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US-Baseball nach Venezuela-AngriffDie Frage, ob die Profis wirklich trainieren dürfen

Der Militärschlag der USA gegen Venezuela hat auch den Sport getroffen. Aus dem südamerikanischen Land kommen einige der Superstars des Baseballs.

Star in Venezuela und einer der Besten in der Major League Baseball: José Altuve von den Houston Astros Foto: Imago/Imagn Images

M an weiß bis heute nicht so ganz genau, was Donald Trump sich dabei gedacht hat, als er am 3. Januar Nicolás Maduro entführen ließ. Sicher scheint mittlerweile jedoch, dass er sich nicht allzu lange damit aufgehalten hat, eine Strategie für das Danach zu entwerfen. Ganz gewiss hat er jedoch keine Sekunde darauf verschwendet, sich zu überlegen, was die Aktion für den Baseballsport bedeutet.

Dabei sind die Folgen für den Sport, wie für viele Lebensbereiche, möglicherweise beträchtlich. Die Verzahnung der US-Profiliga MLB mit Venezuela ist seit Jahrzehnten tief. Und die Lage in Venezuela könnte schon auf die kommende Saison Auswirkungen haben.

So hingen am Morgen des 4. Januar in den Büros der großen Clubs Dutzende von Angestellten an den Telefonen, um herauszubekommen, wo ihre Spieler sind. Nicht weniger als 63 Profis venezolanischer Abstammung spielen in der MLB, darunter Superstars wie José Altuve, Ronald Acuña Jr. und Jackson Chourio.

Am 4. Januar hingen Angestellte der Proficlubs an den Telefonen, um herauszufinden, wo ihre Spieler sind

Immerhin konnten sich die Houston Astros, die gerade einen Vertrag über 125 Millionen mit Altuve unterzeichnet haben, beruhigen. Der Second-Base-Spieler ist in diesem Winter nicht nach Hause geflogen, sondern ist in Texas geblieben. Ronald Acuña Jr. spielte zwar wie viele venezolanische Profis in der Winterliga für seinen Heimatverein La Guaria. Doch zur Erleichterung der Atlanta Braves zeigte sein Instagram-Konto ihn noch nach der Militäraktion Trumps beim Training.

Auch die Boston Red Sox konnten mit ihren Spielern Wilyer Abreu, Willson Contreras und Carlos Narváez Kontakt aufnehmen, sie scheinen in Sicherheit zu sein. Und die Spieler der Kansas City Royals Salvador Perez, Maikel Garcia sind ebenfalls unversehrt.

Reisebeschränkungen gefährden das Frühjahrstraining

So können wohl die meisten Teams damit rechnen, dass ihre Spieler zum Beginn des Frühjahrstrainings wieder in den USA sind. Auch wenn bislang noch unklar ist, wie die Reisebestimmungen zwischen Venezuela und den USA bis dahin aussehen. Noch herrschen massive Reisebeschränkungen für Venezolaner in die USA, mit Forderungen von bis zu 15.000 Dollar für ein Visum. Alleine durch die Intervention eines republikanischen Senators konnte im Herbst etwa eine venezolanische Jugendmannschaft über Kolumbien in die USA gelangen.

Aber das dürften für den Baseballsport langfristig eher die geringeren Sorgen sind. Venezuela ist für den US-Nationalsport zusammen mit der Dominikanischen Republik das wichtigste Ausland. Seit den Zeiten des großen Luis Aparicio, der mit Baltimore 1966 die World Series gewann, gilt das Land als der größte Talentpool für den Sport in Lateinamerika. Gleichzeitig ist die Baseball-Begeisterung in Venezuela so groß, dass die MLB ohne den venezolanischen Markt massive Einbußen in Kauf nehmen müssten.

Die Baseballbeziehungen zwischen den Ländern haben allerdings bereits unter der Maduro-Regierung gelitten. Die zahlreichen Baseball-Akademien, die US-Teams dort unterhielten, um Talente heranzuzüchten, mussten schließen. Sie wurden durch „Akademien“ von Agenten ersetzt, die dort ihre eigenen Exportartikel züchten. Die Armut hat ihnen derweil immer mehr junge Spieler in die Arme getrieben, die auf das goldene Los hoffen. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle werden diese Hoffnungen jedoch enttäuscht.

Auch der Betrieb der Winterliga hat gelitten, in der sich einst nicht nur einheimische Stars, sondern auch amerikanische Topspieler die Saisonpause vertrieben und die einzigartige Atmosphäre in venezolanischen Stadien genossen. In den vergangenen Jahren wurde der Austausch jedoch immer problematischer.

Nun könnte man hoffen, dass die Dinge für beide Seiten besser werden, wenn Trump in Zukunft den Laden schmeißt, wie er das ausdrückt. Doch da zu vermuten ist, dass er nicht die geringste Ahnung hat, was das bedeutet, dürften die venezolanisch-amerikanischen Baseballbeziehungen auch nicht so schnell wieder besser werden. Was für beide Seiten schade ist.

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Sebastian Moll
USA Korrespondent
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