Unaufsteigbarer Meister Lok Leipzig: Völlig lost im Osten
Regionalligameister Lok Leipzig steigt schon wieder nicht auf. Sie scheitern an den Würzburger Kickers und fehlendem Reformwillen der Vereine.
Die Tränen konnte Djamal Ziane am Ende nicht mehr zurückhalten. Völlig aufgelöst schlich er über den Rasen des Würzburger Stadions. „Ich bin sehr leer“, sagte der Kapitän des 1. FC Lokomotive Leipzig der Leipziger Volkszeitung. „Du kannst Gefühle nicht unterdrücken.“ Ziane, vor 34 Jahren in Leipzig geboren, seit zwölf Jahren bei Lok, 352 Pflichtspiele auf dem Buckel, konnte sich den großen Traum wieder nicht erfüllen: den Aufstieg in die 3. Liga. Mit 1:2 das entscheidende Aufstiegsspiel bei den Würzburger Kickers verloren.
Zum dritten Mal in sechs Jahren scheiterte er mit seinem Klub an den Aufstiegsspielen. Gegen Verl war es die Auswärtstorregel, gegen Havelse verlor Lok in der Verlängerung, und jetzt eine Saison später fehlten für die entscheidenden zwei Spiele fünf Stammspieler. Würzburg steigt damit in den Profifußball auf, Lok bleibt in der Regionalliga-Nordost.
Man könnte jetzt sagen, dass Lok Leipzig der unglücklichste Verein in Fußball-Deutschland ist. Doch das Problem ist ein strukturelles: An der Schwelle zwischen Amateur- und Profifußball, zwischen Regionalligen und 3. Liga hat sich eine Ungerechtigkeit etabliert: Meister steigen nicht zwangsläufig auf. Eine Reform könnte es längst geben, doch einige Provinzfürsten wehren sich dagegen.
Die Mechanik ist schnell erklärt. Es gibt fünf Regionalligen, aber nur vier Absteiger aus der 3. Liga. Die Meister aus West und Südwest steigen jedes Jahr direkt auf. Die anderen drei Staffeln teilen sich die verbleibenden zwei Plätze: Einer bekommt pro Jahr im Rotationsprinzip einen direkten Aufstiegsplatz, die übrigen beiden spielen um den letzten Platz. In dieser Saison traf es Nordost und Bayern.
Fehlende Planbarkeit
Bayern schickte seinen Vizemeister ins Rennen. Der eigentliche Meister, Nürnberg II, hatte keine Drittligalizenz beantragt; Verfolger Unterhaching zog am 28. April zurück. Seitdem wussten die Würzburger Kickers, dass sie spielen würden – knappe vier Wochen, bevor Lok am letzten Spieltag die Meisterschaft gewann. Aufstiegsspiele werden wohl niemals fair sein, ziehen aber weitere Folgen nach sich: „Uns fehlt ein Stück Planbarkeit, etwa was Investitionen angeht. Die Relegation ist bei Gesprächen mit allen Spielern und Beratern ein Thema“, sagt Toni Wachsmuth, Sportgeschäftsführer bei Lok.
Wer noch Zweifel hat, schaue sich die 3. Liga für die kommende Saison an: 15 der 20 Klubs stammen aus West und Südwest. Im kommenden Jahr hat die Staffel Nordost den direkten Aufstiegsplatz, was ein Hauen und Stechen zwischen den Klubs auslösen dürfte. Die Liga gilt in der Spitze als besonders stark, weil mit Erfurt, Jena, Lok, Halle, Zwickau und dem BFC Dynamo viele DDR-Traditionsklubs vertreten sind. Kaum verwunderlich, dass diese Staffel mit Abstand die meisten Zuschauer hat. Die direkten Aufstiegsplätze gingen bei den letzten Reformen in den Westen, weil die Verbände dort argumentierten, dass sie insgesamt mehr Vereine in ihrer Region haben. Was wiegt also schwerer: Zuschauerinteresse oder Vereinsdichte?
Jedenfalls fühlen sich die Klubs im Osten schon seit einer Weile strukturell benachteiligt. Lok Leipzig ist dabei das traurige Aushängeschild. „Wir können uns in unserer Liga noch so anstrengen – im Zweifel kommen wir nicht durch das Nadelöhr“, sagt Tommy Haeder. Er ist Geschäftsführer beim Chemnitzer FC und Sprecher der Initiative Aufstiegsreform 2025. Die entstand aus einem Dialog mit Ultras. Die Verbände waren zunächst skeptisch, aber durch beständige Arbeit wurden mittlerweile 77 Klubs aus den ersten fünf Ligen vereint, die hinter dem Ziel stehen, dass Meister aufsteigen müssen.
Der DFB berief daraufhin eine Arbeitsgruppe, die eine Lösung erarbeiten sollte. 20 Modelle wurden diskutiert und nach übereinstimmenden Berichten von Teilnehmern gab es einen klaren Favoriten: das Kompassmodell. Das sieht vor, dass vier Staffeln jede Saison so neu zusammengestellt werden, dass die Fahrtwege am kürzesten sind. Das bedeutet auch, dass die Regionalligen zentral von einer Spielbetriebs-GmbH oder dem DFB geleitet werden müssen. Oder anders formuliert: Die Regionalverbände verlieren die Hoheit über „ihre“ Liga.
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Alle schienen sich auf das Kompassmodell geeinigt zu haben, bis auf einmal der Bayerische Fußball-Verband ein Gegenmodell einbrachte. Mehrere Beteiligte werten das als Hinhaltetaktik, damit die Reform im Sand verläuft. Das sieht auch Initiativensprecher Haeder so: „Das Problem sind die Kurfürsten. Denen geht es nicht darum, was gut für den Fußball ist, sondern was gut für sie ist.“ In den kommenden Tagen soll es weitere Gespräche geben. Die anderen Verbände stehen wohl hinter der Reform. „Jetzt oder nie“, sagt Haeder. Denn nochmal wird sich solch ein Kraftakt nicht bewerkstelligen lassen.
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