Wahlprogramme der Parteien: Die Qual der Klimawahl

Wirklich konsequente Klimaprogramme hat keine der großen Parteien im Angebot. Die Pläne der Grünen sind da noch am konkretesten.

Wahlplakate der Grünen, der FDP und der SPD zur Bundestagswahl stehen auf einer Wiese

Die Grünen werden beim Thema Klimaschutz konkreter als die anderen Parteien Foto: Ronny Hartmann/dpa

Es ist Wahljahr in Deutschland, aber Klimagerechtigkeit kann man nicht wählen. Ein konsequentes Klima-Programm hat keine Partei im Angebot. Da sind sich die verschiedenen klimapolitischen „Wahl-o-Mate“ und Wahlprogramm-Analysen eigentlich einig. Klimagerechtigkeit würde ja auch heißen, dass Deutschland nicht mehr vom CO²-Budget der Menschheit aufbraucht als fair ist. Was fair ist – da kann man sich natürlich streiten.

Sollte man zum Beispiel die Unmengen an Emissionen einrechnen, die Deutschland seit der Industrialisierung in die Atmosphäre gepustet hat und beispielsweise Venezuela nicht? Dann dürfte Deutschland im Prinzip schon keine Treibhausgase mehr emittieren, sofern sich das Budget an dem Ziel ausrichtet, dass die Erde am Ende des Jahrhunderts höchstens 1,5 Grad wärmer ist als zu Beginn der Indus­trialisierung.

So etwas hat keine Partei in ihrem Programm. Oder sollte man sagen: Jetzt bekommt einfach jeder Mensch auf der Erde denselben Anteil am gemeinsamen CO2-Budget? Dafür müsste Deutschland seine CO2-Emissionen bis Mitte 2027 linear auf null absenken. Dann wäre der Anteil an der CO2-Menge aufgebraucht, die noch die Atmosphäre erreichen darf, wenn es eine halbwegs gute Chance von zwei Dritteln auf die Einhaltung des 1,5-Grad-Limits geben soll.

Damit kämen uns Länder wie Benin, Kiribas oder Indien schon entgegen, es käme einem ökologischen Schuldenschnitt gleich. Auch das bietet keine Partei an, obwohl das 1,5-Grad-Ziel mittlerweile fast alle irgendwie im Munde führen.

Und nun? Trotzdem gibt es massive Unterschiede zwischen den Parteien. Am konkretesten sind die klimapolitischen Maßnahmen der Grünen. Zu befürchten ist leider, dass die Union für einen gemeinsamen Koalitionsvertrag weite Teile davon schwärzen würde.

Und die FDP würde bestimmt keinen ganzen gelben Marker aufbrauchen, um gemeinsame Punkte anzustreichen. Zumindest auf der Ebene der Klimaziele ist übrigens die Linke – also der Rotstift – am ambitioniertesten, wenn auch in der Umsetzung teilweise etwas vage. Klimagerechtigkeit ist nicht wählbar, aber eine Wahl gibt es doch.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Jahrgang 1991, ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.

Bei wieviel Prozent liegen die Parteien? Wer hat welche Wahlkreise geholt?

▶ Alle Zahlen auf einen Blick

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Klimawandel

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Alle Artikel zum Thema

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de