UV-Strahlung: Die Wolkendecke wird dünner
Durch den Klimawandel steigt die UV-Strahlung in Europa stärker als bisher angenommen. Das hat auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit.
Foto: Annette Riedl/dpa
Ein Sonnenbrand sind viele kleine Tode: Zellen in der äußeren Hautschicht sterben in großer Zahl ab. Die Haut wird rot und fühlt sich heiß an, jede Berührung schmerzt. Die ultraviolette Strahlung der Sonne schädigt auch das Erbgut in den Hautzellen und ist somit der größte Risikofaktor für Hautkrebs. Aber auch für das Ökosystem und die Biodiversität spielt die UV-Strahlung eine wichtige Rolle.
Bisherige Studien zeigen, dass sich die UV-Strahlung in den vergangenen Jahrzehnten an einzelnen europäischen Standorten unerwartet stark erhöht hat. Die Hauptgründe vermutet die Forschung in einer veränderten Bewölkung, bedingt durch den Klimawandel. Inwieweit aber die Entwicklung wirklich flächendeckend den gesamten Kontinent betrifft, ist bisher unklar.
Die Studie
Ein Team aus über 50 Forschenden, unter ihnen auch Mitarbeiter*innen des Bundesamtes für Strahlenschutz, fanden in einer neuen Studie heraus, dass die UV-Strahlung in weitaus größeren Teilen Europas zugenommen hat als bisher angenommen. Ihre Ergebnisse wurden im Fachmagazin Photochemical & Photobiological Sciences veröffentlicht. Die Wissenschaftler*innen werteten Messdaten von 40 Bodenstationen in Europa von 2013 bis 2022 aus. Besonders an der Methode ist, dass ergänzend zu den Bodenmessungen auch Satellitendaten der NASA und ESA genutzt wurden. Das macht die Messungen deutlich präziser.
An 26 der Messstationen konnten die Forschenden einen Anstieg der jährlichen UV-Belastung um 10 bis 20 Prozent feststellen, vor allem in Mittel- und Westeuropa. Auch in Dortmund stand eine Messstation. Hauptgrund für den Anstieg: Die Wolkendichte hat in dem Zeitraum, unter anderem aufgrund des Klimawandels, abgenommen. Das wiederum führt zu einer längeren Sonnenscheindauer. Veränderungen in der Ozonschicht hingegen konnten nicht als Ursache festgestellt werden.
Was bringt’s?
Der Anstieg der UV-Strahlung hat ernstzunehmende Folgen für Mensch und Umwelt. Alleine in Europa werden jährlich schätzungsweise 150.000 neue Fälle von schwarzem Hautkrebs diagnostiziert. Mit zunehmender Strahlung dürfte diese Zahl weiter steigen.
Die Bemühungen um effektive Klimaanpassung müssten verstärkt werden, forderte deshalb die Chefin des Strahlenschutzamtes, Inge Paulini. „Wer Schatten sucht, muss Schatten finden“, sagte sie. Investitionen in Stadtgrün seien nötig. Strahlenschutzmaßnahmen würden zudem auch gegen die Hitze helfen.
Um herauszufinden, ob die Strahlung nur in Europa zugenommen hat oder auch andere Kontinente betroffen sind, sind weitere Messungen notwendig. Für die Forschung sei es wichtig, über längere Zeit an noch mehr Standorten zu messen, schreiben die Autor:innen der Studie. Nur so können die Folgen für Mensch und Umwelt besser verstanden werden.
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