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Vergewaltigungsprozess in NorwegenMette-Marits Sohn zu vier Jahren Haft verurteilt

Nach dem Mammutprozess gegen Marius Borg Høiby hat das Gericht sein Urteil verkündet: Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin soll für vier Jahre hinter Gitter.

Anne Diekhoff

Aus Härnösand

Anne Diekhoff

afp/taz | Vier Jahre Haft: Da ist das Urteil für Marius Borg Høiby. Ob und wie lange der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit ins Gefängnis muss, auf diese Antwort hatte das ganze Land gewartet. Die am Montagmorgen verkündete Entscheidung des Amtsgerichts Oslo fällt milder aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert – die hatte zum Abschluss der sechswöchigen Gerichtsverhandlung sieben Jahre und sieben Monate für angemessen erklärt.

Høibys Verteidiger hingegen hatten gesagt, ein Jahr und sechs Monate seien genug für die von ihrem Mandanten eingeräumten Taten. Die schwersten Vorwürfe, vier Fälle von Vergewaltigung im Schlaf, hatte Høiby von sich gewiesen. Das Gericht verurteilte ihn nun unter anderem für häusliche Gewalt in der Beziehung zu seiner Ex-Freundin Nora Haukland sowie für schwere Körperverletzung an einer weiteren Ex-Freundin. Nach einem Gewaltausbruch in deren Wohnung war er im August 2024 erstmals festgenommen worden.

Die Verteidiger der Nebenklage sagten dem norwegischen Rundfunk NRK nach der Urteilsverkündung: „Gewalt in Beziehungen ist ein ernstes Gesellschaftsproblem, das schwer zu beweisen sein kann.“ Haukland sei erleichtert, dass das Gericht ihrer Aussage gefolgt sei. Dem Urteil zufolge schuf Høiby in dieser Beziehung ein Muster der Angst, in dem seine damalige Freundin jederzeit mit neuen Gewaltausbrüchen rechnen musste.

Nach seiner Festnahme waren immer weitere Vorwürfe gegen den heute 29-Jährigen erhoben worden, zunächst von anderen Frauen, mit denen er zusammen gewesen war, schließlich von Ermittlern und Staatsanwaltschaft. Die größten Anklagepunkte waren vier Fälle von sexuellen Handlungen an wehrlosen, weil schlafenden oder berauschten Frauen, nach norwegischem Recht eine Schlaf-Vergewaltigung. In zwei dieser Fälle wurde er nun ebenfalls schuldig gesprochen, in den beiden anderen Fällen sah das Gericht die Beweislage nicht als ausreichend an.

Høiby filmte Opfer

Zu Beginn des Prozesses im Februar hatte Høiby erklärt, er sei als nichts bekannt außer als Sohn der Kronprinzessin. Deshalb habe er viel Bestätigung gebraucht und im Rausch gesucht, Alkohol, Drogen, Sex. Das Land sah ein äußerlich privilegiertes Leben, das außer Kontrolle geriet.

Der Angeklagte berief sich auf den eigenen Rauschzustand, er könne sich nicht erinnern. Dem Gericht blieben die Videos, die er von seinen Handlungen an den Frauen gemacht hat. Schliefen sie oder nicht? In zwei dieser Fälle reichte die Beweislage laut Gericht nicht für eine Verurteilung wegen Vergewaltigung.

Insgesamt 40 Anklagepunkte waren im Februar und März verhandelt worden – von den norwegischen Medien extrem engmaschig beobachtet. Dem ältesten Sohn der Kronprinzessin, den sie als Vierjährigen mit in die neue Familie gebracht hatte, wurden neben dem Genannten außerdem Bedrohungen, Sachbeschädigung und Drogendelikte vorgeworfen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, und am Mittag berichteten norwegische Medien, dass Høiby in Berufung gehen will. Høibys Anwälte sagten laut NRK, dies selbstverständlich prüfen zu wollen. Zudem wollen sie demnach erneut die Entlassung ihres Mandanten aus der Untersuchungshaft beantragen.

Kein Mitglied des Königshauses

Das Urteil trifft Høiby und seine Mutter in einer schwierigen Zeit: Mette-Marit, bei der 2018 eine seltene Form von Lungenfibrose diagnostiziert worden war, wartet derzeit auf eine Spenderlunge. Der Gesundheitszustand der 52-Jährigen hatte sich jüngst deutlich verschlechtert. Høibys Verteidiger war dennoch mit dem Antrag gescheitert, seinen Mandanten vor der Urteilsverkündung aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

Høiby ist Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung vor ihrer Hochzeit mit Kronprinz Haakon. Er gehört formell nicht dem Königshaus an.

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