US-Präsident Trump in der Coronakrise: Bitte kein Bleichmittel trinken!

US-Präsident Donald Trump spekuliert öffentlich, ob die Injektion von Desinfektionsmittel eine Corona-Infektion heilen könnte. Ärzte sind entsetzt.

US-Präsident Trump spiegelt sich in einer Scheibe.

Trump: Will mit Injektionen von Desinfektionsmitteln infizierte Menschen von innen reinigen Foto: Alex Brandon/ap

BERLIN/WASHINGTON taz/ap | Es sind diese Situationen, die selbst Fachleute nach über drei Jahren Trump-Regierung einfach nicht vorhersehen. Da berichtet William Bryan, ein Beamter des US-Heimatschutzministeriums, am Donnerstag beim täglichen Corona-Pressebriefing des Weißen Hauses über verschiedene Desinfektionsmittel, die das Coronavirus auf Oberflächen schnell abtöten, und über entstehende Studien zur Wirkung von Luftfeuchtigkeit, Wärme und UV-Strahlen auf das Virus in der Luft. So weit, so normal.

Dass sich kurz darauf US-Präsident Donald Trump ans Rednerpult stellt und darüber spekuliert, ob man dann nicht mit Injektionen von Desinfektionsmitteln infizierte Menschen von innen reinigen könne oder „starkes Licht in den Körper hineinbringen“ könne, das war nicht zu ahnen.

Deborah Birx, eine der führenden Gesundheitsexpertinnen der Regierung, saß derweil ein paar Meter entfernt vom Rednerpult und biss die Lippen zusammen. Es dauerte nur wenige Minuten, bis auf Twitter diverse Ärzte dringend davor warnten, Desinfektionsmittel zu trinken oder sonstwie in den Körper zu bringen: Das ende oft tödlich, so die einhellige Aussage.

„Bitte trinken Sie weder Bleichmittel noch Isopropylalkohol!“ schrieb Dara Kass, Professorin für Notfallmedizin von der Columbia Universitätsklinik. Gegenüber der Washington Post äußerte sie später die Befürchtung: „In irgendeiner Notaufnahme in Amerika wird diese Woche jemand mit einer Bleichmittelvergiftung auftauchen.“

Fragwürdige Tipps des Präsidenten

Bisher haben keine Studien die Annahme bestätigt, dass wärmere Temperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit im Frühjahr und Sommer die Verbreitung von Sars-CoV-2 bremsen könnten. Bryan bezog sich nur auf „entstehende Ergebnisse“ eines Forschungslabors, dass Sonnenlicht das Virus auf Oberflächen und in der Luft abtöten könne.

Die Wissenschaftler*innen des Labors in Maryland hätten einen ähnlichen Effekt auch bei höheren Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit beobachtet. „Das Virus stirbt nur durch den Kontakt mit höheren Temperaturen und Luftfeuchtigkeit schneller“, sagte Bryan.

Trump wurde daraufhin gefragt, ob es nicht gefährlich sei, die Leute glauben zu lassen, sie seien in Sicherheit, wenn sie einfach nur raus in die Hitze gingen – mit Hinweisen darauf, dass es gerade im „Sonnenstaat“ Florida viele Corona-Tote gegeben habe. „Ich hoffe, die Menschen genießen die Sonne“, antwortete Trump. „Und wenn es eine Wirkung hat, ist das großartig. Es ist bloß ein Vorschlag eines brillanten Labors von einem sehr, sehr klugen, vielleicht brillanten Mann.“

Sein lautes Nachdenken über Behandlungsstrategien in der Corona-Pandemie erklärte er so: „Ich bin hier, um Ideen zu präsentieren, weil wir diese Sache loswerden wollen. Und wenn Hitze gut ist, und wenn Sonnenlicht gut ist, ist das eine großartige Sache, was mich betrifft.“

Wochenlang hatte Trump – und mit ihm der ihm nahestehende Fernsehsender Fox News – das Malariamittel Hydroxycloroquin als heilendes Medikament gegen die Covid-19-Erkrankung propagiert, obwohl Studien zu dessen Wirksamkeit erst in den Anfängen stecken. Das Auftreten massiver, zum Teil lebensbedrohlicher Nebenwirkungen ist hingegen schon lange gut dokumentiert – und Trump hat inzwischen aufgehört, das Mittel zu erwähnen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Coronapandemie geht um die Welt. Welche Regionen sind besonders betroffen? Wie ist die Lage in den Kliniken? Den Überblick mit Zahlen und Grafiken finden Sie hier.

▶ Alle Grafiken

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben