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Umfrage zum SchulübergangWenn der Schulweg immer länger wird

Eine Umfrage ermittelt, wie Eltern den Übergang in die Oberschule wahrnehmen. Erste Ergebnisse zeigen: Die Platzvergabe ist intransparent, eine wohnortnahe Schule ist nicht gewährleistet.

Was kommt nach der Grundschule? Das ist eine Frage, die bei Eltern und Schulkindern meist extremen Stress auslöst. Denn weil die Zahl der Schü­le­r*in­nen steigt und rund 24.000 Schulplätze aktuell fehlen, gibt es zunehmend Kinder, die keinen Platz auf einer der von ihnen gewünschten Schulen erhalten. Wo ein Kind seine Schulzeit in der 7. Klasse tatsächlich weiter fortsetzen kann, hängt von Noten, aber auch von Wohnort, individuellen Fähigkeiten und der Verfügbarkeit von Plätzen ab. Für Eltern ist die Schulplatzvergabe zunehmend intransparent.

Der Landeselternausschuss (LEA) befragt daher derzeit in einer berlinweiten Umfrage, wie Eltern die Regeln zum Schulübergang von der 6. bis zur 7. Klasse wahrnehmen. Die ersten Zwischenergebnisse liegen vor, die Umfrage läuft bis Ende des Jahres weiter. Sie soll „Der Startschuss für einen umfassenden Prozess“ sein. Der LEA möchte das gesamte Übergangsverfahren in den Blick nehmen und gemeinsam mit Eltern und Verwaltung Verbesserungen diskutieren.

Zum 8. Oktober lagen dem LEA bereits etwa 2.600 Antworten vor. Aus diesen zeichnet sich ab, dass bei Eltern der Wunsch nach kürzeren Schulwegen im Vordergrund steht: Mehr als 70 Prozent der Antwortenden wünschen sich bisher eine stärkere Berücksichtigung der Wohnortnähe, teilte der LEA mit. Denn der Schulweg wird für viele Kinder immer länger. Bis zu über eine Stunde sind Schü­le­r*in­nen morgens und nachmittags unterwegs. Dadurch fehlt ihnen früh der Schlaf und nachmittags die Zeit zum Lernen, abgesehen von den sozialen Kontakten, die auch sehr eingeschränkt werden. Der LEA bemängelt, dass den Schü­le­r*in­nen damit wichtige Lebenszeit verloren geht.

Der LEA bemängelt, dass den Schü­le­r*in­nen wegen langer Schulwege wichtige Lebenszeit verloren geht

Viele Teilnehmenden der Umfrage würden sich außerdem für mehr Transparenz über die tatsächlichen Aufnahmekapazitäten aussprechen, teilt der LEA mit. In den aktuellen Regelungen, bei denen der Notendurchschnitt eine große Rolle spielt, wächst ab der 5. Klasse der Druck auf die Schüler*innen. Denn nur mit einem entsprechenden Schnitt steht ein Wechsel auf das Gymnasium in Aussicht. Wer diesen verfehlt, kann am Probeunterricht teilnehmen. Doch dieser hat eine sehr geringe Bestehensquote.

Reformprozess anstoßen

Die Umfrage soll verdeutlichen, wie hart der Übergang für Familien mitunter ist. Außerdem möchte der Landeselternausschuss damit einen strukturierten Reformprozess der aktuellen Regelungen starten. Zu der Frage, wie sie sich die Reformen vorstellen, sagte der Landeselternsprecher Norman Heise, dass der LEA nichts Konkretes vorgeben werde und sie die Vorschläge von Eltern und anderen einbeziehen möchten.

Im Gespräch mit dem LEA hätten Ver­tre­te­r*in­nen der Bildungsverwaltung angekündigt, das Aufnahmeverfahren für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zeitlich vorzuziehen. Ein neuer Algorithmus soll außerdem Erst-, Zweit- und Drittwünsche gemeinsam berücksichtigen und die Platzvergabe beschleunigen, teilt der LEA mit. Auch bei der Digitalisierung und der Information von Familien seien weitere Verbesserungen geplant.

Doch dem LEA geht es nicht allein darum, bestehende Regelungen effizienter zu gestalten. Vielmehr stehe die Frage im Mittelpunkt: „Wie müsste Schule eigentlich aussehen, damit die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg nicht schon mit elf oder zwölf Jahren so viel Druck auslöst?“.

Linke, Grüne und SPD haben sich in ihrem Sondierungspapier auf den Ausbau von Gemeinschaftsschulen verständigt. Diese Schulform würde für Eltern und Kinder auch den Übergang von Grund- zu Oberschule vereinfachen, weil sie meist einfach an ihrer Schule bleiben. Aktuell gibt es in Berlin 28 Gemeinschaftsschulen.

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