Urteil nach Blockupy-Aktion: „Meine Waffe ist das Wort“
Rund drei Monate nach der Demo in Frankfurt wird der erste Blockupy-Aktivist verurteilt. Federico A. bekommt 14 Monaten Haft auf Bewährung.
Der Italiener stand als bislang erster Aktivist der Blockupy-Proteste vor Gericht. A. hatte sich gleich zu Prozessbeginn schuldig bekannt.: „Ja, ich habe zwei Steine geworfen“, räumte Federico A. am Mittwochmorgen ein. Dass er insgesamt vier Steine und eine Bierflasche geworfen habe, wies A. jedoch „entrüstet“ zurück. Es seien zudem kleinere Steine, keine Pflastersteine gewesen.
Weil eine Freundin von einem Polizisten im Gesicht verletzt wurde, habe er aus der aufgeladenen Situation heraus spontan zu zwei Steinen gegriffen und diese in Richtung Polizei geworfen, sagte er gegenüber der Richterin. Vom schwarzen Block und geplanten Aktivitäten grenzte er sich entschieden ab. „Meine Waffe ist das geschriebene Wort.“
Am Morgen des 18. März war der Londoner Masterstudent mit italienischem Pass von der Polizei im Zuge der Blockupy-Proteste festgenommen worden. Die Polizisten, die am Mittwoch als Zeugen aussagten, berichteten übereinstimmend, dass A. „gewaltbereit und aggressiv“ aufgetreten sei. „Wie einen Baseball“ habe er Pflastersteine gezielt gegen die nur zehn Meter entfernten Polizisten geworfen, dann eine Flasche und zudem Polizisten den Mittelfinger gezeigt, sagte ein Beamter, der die Demonstration in Zivil begleitet hatte. Schwer verletzt wurde dabei jedoch niemand.
Die rote Jacke
Dem Angeklagten A. wurde vermutlich seine rote Jacke zum Verhängnis. Sie ließ ihn „gegenüber den Schwarzgekleideten herausstechen“, erklärte ein Beamter. Insgesamt fünf Zeugen waren geladen, alle Polizisten. Das NoTroika Bündnis erklärte nach der Urteilsverkündung in einer Stellungsnahme, dass Federico stellvertretend für alle Blockupy Aktivisten der Prozess gemacht wurde.
„Fede“, auch an diesem Tag im roten Oberteil erschienen, umarmte noch vor dem Gericht seine angereisten Freunde und Eltern. „Wir sind so froh, dass er raus ist, auch wenn mir fünf Jahre Bewährungszeit schon ziemlich hart vorkommen“, sagte Helena S. eine Kommilitonin des Studenten.
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