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UN-Umweltprogramm Mehr Tempo in Sachen Klimaschutz

Susanne Schwarz

Kommentar von

Susanne Schwarz

Die im Pariser Abkommen festgelegte 1,5-Grad-Grenze ist nicht zu halten. Jetzt gilt erst recht, die Maßnahmen zur CO₂-Einsparung zu intensivieren.

E s war ein Coup: Die Regierungen der Welt schrieben 2015 ins Pariser Weltklimaabkommen, dass sie die Erderhitzung bei „deutlich unter 2 Grad“ und möglichst sogar bei 1,5 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten begrenzen wollen. Die 1,5-Grad-Grenze war ein unwahrscheinlicher Verhandlungserfolg von kleinen Inselstaaten wie Vanuatu im Südpazifik, Trinidad und Tobago in der Karibik oder wie Mauritius im Südwesten des Indischen Ozeans.

Die Länder eint, dass sie kolonial ausgebeutet wurden von Staaten, die den eigenen Reichtum und die Industrialisierung antrieben und die damit die Klimakrise auslösten. Sie eint auch, ganz besonders unter der kaum mitverschuldeten Katastrophe zu leiden. Das Meer droht, diese Länder zu großen Teilen zu verschlingen. Die 1,5-Grad-Grenze nannten sie ihre „Rettungsleine“.

2018 zeigte ein Sonderbericht des Weltklimarats, dass die Bedrohung von Mensch und Natur schon bei 2 Grad Erderhitzung tatsächlich deutlich größer ist als bei 1,5 Grad. Die Rettungsleine brauchte also eigentlich die ganze Welt. Ergriffen hat sie sie leider nicht. Wovor die Wissenschaft schon lange warnt, haben jetzt auch die Vereinten Nationen anerkannt: Nachdem etwa das Jahr 2024 im Durchschnitt schon 1,6 Grad heißer war als vor der Industrialisierung üblich, ist der dauerhafte Eintritt in die Ära jenseits der 1,5 Grad schon in den kommenden Jahren zu erwarten.

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Das schreibt das UN-Umweltprogramm in einem Bericht. Das heißt: mehr extreme Hitze, intensivere Stürme, mehr Dürre im Wechsel mit Starkregen, ein höherer Meeresspiegel – also verlorener Lebensraum, möglicherweise Ernte- und damit mehr Hungerprobleme, ganz allgemein mehr Gefahr. Besonders betroffen sind arme Länder, die wenig Mittel zur Anpassung haben. Auch das Risiko für unumkehrbare Schäden mit weltweiter Bedeutung steigt.

Temperaturen rückwirkend drücken

Das ist kein Wunder, denn trotz aller Klimaschutzappelle wird global gesehen immer mehr fossile Energie genutzt, die Treibhausgasemissionen haben im vergangenen Jahr sogar ein neues Rekordhoch erzielt. In Deutschland gehen die Emissionen zwar seit 1990 zurück, oft genug aber vor allem wegen wirtschaftlicher Krisen. Schwarz-Rot macht klimapolitische Fortschritte sogar wieder rückgängig, etwa beim Heizungsgesetz oder bei der Erneuerbaren-Förderung.

Das UN-Umweltprogramm hat sich auch damit beschäftigt, wie man die globalen Temperaturen nachträglich wieder in den 1,5-Grad-Bereich drücken könnte. Das bringt allerdings einmal verlorene Ökosysteme nicht wieder zurück. Außerdem brauchen wir dafür neben gesunden Wäldern und Mooren auch umfangreiche technische Methoden, die bislang als riskant, teuer und ineffizient gelten. Sie sind noch nicht annähernd in ausreichendem Maße verfügbar.

Wahr ist also immer noch: Es geht darum, so schnell wie möglich weg von fossilen Energieträgern zu kommen und damit die klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren. Das allein bleibt die einzige echte Rettungsleine.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Susanne Schwarz

Susanne Schwarz Leiterin wirtschaft+umwelt

Jahrgang 1991, leitet das Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.
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2 Kommentare

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  • Tom Farmer

    Ein Teil der Wahrheit ist eben auch, dass egal was DE macht, das letztlich keinen Einfluss auf die Gesamtentwicklung haben wird.



    Was wir aber machen könnten ist Klimawandelanpassung. Aber auch da machen wir wenig bis nix.



    Ein Problem der Gesamtwahrnehmung weil nicht in einer Legislatur zu lösen und daher uninteressant im täglichen Politikbetrieb. Daher wird weiter dilettiert: Machen wir nix, dann machen wir nix falsch.

    Leider erkennt man da ein Muster, denn zu jedem Thema der Zeit wird nix gemacht und entschieden, und wenn, dann zu wenig, zu langsam zu weichgespült.

    Letztlich braucht es ein Weltklimaparlament die faktisch eine legitimierte Klimadiktatur ist; jedes Land bekommt maximale CO2 Kontingente jährlich zugewiesen und muss damit klarkommen. Nicht schön, aber bei der Schläfrigkeit, Egomanie und Doofheit der Menschheit letztlich ohne Ausweg. Wenn man nicht Millionen von Toten und Klimaflüchtlinge haben will die militärisch abzuwehren sind. Aber da rüsten wir uns ja auch intensiv derzeit. Läuft also.

  • Horst Sörens

    Wir sollten unser Geld besser investieren und den Erdöl produzierenden Ländern eine Entschädigung dafür zahlen , dass sie kein Gas und Öl mehr verkaufen. Wir kaufen das Öl mit der Auflage es muss in der Erde bleiben. Was wir machen ist totaler Blödsinn und Geldverschwendung , denn weltweit steigt der Verbrauch fossiler Brennstoffe. Das ist kein Wunder, den Länder wie Saudi-Arabien haben überhaupt kein Interesse daran , auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Und vor allem Klimawandel dürfte dieses Land auch keine Angst haben. Und wenn wir das Öl nicht abnehmen, dann muss Ein anderer das kaufen. Und das ist keine bloße Theorie, sondern genauso läuft es ab. Also Geld für Ein abbremsen des Verbrauchs klimaschädlicher Stoffe ist vollkommen richtig, nur unser Weg ist absoluter Blödsinn.