrutschartig anders würde die Zusammensetzung des neuen Bundestags nicht aussehen, wären nur Frauen wahlberechtigt. Sieger und Verlierer wären dieselben Parteien – allerdings würden sie andere prozentuale Ergebnisse holen. Während SPD und Grüne bei Frauen stärker abschneiden als bei Männern, holen AfD und FDP bei den Männern mehr Stimmen. Bei Union und Linkspartei gibt es hingegen kaum geschlechtliche Differenzen.

Für die Geschlechterverteilung im Bundestag gibt es bisher noch keine Auszählung, sondern nur übereinstimmende Prognosen. Der bisherige Bundestag hatte mit knapp 31 Prozent einen so niedrigen Frauenanteil wie seit 20 Jahren nicht mehr. Laut der Wahlforschungsinstitute wird der Anteil nun auf 35 bis 36 Prozent steigen. Damit verfehlen die Männer allerdings noch immer nur knapp die Zweidrittelmehrheit.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Das liegt auch daran, dass sich etwa die CSU zwar rühmte, ihre Liste paritätisch besetzt zu haben. Doch über diese Liste zieht nun keine einzige Person in den Bundestag ein. Die bayerischen CSUlerInnen holten ausschließlich Direktmandate. Und von diesen 45 PolitikerInnen werden gerade einmal neun Frauen in den neuen Bundestag kommen – das sind äußerst magere 20 Prozent.

Eine historische Premiere hinsichtlich der Geschlechterverteilung gibt es dennoch: Zum ersten Mal ziehen zwei offen trans lebende Frauen in den Bundestag ein. Tessa Ganserer hat ihren Platz über die Landesliste der bayerischen Grünen sicher, Nyke Slawik zieht über die grüne Landesliste in NRW ein.

Mehr trans Frauen wollten ins Parlament

„Mich haben mittlerweile Glückwünsche aus Polen, UK und den USA erreicht. Unser Wahlerfolg geht um die Welt“, twitterte die 27-jährige Slawyk, die derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Landtag arbeitet. „Ich hoffe, dass wir heute ein neues Kapitel der Selbstbestimmung in der Politik aufschlagen und die jahrelange Bevormundung queerer Menschen beenden können.“

Ganserer, 44, ist derzeit queerpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion. Auf den Stimmzetteln wurde sie mit ihrem sogenannten Deadname gelistet, also dem Vornamen, den sie abgelegt hat. Ihr Vorname Tessa stand nur in Klammern. Auf Twitter hatte Ganserer geschrieben, dass dieser Vorgang „das Maß an Demütigung“ überschreite. Sie fordert, das „entwürdige Transsexuellengesetz“ durch ein Selbstbestimmungsgesetz zu ersetzen.

Mit Christian Schenk von der Linkspartei hat es bislang zwar bereits einen trans Abgeordneten im Bundestag gegeben. Schenk outete sich aber erst nach seinem Ausscheiden 2002. Zwei weitere trans Frauen, die dieses Jahr für Grüne und SPD auf den Wahllisten standen, schafften den Einzug ins Parlament nicht.

Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Titelseite der wochentaz mit einer schwarz-weißen Zeichnung von zwei Krebsen mit Scherenhänden die ineinander greifen und einem Smartphone, das die taz-ePaper-App mit einem Artikel über eine Pride-Demonstration zeigt

Jetzt Probelesen! 10 Ausgaben der wochentaz für nur 10 Euro

Wir sind eine Stimme der queeren Community. In der wochentaz geht es stets auch um die auch queere Welt: um Menschen, um politische Kämpfe und Erfolge, um Realität und Utopien. Jetzt 10 Wochen testen – für nur 1 Euro pro Woche.

  • Wir sind eine Stimme der queeren Community und das seit unserer Gründung 1979
  • In unserer wochentaz geht es stets auch um die auch queere Welt, wie sie ist und wie sie sein könnte
  • wochentaz – unsere Zeitung für sieben Tage, samstags neu in deinem Briefkasten
  • Mit Zukunft, den Seiten für Klima, Wissen & Utopien
  • Mit Stadtland, den Seiten für alles Wichtige zwischen Dorf und Metropole

Entspannt testen: 10 Wochen für nur 10 Euro

Jetzt bestellen

3 Kommentare

 / 
  • "Frauen wählen anders" --- als?



    Wie wär´s mit der Überschrift "Männer wählen anders"? Geht nicht? Das zeigt, dass hinter dem "anders" ein "als normal" gedacht wird.



    Die Überschrift "Frauen wählen anders" transportiert die sexistische Wertung, Männer repräsentierten die Norm, demgegenüber wären Frauen anders. Wäre schön, wenn so etwas endlich der Vergangenheit angehören würde.

    • @ClaraN:

      Aber wenn man es gerade spiegelbildlich dreht, drehen sich dann nicht auch ihre Argumente spiegelbildlich und wir haben im Grunde doch die gleiche Situation nur eben mit geändertem Vorzeichen?

      Es wäre wohl erst dann in Ordnung, wenn die Frage wen Frauen oder Männer wählen so relevant wird, wie die Frage wen Rechts- oder Linkshändler wählen.

      • @Paul Rabe:

        wenn es umgedreht wäre, wäre es umgedreht, ja, isses aber nicht