Umzug ins Naturschutzgebiet: Lüneburg ist wagenfreundlich
Der Lüneburger Wagenplatz „Gut Wienebüttel“ soll ins Naturschutzgebiet umziehen. Stadt und BewohnerInnen sind sich einig. Aber es gibt Bedenken.
Wagenplätze haben es oft schwer. Konservatives Klischeedenken verweigert ihnen die Akzeptanz. Kommunen errichten rechtliche Hürden. Neubau- und Gewerbegebiete machen ihnen Konkurrenz. Oft endet das in Umzügen, in Räumungen.
Aber es gibt auch Wagenplätze, bei denen läuft es gut. Einer davon ist der Wagenplatz Gut Wienebüttel in Lüneburg, über 30 Jahre alt. Dass er in Kürze umziehen muss, sieht er gelassen.
„Wir werden verrückt“, scherzt der Betreiberverein „Unverrückbar“ darüber auf einem Flyer zur Einwerbung von Geld für die Erschließungskosten. Vom Gut Wienebüttel, wo sich ein Pflege- und Therapiezentrum erweitert, soll es zum Brockwinkler Weg gehen, auf einen stadteigenen Acker, auf dem derzeit Klee wächst. Jetzt steige so langsam die Vorfreude, teilt Unverrückbar mit.
Das ist verständlich: Auf Gut Wienebüttel war der Platz illegal, nur geduldet. Am neuen Standort gäbe es einem Pachtvertrag.
Zustimmung wahrscheinlich
Bisher lief alles geräuschlos, auch in den Fachausschüssen, vom Flächennutzungs- bis zum Bebauungsplan. Knapp 13.000 Quadratmeter sollen für rund 20 Stellplätze zur Verfügung stehen. Jetzt fehlt nur noch der Beschluss durch den Stadtrat. Eine interfraktionelle Mehrheit gilt als wahrscheinlich.
Bauwagen und Tiny Houses sollen den neuen Standort bilden. Der alte sei „aus naturschutz- und baurechtlichen Gründen nicht geeignet“, heißt es im Beschlussvorschlag des Lüneburger Ausschusses für Bauen und Stadtentwicklung vom Ende September 2025.
Die Stadt habe sich bemüht, „mit den Bauwagenbewohner:innen einen Alternativstandort zu finden“, schreibt Ann-Kristin Jenckel der taz, Sprecherin der Stadt Lüneburg, „um ein Weiterbestehen zu ermöglichen“. Dies sei „auch Ausdruck der Grundhaltung der Stadt gegenüber dem Wagenplatz Wienebüttel“.
Aber es gibt auch Bedenken – etwa beim Regionalverband Elbe-Heide des BUND. Mitte Juni hat er der Stadt aufgelistet, warum er Bebauungsplan 197 „Wagenplatz Brockwinkler Weg“ und die dazu notwendige 94. Änderung des Flächennutzungsplans ablehnt.
Im Kern geht es um den Schutz des durch den Wagenplatz berührten „Grüngürtels West“, wichtig für Stadtklima, Artenschutz und Naherholung.
Luftleitbahnen der Frischluftzufuhr würden nicht beachtet. Aus hygienischen und umwelttechnischen Gründen sei es inakzeptabel, dass keine festen Leitungen installiert werden sollen, abgesehen vom Sanitär- und Küchenblock. Auch lehne man das Heizen mit Holz ab. Im angrenzenden Neubaugebiet sei das verboten, zur Reduzierung von Luftverunreinigungen. Es sei „nicht nachvollziehbar, warum dieses Verbot nicht auch in einer Bauwagensiedlung in direkter Nähe gelten soll“.
Der BUND fordert die Stadt zudem auf, festzustellen, wie viele Menschen im Wagenplatz längerfristig ihren Hauptwohnort haben und wie viele von ihnen bedürftig sind: Die Befürchtung des BUND: Sind Interessenten für einen Bauwagenplatz möglicherweise „Menschen, die ein Wochenendhaus im Grünen planen“?
Der BUND ist nicht generell gegen den Wagenplatz. Aber er verlangt von der Stadt, „Alternativen zu benennen und zu erörtern, inwieweit die Inanspruchnahme von für den Naturschutz bedeutsamen Flächen unvermeidlich ist“.
Die Bürgerinitiative Grüngürtel West Lüneburg sieht das genauso. „Die Planung ist angesichts höherwertiger Ziele mit Allgemeinwohlcharakter wie Naherholung, Landschaftserleben und Erhalt der historischen Kulturlandschaft abzulehnen“, schreibt sie Mitte Juni in einer Stellungnahme an die Stadt. Ihre Argumente reichen von der Lichtemission bis zum Fledermausschutz.
Bürger-Ini sieht einen Zeitdruck
Die Initiative weist darauf hin, dass der Grüngürtel ja laut einem Ratsbeschluss von 2014 und dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek) von Bebauung freigehalten werden solle. Bauwagen würden „einer weiteren Zersiedelung Vorschub leisten“.
Bei der Bauwagensiedlung bei Gut Wienebüttel gebe es keine Belege für schwerwiegende Umweltverstöße. Es gebe keinen Zeitdruck. „Eine Eilbedürftigkeit, die es scheinbar verhindert, dass nach einem wirklich geeigneten, also deutlich weniger gemeinwohlschädlichen Standort gesucht werden kann, besteht nicht“, findet die Initiative.
Eine dieser Alternativen ist für die Bürgerinitiative die Erweiterung von Lüneburgs zweitem Wagenplatz Fango, 2010 gegründet, 25 Wagen und 30 BewohnerInnen groß, fast in Sichtweite der Wienebütteler Wagen. Sein Vorteil: Er ist bereits legal.
Wie das Verrückt-Werden des Platzes Wienebüttel ausgeht, ist also offen. Die Wienebütteler, von der taz um Kommentierung ihrer Lage gebeten, ziehen es vor, den Ratsbeschluss abzuwarten.
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