Unerzähltes aus dem zweiten Stock: Wollen Sie noch etwas trinken?
Ein Unbekannter bittet um Hilfe. Die Angelegenheit ist schnell erledigt, doch was sich hinter der Geschichte verbirgt, bleibt offen.
H interher fragte ich mich, ob der Mann schon lange vor der Haustür stand und warum er gerade mich ansprach, und ich bereit war, einem Fremden in seine Wohnung zu folgen. Sie müssen fest zudrücken – Kindersicherung –, sagte er. Ich nahm ein schwarzes Kabel und verband es mit der Steckdose. Die Lampe ging an. Er bedankte sich. Wollen Sie noch etwas zu trinken? Ich verneinte und wünschte einen schönen Abend.
Jetzt bereue ich es, dass ich sein Angebot auf ein Getränk ausgeschlagen hatte. Was verbarg sich hinter dieser Geschichte? Stand der Mann jeden Freitagabend auf der Straße? Ich blickte um mich. Im zweiten Stock des Hauses saß ein weiterer Mann auf dem Balkon und starrte auf schwitzende Spielerbeine. Die Straße selbst hatte ich nie zuvor betreten, baumgesäumt, fast ohne Geschäfte, aber eine Kirche mit goldenem Kreuz auf der Fassade.
Ich versuchte mir ihren Namen einzuprägen, bog nach rechts und ließ die Straße hinter mir, die sich plötzlich aufgetan hatte, wie eine verborgene Tür in einem Märchen. Dann hatte ich diesen Mann erblickt, getrimmter Bart, muskulös, dunkelbraune Slipper. Ich blieb stehen, er sah mich an und kam auf mich zu. Können Sie mir kurz helfen, fragte er.
Ich dachte, er wolle mit mir einen Schrank oder eine Matratze aus dem Treppenhaus hieven. Doch er sagte, es gehe um den Lichtschalter. Sie müssen ihn nur einstecken, das ist mir aus religiösen Gründen verboten. Ich stieg eine halbe Treppe hoch in seine Wohnung. Er wies auf eine Couch und da sah ich die Lampe.
Ein paar Blocks weiter auf der Güntzelstraße erinnere ich mich schon nicht mehr an den Namen der Straße oder die Hausnummer. Nur an die vielen kastenförmigen Nachkriegsbauten, die mehr als ihre eigene Geschichte, die Geschichte jener Häuser und ihrer Bewohner erzählen, die es schon längst nicht mehr gibt.
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