Marius Borg Høiby vor Gericht: Ein Bonusprinz auf der Anklagebank
Am Montag fällt das Urteil gegen Marius Borg Høiby. Dem Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit werden Vergewaltigung und Drogendelikte vorgeworfen.
Schon damals gab es seinetwegen Gerede: Ob seine Mutter überhaupt die passende Kronprinzessin sein könnte? Eine Alleinerziehende, die zu viel auf Partys unterwegs gewesen war! Aber auch seinetwegen konnte Norwegen sich dann großzügig und offen fühlen. Die Liebe des Kronprinzen war doch wohl wichtiger als der Dünkel? Na, also.
Der Vierjährige auf dem Arm der Braut, ein ganz normales Kind, nur halt plötzlich auf dem Schlossbalkon mit Blick auf jubelnde Menschenmassen: Das Bild vom Tag der Kronprinzenhochzeit gehört seit 25 Jahren zur Geschichte des Landes – und zur Biografie des Angeklagten von heute. Am Montag fällt in Oslo das Urteil gegen Marius Borg Høiby, den sogenannten Bonusprinzen.
Über 40 Anklagepunkte waren vor dem Osloer Amtsgericht verhandelt worden, in sechs langen Wochen im Februar und März. Die vier schwersten Vorwürfe sind sexuelle Handlungen an wehrlosen, weil schlafenden oder berauschten Frauen. In Norwegen lautet der Straftatbestand Schlafvergewaltigung. Außerdem werden dem 29-Jährigen Körperverletzung, Bedrohungen, Sachbeschädigung, Drogendelikte vorgeworfen.
Spätestens mit diesem bis dahin für Norwegen unvorstellbarem Prozess wurde Høiby auch international ein Begriff, selbst für jene, die Königshäuser für irrelevantes Chi-Chi halten. Den nicht enden wollenden skandalösen Enthüllungen war medial schwer aus dem Weg zu gehen, seit der älteste Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit im August 2024 das erste Mal festgenommen wurde. Da hatte er im Drogenrausch in der Wohnung einer Ex-Freundin randaliert.
„Bonusprinz“, den Titel hatte er da in Norwegens Presse längst weg, in Anlehnung an „Bonuskind“, das dort den Begriff Stiefkind ersetzt hat. Er war als nicht-royales Mitglied in der Königsfamilie aufgewachsen. Seine Bonusgroßeltern sind die sehr beliebten Staatsoberhäupter des Landes. Unnormal privilegierte Kindheit also, nur ohne jegliche Rollendefinition. Das war neu.
Unter Nonstop-Beobachtung der Klatschpresse hatte dieser Nicht-Prinz als Teenager zu feiern angefangen, nicht mehr aufgehört und dabei offenbar die Kontrolle über sich und sein Leben verloren. Vor Gericht versuchte er sich zu erklären: Er sei ein Nichts, nur bekannt als Mamas Sohn. Er habe Bestätigung gebraucht und sie im Rausch gesucht.
Kokain, Party, Sex
Kokain, Party, Sex – Norwegen wollte lieber gar nicht so genau wissen, was in Oslos Elite offenbar Alltag geworden ist. Man sah in einen nicht als typisch norwegisch geltenden Abgrund aus Maßlosigkeit, Leere und Dekadenz, nachdem die von Høiby geschädigten Frauen und Zeugen vor Gericht ihr Leben beschrieben hatten.
Seine Familie betonte, sie habe immer wieder versucht, ihm zurück in ein anderes, gesundes Leben zu helfen. Offenbar erfolglos. Und nun saß er in U-Haft, anstatt wie die beiden royalen Halbgeschwister Zeit mit seiner mittlerweile lebensbedrohend lungenkranken Mutter zu verbringen. Man ließ ihn auch nicht für ein paar Tage vor der Urteilsverkündigung nach Hause, traute ihm nicht zu, das Kontaktverbot zu einer Ex-Freundin einzuhalten. Unglaublich hart sei das, hatte er gesagt. Es ging in seinen Aussagen sehr viel darum, was alles sehr hart für ihn war.
Ob er sich der Vergewaltigung schuldig gemacht hat, wenn es vor den verhandelten Fällen einvernehmlichen Sex gab und sich aus Rauschgründen niemand an etwas erinnern kann? Die Verteidigung sagt nein. Die Anklage sieht ihren Vorwurf mit Videoaufnahmen vom Handy des Angeklagten bewiesen. Das in Norwegen für möglich gehaltene Strafmaß liegt irgendwo zwischen Geldstrafe und maximal 16 Jahren Haft.
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