Treiben im Café: Kein Ort zum Schreiben
Unter Menschen schreiben kann unsere Autorin nicht. Viel zu anregend ist das, was im Schöneberger Café um sie herum passiert.
S chreibst du gern unter Menschen?“, fragt K. Wir sind in einem Café in Schöneberg und K. interviewt mich für einen Artikel über Berliner Autor*innen.
Ich schüttele den Kopf. „Ich würde gern, weil es immer so gut aussieht, aber ich könnte mich hier nie konzentrieren. Es passiert ja so irre viel. Guck doch.“
K. sieht sich um. Gegenüber sitzt ein Vater mit zwei erwachsenen Söhnen. Alle drei sind in schwarz und irgendwie bedrückt. „Vielleicht kommen sie von einer Trauerfeier?“, flüstere ich. „Dann ist da die Frau, die hier schreibt. Sie ist schön, wie die Siri Hustvedt von Schöneberg, elegant und irgendwie ätherisch, so als würde man sich freier fühlen, wenn man sich in ihrer Nähe aufhält. Sie blickt an die Decke, wenn sie nachdenkt und trinkt manchmal ein Glas Rosé. Ich überlege immer, was sie schreibt.“ „Krimis oder philosophische Texte“, mutmaßt K.
„Dort die Frau, die mit ihrem Hund essen geht. Sie bestellt eine Vorspeise, während der Hund überall herumrennt und sich streicheln lässt. Sein Blick ist dunkel und wach und ein bisschen fordernd. Die Frau kramt eine Portion Hundefutter hervor, stellt sie auf die Heizung, und erst, wenn auch ihr Essen kommt, holt sie ihm die Portion herunter und die beiden essen gemeinsam.“ K. lächelt.
„Und dann ist da am Nebentisch der alte Mann, den ich schon vermisst hatte. Er kommt später am Abend, wenn der erste Trubel vorbei ist, trägt einen hellen Mantel und eine Plastiktüte, aus der er eine Zeitung holt, die er mit der Brille auf der Stirn liest. Früher saß er dazu unter der Stehlampe am Fenster in der „Roten Beete“, las seine Zeitung und trank eine Cola. Nachdem die Rote Beete schließen musste, habe ich mich gefragt, wo er jetzt wohl seine Zeitung liest.“
„Ich verstehe jetzt, dass man bei all dem hier auf keinen Fall zum Schreiben kommt,“ sagt K. und grinst.
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