Tierseuche in China

Schweinefleischpreis steigt

Die Schweinepest hat in China gigantische Schäden angerichtet. Jetzt steigen deshalb auch die Preise beim deutschen Metzger.

Schweine fressen in einer Schweinefarm in einem Dorf in China

Von der Schweinepest bedroht: Schweinefarm in einem Dorf in China Foto: Mark Schiefelbein/ap

BERLIN taz/dpa | Die Schweinepest in China lässt die Preise weltweit in die Höhe schnellen – auch in Deutschland. Seit bereits einem Jahr greift die Afrikanische Schweinegrippe in China, dem weltweit größten Produzenten und Konsumenten von Schweinefleisch, um sich. Während das Virus für Menschen ungefährlich ist, ist es für Tiere tödlich. Seit Montag berät nun das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei in Peking über die Krise.

Damit der Bedarf weiter gedeckt werden kann, kaufen chinesische Importeure Schweinefleisch aus Brasilien, den USA oder Europa. Während sich deutsche Landwirt*innen also über einen größeren Gewinn durch höhere Schlachtpreise freuen können, müssen Konsument*innen an der Metzgertheke tiefer in die Tasche greifen.

Laut Thomas Els von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn sind die Schweinefleischpreise im September dieses Jahres um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Die Preise für Fleisch- und Wurstwaren stiegen in diesem Zeitraum um 5,4 Prozent. Während ein Kilogramm Schweinehack vor einem Jahr also noch 5,38 Euro kostete, müssen Kund*innen heute 5,81 Euro zahlen.

Bereits die Hälfte des Schweinebestandes in China hat sich seit Ausbruch des Virus infiziert und ist gestorben. „Es ist die gefährlichste Krankheit, die die Schweineindustrie je erlebt hat“, sagte die Expertin Cui Ernan von der Unternehmensberatung GavekalDragonomics in Peking. Nun sind die Auswirkungen davon auch in Deutschland zu sehen.

Schlachtpreise steigen

Der Schlachtpreis stieg laut Matthias Quaing, Marktexperte bei der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) im niedersächsischen Damme, von 1,50 Euro im vergangenen Jahr auf 1,85 Euro pro Kilogramm in diesem Jahr. „Die Schweinehalter wissen aber auch, dass es in ein, zwei Jahren wieder ganz anders sein kann“, so Quaing.

Ein baldiges Ende der Schweinepest und eine Erholung von den verheerenden Folgen für die Schweinehaltung ist nicht in Sicht. Es wird „bestenfalls fünf Jahre, schlimmstenfalls viele, viele Jahre“ dauern, sagte Cui Ernan von GavekalDragonomics. Die Herausforderungen in den kommenden fünf, zehn oder mehr Jahren seien groß. Dafür sei eine massive Transformation der Branche von den heute in China weit verbreiteten Kleinzüchtern zu Großbetrieben mit strengen biologischen Kontrollen nötig.

Li Defa von Chinas Landwirtschaftsuniversität schätzte, dass die Schweinepest in China schon heute mehr als eine Billion Yuan, umgerechnet 127 Milliarden Euro, an direkten wirtschaftlichen Schäden angerichtet hat. Dass das wahre Ausmaß der Seuche vertuscht wird, ist typisch für den Umgang mit solchen Krisen in China, verhindert aber immer wieder ein schnelles und wirksames Vorgehen. Ein ganzes Jahr nach dem ersten Fall im August 2018 musste Vizepremier Hu Chunhua einräumen: „Die wirkliche Lage der Epidemie ist viel schlimmer, als uns bewusst war.“

Kommunistische Partei in Bedrängnis

In China trägt Schweinefleisch zu zwei Dritteln des Fleischkonsums bei – die Unruhe in der chinesischen Bevölkerung ist also groß. Auf der bis Donnerstag laufenden Plenarsitzung der Kommunistischen Partei, dem wichtigsten Parteitreffen des Jahres, geht es nun vor allem darum, wie die Führungselite ihren Griff über das Land festigen kann.

Die 370 Mitglieder und Kandidaten des Zentralkomitees sind sich aber bewusst, dass solche Nahrungsmittelkrisen oder soziale Instabilität, steigende Preise und Wirtschaftsprobleme genau die Gefahren sind, die leicht die Legitimität der Partei und die Herrschaft von Staats- und Parteichef Xi Jinping untergraben bringen können.

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