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US-VorwahlenIn Kentucky gewinnen die Trump-Loyalisten

Thomas Massie war die Hoffnungsfigur gemäßigter Republikaner für die US-Zwischenwahlen im November. Stattdessen wurde ein Trump-treuer Marineveteran ohne Wahlprogramm gewählt.

Zwar auch stramm rechts, aber nicht treu genug gegenüber dem US-Präsidenten: Thomas Massie in Hebron, Kentucky Foto: Carolyn Kaster/ap
Sebastian Moll

Aus New York

Sebastian Moll

Kentucky hat etwa halb so viel Einwohner wie die Stadt New York, was dem Bundesstaat an der Grenze zwischen dem US-amerikanischen Norden und dem Süden gerade einmal 6 der 435 Sitze im US-Repräsentantenhaus einbringt. Eine parteiinterne Vorwahl der Republikaner um Parlamentssitze dürfte deshalb eigentlich keine nationalen Schlagzeilen machen. Und doch blickte am Dienstag, am bisher größten Abend der Vorwahlen zu den Midterms im November, das ganze Land auf Kentucky.

Grund war die Kandidatur eines Abgeordneten namens Thomas Massie in seinem Wahlbezirk im Nordosten des Staates entlang des Ohio Rivers. Massie, der seit seiner ersten Kandidatur im Jahr 2012 zum rechten Flügel der republikanischen Partei zählt, war seither ein sicherer Bewerber, die Vorwahlen waren für ihn Formsache. Doch in diesem Jahr war alles anders.

Massie, der gegen Covid-Impfungen und gegen Abtreibung, gegen Umweltschutz und gegen ein Bundesbildungsministerium steht, das Lehrpläne diktiert, war die große Hoffnung gemäßigter Republikaner und interessierter Demokraten. 2025 war der Mann seinen Prinzipien treu geblieben, die ihn ins Amt gebracht hatten: Er hatte sich gegen eine kostspielige Intervention im Iran gestellt und gefordert, dass das Justizministerium die Akten um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlicht.

Doch diejenigen US-Amerikaner, die gehofft hatten, dass ein Republikaner, der sich gegen Trump stellt, eine Chance hat, wurden nun enttäuscht. Die Parteigenossen von Kentucky wählten Ed Gallrein, einen Marineveteranen und Bauern in fünfter Generation, zum Kandidaten für die Midterms im November. Ein nennenswertes Wahlprogramm hatte er nicht, von dem Versprechen abgesehen, dass er Donald Trump gegenüber bedingungslos treu sein wird.

Massie bliebt seinen Positionen treu

Was solche Loyalität bedeutet, musste Massie gerade erfahren. Mit seiner „America First“-Botschaft, die beinhaltet, die USA aus militärischen Konflikten in Übersee möglichst herauszuhalten, lag er noch vor zwei Jahren auf Linie mit dem Präsidenten. Doch er weigerte sich, zusammen mit Trump plötzlich seine Meinung zu ändern und blieb stattdessen dem Versprechen gegenüber seinen Wählern treu, ihre Interessen an erste Stelle zu stellen.

Das verärgerte Trump so sehr, dass er mehr als 18 Millionen Dollar dafür mobilisierte, Massie zu besiegen. Insgesamt war die Vorwahl um den Kongresssitz von Kentucky mit 32 Millionen Dollar die teuerste Vorwahl aller Zeiten in den USA. Dabei wurde auf beiden Seiten mit harten Bandagen gekämpft.

Ein Anti-Massie-Video zeigte KI-generierte Bilder, in denen er mit den beiden linksprogressiven Abgeordneten Ilhan Omar und Alexandria Ocasio-Cortez herumscharwenzelt und suggeriert am Ende, dass er mit ihnen ins Bett steigt. Massie hingegen behauptete in seinen Videos, Gallrein sei von der „Schwulenmafia“ gekauft.

Die Vorwahl von Kentucky am Dienstag war jedoch nur das jüngste Zeichen dafür, dass die republikanische Partei mehr denn je ein Personenkult ist. In Louisiana wurde der Senator Bill Cassidy, der 2021 für das Impeachment von Trump wegen des Umsturzversuches vom 6. Januar gestimmt hatte, in der Vorwahl besiegt. In Georgia schaffte es der ehemalige Staatssekretär Brad Raffensberger nicht einmal ins Finale der letzten zwei Kandidaten. Raffensberger hatte sich 2020 geweigert, Trump aus dem Nichts ein paar Tausend Stimmen zu besorgen.

Eine dritte Amtszeit für Trump?

In Indiana wurden bei Parlamentswahlen auf Staatsebene die Kandidaten besiegt, die sich geweigert hatten, nach Trumps Vorgaben die Wahlbezirke neu zu gestalten. Und bei der Stichwahl in Texas stellte sich Trump gegen den langjährigen Senator John Cornyn, der vor drei Jahren zu sagen gewagt hatte, Trumps Zeit gehe zu Ende.

Aus seinen Absichten, alle Parteigenossen auszusondern, die noch einen Rest an Prinzipientreue besitzen, machte Trump keinen Hehl. Zur Niederlage von Cassidy hatte er nur zu sagen: „Seine Treulosigkeit gegenüber dem Mann, der ihn ins Amt gebracht hat, ist nun Legende.“ Lindsey Graham, ein bedingungsloser Loyalist, fügte hinzu: „Dies ist die Partei von Trump. Wer versucht, ihn zu zerstören, verliert.“

Einem Kongress voller bedingungsloser Loyalisten, so kommentierte die New York Times, wäre es dann sicher auch zuzutrauen, Trump in zwei Jahren ein drittes Mal ins Amt zu befördern. Die einzige Hoffnung, die bleibt, ist, dass die Demokraten trotz aller Betrugs- und Manipulationsversuche genügend Wähler mobilisieren können, die das nicht mitmachen.

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