Twitter löscht QAnon-Accounts: Im Löschrausch

Die QAnon-Bewegung war eine treibende Kraft beim Sturm auf das Kapitol. Nach der Sperrung von Trumps Account hat Twitter nun 70.000 weitere gelöscht.

QAnon-Flagge vor dem Kapitol in Washington

Die QAnon-Bewegung war eine treibende Kraft beim Sturm auf das Kapitol Foto: Carlos Barria/reuters

Nach der gewaltsamen Stürmung des Kapitols in Washington durch Rechte hat der Kurznachrichtendienst Twitter wieder 70.000 Konten gelöscht, die überwiegend Inhalte der verschwörungsideologischen QAnon-Bewegung verbreitet haben. Das teilte das Unternehmen am Dienstag auf seinem Blog mit. Es seien mehrere Schritte unternommen worden, um die Unterhaltungen auf der Plattform vor Versuchen zu schützen „Gewalt anzustiften, Angriffe zu Organisieren und Desinformationen über die Wahlergebnisse zu teilen“.

Wenige Tage zuvor hatte Twitter bereits den Zugang des abgewählte US-Präsidenten Donald Trump nach einer 12-stündigen Sperre längerfristig blockiert, um die Gefahr weiterer Ausschreitungen im Zuge der Amtseinführung Joe Biden entgegenzuwirken. Die Sperre von Trump Account hatte international Aufsehen erregt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte auf die Sperre reagiert. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert sehe sie die Entscheidung des Unternehmens als problematisch an. Die Meinungsfreiheit könne nur durch den Gesetzgeber eingeschränkt werden.

Viele der nun gelöschten Accounts hätten Personen zugeordnet werden können, die gleich mehrere Accounts betrieben. Die Zahl der betroffenen User und Userinnen liegt somit unter 70.000. Als einzelne Person mehrere Konten zu führen ist eine beliebte Strategie zur Meinungsmache auf sozialen Netzwerken. Dadurch können die gleichen Inhalte von mehreren Accounts geteilt werden, was ihre Reichweite verstärkt. Auch die Zahl der Follower und Followerinnen kann so in die Höhe getrieben werden. Twitter selbst gab bekannt, dass durch die Löschung der 70.000 Accounts einige andere Konten einen starken Einbruch in der Zahl ihrer Follower erleben, der teils in die Tausende gehe.

Einen ähnlichen Schritt ging Facebook bereit im August 2020, als es begann mehrere Seiten und Gruppen sowie Instagram-Accounts zu löschen, die zur rechtsextremen, verschwörungsideologische und menschenhassenden QAnon-Bewegung gehörten.

Die Bewegung entwickelte sich, nachdem im Oktober 2017 ein User im Internetforum 4chan vermeintliche Insider-Informationen zu einem bevorstehenden Staatsputsch postete. Für Rechte wurde der Unbekannte, fortan „QAnon“ genannt, ein Prophet. Er predigte vom Putsch, der von Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geplant werde, um die USA zu einer Diktatur zu machen. Und er predigte von Trump dem Messias, der alles stoppen könne, und von Gewalt. QAnon wurde zu einem Kult, der sich an rechten Verschwörungserzählungen bediente wie an einem Baukasten: ein bisschen Frauenhass, ein bisschen Deep State, seit 2020 ein bisschen Coronaleugnung und ganz wichtig: eine große Portion Antisemitismus.

Am gewaltsamen Sturm auf das Kapitol am 6. Januar waren mehrere Menschen beteiligt, die sich durch Aufdrucke auf ihrer Kleidung als QAnon-Gläubige zu erkennen haben. Auch QAnon-Promis, etwa Jacob Anthony Chansley, der Mann mit dem Fell und den Hörnern, waren Teil des Putschversuches.

Bereits nach der zeitweisen Sperrung von Trump Account wichen einige seiner Anhänger*innen auf andere Plattformen wie Parler aus. Doch nachdem mehrere Anbieter Parler aus ihren App-Stores nahmen, weil auch dort im Vorfeld des Sturms zu Gewalt aufgerufen worden war, setzte auch Amazon Anfang der Woche seine Webhosting-Dienste für Parler aus: Die Plattform ist derzeit nicht mehr erreichbar. Verloren sind die Daten wohl aber nicht. Die Hackerin @donk_enby hat eigenen Angaben zufolge mit einer Gruppe von Menschen die Beiträge archiviert und will sie Ermittler*innen, Wissenschaftler*innen und Journalist*innen zur Verfügung stellen.

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