Treffen in Dresden: Neonazis bei Schulkongress gegen rechts
Etwa 50 Schülerinnen und Schüler treffen sich in Dresden und bekommen unangenehmen Besuch. Zum Glück geht alles glimpflich aus.
Die „Omas gegen Rechts“ haben es vorgemacht, seit etwa einem Jahr organisieren sich nun auch die „Schülis gegen Rechts“: Auf einem Kongress am Wochenende in Dresden trafen sich Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland, um gegen die „rechtsextreme Normalisierung an Schulen“ aktiv zu werden. Die Bezeichnung „Kongress“ erschien bei rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Gewerkschaftshaus zwar hoch gegriffen. Doch die unter 19-Jährigen zeigten dafür umso mehr Engagement, um dem Rechtsruck entgegenzuwirken.
Viele der Bekenntnisse waren schon an den Outfits ablesbar. „Jugend für Sozialismus“ stand auf einem T-Shirt, ein anderes outete die Teilnehmerin als Fan der „St. Pauli-Antifa“. Eine für die Küche verantwortliche Dresdnerin von „Calzone Revoluzione“, übrigens 2024 für den taz-Panter-Preis nominiert, trug ein Palästinensertuch, ein ebensolches bedeckte das Rednerpult. Flyer zeigten, dass es in dieser frühen Phase der Formierung vor allem um Vernetzung und Spendenakquise geht. So stellte sich bei dem Treffen auch eine Gruppe namens „Azubis gegen Rechts“ vor.
Bei den Schüler*innen gab es Arbeitsgruppen für Social Media, Aktionen und Finanzen. Für Interessenten will die Gruppe dabei niedrigschwellige Einstiege bieten und keinesfalls radikal rüberkommen, etwa wie der Schwarze Block. Online gehe es darum, Gegennarrative zu rechter Präsenz bei TikTok auszuarbeiten und die eigene Reichweite zu steigern.
Am Samstag bekam die Gruppe Besuch von dem Bus, mit dessen akustischer Ausrüstung das Zentrum für Politische Schönheit das ARD-Sommerinterview mit AfD-Grabenkämpferin Alice Weidel gestört hatte. Die Gerätschaften wecken großes Interesse bei den Teilnehmenden des Treffens.
Zwei Filmemacher begleiteten drei Schülerinnen und Schüler. Ein überfüllter Workshop zu Rechtsextremismus im Osten bediente allerdings eher Stereotype über dessen Wurzeln in der DDR, als dass er zu heutigen Ursachen vorgedrungen wäre. Zwei kluge Teilnehmerinnen aus Eberswalde vertraten die These, dass Haltungen und Einstellungen ihrer rechtsdrehenden Altersgenossen meist von Eltern und Großeltern geprägt werden.
Diejenigen, die die Schülis stoppen wollen, waren allerdings auch präsent. Max Schreiber aus Heidenau, früher NPD, jetzt „Freie Sachsen“, stattete mit einigen Anhängern am Freitagabend dem Kongress einen „Besuch“ ab, der zum Glück nicht eskalierte. Bei der Abreise der Schülerinnen und Schüler am Sonntagnachmittag warnten die Organisatoren dann noch vor einem möglichen Zusammentreffen mit Fußball-Hooligans von Dynamo Dresden.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert