Vereinstreue im Fußball: Sehnsucht nach der ewigen Liebe
Ex-Herthaner Fabian Reese wird beim Gastspiel mit seinem neuen Klub in Berlin ausgepfiffen. Ein merkwüdiges Ritual in Zeiten des modernen Fußballs.
Es war das erwartete Pfeifkonzert. Im Zweitligaspitzenspiel zwischen dem sportlichen Tabellenführer Hertha BSC und den Anführern der Geldrangliste vom VfL Wolfsburg (2:1) in Berlin wurde es immer dann unangenehm laut, wenn Fabian Reese in die Nähe des Balls gekommen ist. Den Fußballer mit dem pfiffigen Stirnband haben sie mal ganz doll lieb gehabt in der Hauptstadt. Und auch er schien sich unsterblich in Hertha verknallt zu haben. Ewige Liebe hatte man sich geschworen. Bis 2030 wollte er eigentlich in Berlin spielen, was ja zumindest eine halbe Ewigkeit im Fußball ist.
Doch daraus wurde nichts. Hertha brauchte das Geld und Wolfsburg nach dem Abstieg einen überdurchschnittlichen Zweitligaspieler. Für die eingefleischten Herthafans war das ein Verrat. Und so wurde nach Herzenslust gepfiffen am Samstagabend im Olympiastadion beim ersten Gastspiel von Reese nach seinem Wechsel. Die Bild-Zeitung hat 115 Dezibel gemessen und dazu erklärt: „Die Lautstärke entspricht der eines Martinshorns, wenn ein Polizeiauto mit Sirene an einem vorbeifährt.“
Dieser Soundtrack zum Vereinsverrat ist immer wieder mal zu hören, wenn ein Profi, der zuvor regelmäßig und mit voller Inbrunst das Vereinslogo auf seinem Trikot abgeschmust hat, den vermeintlichen Klub seines Herzens dann doch verlassen hat und mit neuem Trikot zu Besuch kommt. Ewige Liebe, das ist es, was viele Kurvenfans ihrem Verein geschworen haben. Und eigentlich wissen sie, dass es unten auf dem Feld schon lange fast nur noch Kurzzeitbeziehungen gibt.
Doch die Sehnsucht, dass es vielleicht auch im hochbezahlten Fußball den einen geben möge, der einzig aus Liebe zu seinem Klub allen anderen eine Absage erteilt, scheint in den Herzen der Fans weiterzulodern. Manche bezeichnen das als Fußballromantik. Am Samstag in Berlin war diese ziemlich laut.
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