Umweltorganisation entsetzt: Blaublut knallt Bären ab

Ein Prinz aus Liechtenstein erschießt den größten Bären Rumäniens. Umweltschützer sind entsetzt – und vermuten Korruption.

Der praeparierte Baer Bruno ist am Mittwoch, 26. Maerz 2008, in einer Vitrine des Museums Mensch und Natur in Muenchen zu sehen. Der Baer, der am 26. Juni 2006 in der Region von Oberbayern nach wochenlanger Suche erlegt wurde, ist nun praepariert in dem M

Arthur, 17 Jahre alt, Braunbär aus Rumänien, wurde von Emanuel von und zu Liechtenstein abgeknallt Foto: Agent Green/ap

WIEN taz | Prinz Emanuel von und zu Liechtenstein hat einen Bären geschossen. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Viele in Rumänien sind empört über den blaublütigen Trophäenjäger, der Rumäniens prominentesten Braunbären erlegt hat, den 17-jährigen Arthur. Tatort ist ein Naturschutzgebiet im siebenbürgischen Kreis Covasna im Herzen des Landes.

Der Abschuss erfolgte bereits am 13. März, bekannt wurde er aber erst vergangene Woche. Aufgedeckt hat ihn die rumänische NGO Agent Green, die Nationalparks mit Rangern schützt und Umweltverbrechen untersucht.

Arthur war der größte bisher beobachtete Bär Rumäniens, wahrscheinlich in der gesamten EU, meint Gabriel Paun, der Vorsitzende von Agent Green. Er hätte nie zum Abschuss freigegeben werden dürfen. Paun vermutet Korruption und verdächtigt die zuständige Botos Jagdgesellschaft, eine Abschusserlaubnis konstruiert zu haben.

Vergangenen Sommer hatten sich mehrere Bauern im Dorf Ojdula über eine Bärin beschwert, die Schafe, Hühner und sogar eine Kuh gerissen habe. Manchmal sei sie von einem Jungtier begleitet gewesen. Aggressionen gegen Menschen wurden keine gemeldet. Seit Monaten gab es keine Klagen mehr. Man vermutet, dass das Muttertier weitergezogen ist.

Jagdverband wollte Problembärin erschießen

Umso seltsamer, dass einer der Bauern im vergangenen Januar an den Jagdverband mit der Bitte herantrat, diese Problembärin zu erschießen. Fix stellte die lokale Umweltbehörde einen Erlaubnisschein aus, der es dem Neffen des Fürsten Hans-Adam II. ermöglichte, einen Bären zu schießen. Spezifische Angaben fehlten in dem Schreiben.

Gabriel Paun zur taz: „Da müsste genau angegeben sein, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt, und andere Details, die den Bären eindeutig identifizieren“. Er vermutet, dass die Erlaubnis absichtlich so konstruiert wurde, dass sie dem adligen Weidmann, der auf der mittelalterlichen Riegersburg in der Steiermark lebt, den Abschuss des kapitalen Bären ermöglichte.

Nach der internationalen Trophäenskala mit maximal 600 Punkten erfüllte Arthur 593 Punkte. „Es ist klar, dass der Prinz nicht gekommen ist, um das Problem der Einheimischen zu lösen, sondern um den Bären zu töten und die größte Trophäe mit nach Hause zu nehmen“, sagt Gabriel Paun: „Wir haben es mit Wilderei zu tun, da sie den falschen Bären erschossen haben“.

Das Gesetz sieht außerdem vor, dass der Abschuss das letzte Mittel sein muss. Die betroffenen Bauern schützen ihr Vieh aber weder mit elektrischen Zäunen noch mit Hunden. Agent Green hat dafür Gelder zur Verfügung gestellt. Deren Auszahlung werde aber vom Umweltminister ohne Angabe von Gründen blockiert, sagt Paun.

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