Ukrainischer Skeletoni Heraskewytsch: Der verbotene Helm
Wladyslaw Heraskewytsch will im Eiskanal an getötete ukrainische Sportlerinnen und Sportler erinnern. Das IOC findet das gar nicht gut.
Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa
Auf dem Helm, den sich der ukrainische Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch am Montag zum Training in Cortina d’Ampezzo überzog, waren Porträtfotos von Athletinnen und Athleten zu sehen, die bei russischen Anschlägen ums Leben gekommen sind. Ein Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an der Bahn sah dies und untersagte ihm das Tragen des Helmes. So berichtete es Heraskewytsch. Worauf der 27-Jährige einen Antrag beim IOC gestellt hatte, zu seinem ersten Wettkampf am Donnerstag den besonders designten Kopfschutz tragen zu dürfen. Das IOC hat dies am Dienstag abgelehnt.
Heraskewytsch bezeichnet den Helm als eine „Hommage an Athleten“, die zur olympischen Familie gehörten. Der IOC-Vertreter hatte diesen dagegen als politische Botschaft und damit als Verstoß gegen die IOC-Statuten gelesen.
Bei den Winterspielen 2022 in Peking, kurz vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine, rückte Heraskewytsch erstmals ins Rampenlicht, weil er im Eiskanal die Botschaft „No war in Ukraine“ in einer Klarsichtfolie vor seine Brust hielt. Damals ließ ihm das IOC diese Aktion als allgemeinen Wunsch und unpolitische Botschaft durchgehen.
Wo genau fängt Politik an und wie ist sie vom Sport zu trennen, diese Frage muss das IOC erneut beantworten. In einem Interview mit der SZ hatte Heraskewytsch kurz vor Beginn der Winterspiele bereits angekündigt: „Wir werden die IOC-Regeln nicht verletzen – zumindest in der Form, in der wir sie verstehen. Aber wir werden sicherstellen, dass die Welt davon erfährt, was in der Ukraine geschieht.“ Er verwies unter anderem darauf, dass über 500 Sportlerinnen und Sportler aus der Ukraine im Krieg ums Leben kamen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj würdigte auf Telegram, Heraskewytsch erinnere die Welt an den Preis des ukrainischen Kampfes. Und er schrieb: „Diese Wahrheit kann nicht unbequem, unpassend oder als politischer Akt bezeichnet werden.“
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