Bildungssenatorin zum Schulstart: Die Schulbank ruft
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat die Entwicklungen im kommenden Schuljahr vorgestellt. Sie betreffen mehr als 400.00 Schüler*innen.
Foto: picture alliance/dpa | Jens Kalaene
Fast 36.000 Kinder werden am Montag in Berlin eingeschult. Drei Tage vor Beginn des neuen Schuljahres hat Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) die aktuellen Zahlen auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Die Gesamtzahl der Schüler*innen bleibt dabei weiterhin auf einem Höchststand: Über 400.000 werden im kommenden Schuljahr an öffentlichen und privaten Schulen in Berlin unterrichtet.
Für rund 24.000 von ihnen fehlen dabei eigentlich weiterhin die Plätze, auch wenn im vergangenen Jahr erstmals ein Rückgang des Defizits verzeichnet werden konnte. Die Berliner Schulbauoffensive arbeitet seit 2016 daran, neue Schulen zu schaffen. Im letzten Schuljahr wurden vier integrierte Sekundarschulen, drei Grundschulen, eine Gemeinschaftsschule und ein Gymnasium gebaut. Auch im kommenden Schuljahr sind Bauten geplant: Fünf Grundschulen und ein Gymnasium sollen entstehen, 2,8 Milliarden Euro stehen dafür bereit.
Den Schulbau hält Günther-Wunsch trotz des aktuellen Geburtenrückgangs für notwendig. „Es ist der vollkommen falsche Zeitpunkt, darüber zu reden, ob man weniger Schulen baut“, sagte die Senatorin am Freitag. Bis 2030 erwartet sie einen weiteren Anstieg der Zahlen. „Dann sollten wir ein Plateau erreicht haben und kommen hoffentlich in die Situation, die übervollen Klassenzimmer zu entzerren“, sagte sie. Angestrebt werde eine Klassenstärke von 20 Schüler*innen.
In den Kitas ist der Geburtenrückgang dagegen bereits spürbar. Mit dem Willkommensgutschein, der ab September ausgestellt wird, will die Senatorin einen Anreiz für Eltern schaffen, ihre Kinder in die Kita zu geben. Alle Kinder sollten bestenfalls vor der Schuleinführung eine Kita besucht haben, so Günther-Wünsch. Das fördere auch die Sozialkompetenzen und die Kommunikation. „Die Kita bietet neben Unterstützung und Förderung eine Vorbereitung auf die Schule“, sagte die Senatorin. Der Gutschein gilt für alle Kinder, die in diesem Jahr drei Jahre alt werden.
63 Prozent Verbeamtung
590 neue Lehrkräfte werden zum Schuljahresbeginn eingestellt. Trotzdem fehlen momentan noch 500 Vollzeitstellen. Günther-Wünsch ist aber zuversichtlich, dass auch dieses Ziel bald erreicht werden kann: „Wir können momenten jeder Kollegin und jedem Kollegen eine Verbeamtung in Aussicht stellen. Das sorgt dafür, dass wir kontinuierlich in diesem Bereich anwachsen.“ Die Verbeamtung war 2022 nach 20 Jahren Pause in Berlin als letztem Bundesland wieder eingeführt worden. 63 Prozent aller Lehrkräfte sind aktuell verbeamtet, 37 Prozent nach Tarif angestellt.
Die Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität im Land Berlin, die Ende letzten Jahres vorgestellt wurde, soll im kommenden Schuljahr erstmals vollumfänglich umgesetzt werden. Der Fokus liegt dabei auf der datengestützten Schulentwicklung. Die Qualität von Unterricht und Bildung soll so auf Basis von erhobenen Daten verbessert werden.
Als Instrumente zur Erhebung der Kompetenzen von Schüler*innen sind die Verfahren VERA 3 und VERA 8 etabliert. Die beiden Vergleichsarbeiten werden standardmäßig an allen Berliner Schulen in der dritten und achten Klasse durchgeführt, um den Wissensstand der Schüler*innen abzufragen. Neu hinzugekommen sind nun Wiederholungstests, die ein Jahr später in der vierten und neunten Klasse durchgeführt werden sollen. Im kommenden Schuljahr werden sie erstmals durchgeführt, um den Fortschrittsverlauf festzustellen.
Digitaler Schülerausweis
Katharina Günther-Wünsch, Bildungssenatorin
Neuerungen soll es auch beim Thema Digitalisierung geben: Die digitale Plattform „Berliner Schulportal“ wird ausgebaut. Eingeführt werden soll außerdem das digitale Klassenbuch, in dem Anwesenheit, besondere Vorkommnisse und Leistungen der Schüler*innen festgehalten werden können. Die Einführung eines digitalen Schülerausweises wird aktuell an zehn Pilotschulen erprobt. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern macht dort den Unterschied, wo sie Qualität stärkt und Bildungskräfte entlastet“, erklärt die Senatorin die Pilotierung vor einer Einführung an allen Schulen.
Auch das Thema Künstliche Intelligenz erhält Einzug an den Schulen: „KI birgt nicht nur Risiken, sondern auch Chancen“, so Günther-Wünsch. Um eine sichere Nutzung zu gewährleisten, steht den Lehrkräften seit Mai 2026 ein eigens entwickelter Chatbot zur Verfügung. AIS.chat ist über das Berliner Schulportal zu erreichen und kann so rechtssicher genutzt werden.
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