Vergewaltigungsprozess in Berlin: Verbrecherische Ordnung
Der zweite Prozesstag gegen Frank S. zeigt das Ausmaß der angeklagten Taten. 59 Frauen soll er betäubt und vergewaltigt haben – alles fein säuberlich dokumentiert.
126 Unterordner habe Frank S. auf einer Festplatte angelegt. Jeder Ordner trage den Namen einer Frau, kombiniert mit abgekürzten Stadtbezirken, erzählt der geladene IT-Forensiker im Berliner Landgericht. Er liest die alphabetisch sortierte Liste vor: Andrea, Angela, Angie, Anita, Anja, Bärbel, Berit, Biggi. In den Ordnern sollen sich Videos der Frauen befinden, wie sie betäubt auf Frank S.' Bett liegen, während er sexuelle Handlungen an ihnen vollzieht.
Es ist der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen Frank S. Der 68-Jährige soll laut Anklage zwischen 2016 und 2022 vierzehn Frauen, die er auf Datingplattformen kennengelernt hat, betäubt und dann vergewaltigt haben. Seine Taten soll er gefilmt und die Videos teilweise auf Pornoplattformen hochgeladen haben. Bislang sind 22 Taten angeklagt, aber die Ermittlungen zu weiteren Taten an mindestens dreißig Frauen laufen noch.
Vier der betroffenen Frauen hatten sich dem Prozess bereits als Nebenklägerinnen angeschlossen. An diesem Dienstag tritt eine weitere Nebenklägerin auf, sie ist als einzige der Betroffenen im Gericht anwesend. Quer durch den Saal schaut sie Frank S. an, schnaubt, als der IT-Forensiker erzählt wie viele Terabyte Daten sie ausgewertet haben. Frank S., ein schmaler, grauhaariger Mann, starrt während der gesamten Verhandlung zum Richterpult.
Alphabetisch sortierte Liste der vermeintlichen Opfer
Durch einen Hinweis der Polizei in Niedersachen wurden die Ermittler auf Frank S. aufmerksam. Nach zwei Hausdurchsuchungen nahmen sie ihn im März 2026 in seiner Berliner Wohnung fest. Zuvor hatte er jahrelang Zeit, um Fotos und Videos von betäubten Frauen zu sammeln. In einem Chat prahlte er, dass er „ein ganzes Archiv“ von Videos besitzen würde. 25 Datenträger habe die Polizei an den IT-Forensiker übergeben – CDs, Computer, Festplatten, sechs Smartphones. Insgesamt sechzehn Terabyte Daten, wovon die Hälfe relevant für die Ermittlungen sei.
Auf den Datenträgern hätten sie pornografische Videos, aber auch pädokriminelle Inhalte gefunden, berichtet der IT-Spezialist, und den Ordner „JAP 2021“. Darin habe Frank S. seine Videos penibel nach Namen und Stadtbezirken sortiert – Aufnahmen von regungslosen Frauen, die er vergewaltigt.
59 betäubte Frauen
Sie hätten dann festgestellt, dass Frank S. die Frauen in seinem Smartphone unter den gleichen Bezeichnungen abgespeichert habe wie die Videos, erklärt der IT-Forensiker. So konnten sie den Taten Chatnachrichten und Mobilfunknummern zuordnen und die betroffenen Frauen identifizieren. In ihrem Gutachten gehen die IT-Forensiker von 59 Frauen aus, die Frank S. betäubt haben soll. Die betroffenen Frauen erfuhren erst durch die Ermittlungen, was ihnen angetan wurde.
Auf den Speichermedien fanden sie außerdem Chatnachrichten, in denen sich Frank S. mit ähnlich gesinnten Usern austauschte, sagt der IT-Spezialist vor Gericht. Ein Mann habe geschrieben, er wolle seine Frau „in den Schlaf schicken, sodass sie nicht merkt, wenn sie befummelt wird“. Frank S. bot ihm daraufhin an, ihm die passenden Medikamente zu schicken und gab ihm Tipps zur Dosierung der Mittel.
Einem anderen User habe der Angeklagte geraten, die Betäubungsmittel mit zwei Gläsern Wein zu verabreichen, weil die Frau dann noch weniger merken würde. Im Gegenzug für seine Tipps fragte Frank S. im Chat nach Videos von den Taten der Männer. Dass Schlaf- und Betäubungsmittel, vor allem in der Kombination mit Alkohol lebensgefährlich sein können, erwähnt Frank S. in diesen Chats nicht.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!