Thriller „Something in the Water“: Das Monster ist der Mensch
Queere Liebe, fünf Freundinnen, ein gieriger Hai: „Something in the Water“ bietet Horror mit Tiefgang. Nun ist der Thriller in der ZDF-Mediathek zu sehen.
Eng umschlungen treiben die beiden im offenen Meer, zwischen ihnen nur die rote Rettungsboje und eine jahrelange tiefe Freundschaft. Was an die Oberfläche kommt, ist jedoch nicht nur Emotion, sondern auch eine Haiflosse.
Dabei wollten die fünf Freundinnen, die – teils recht kurz – im Wasser um ihr Überleben kämpfen, eigentlich nur eine extravagante Hochzeit und davor einen schönen Junggesellinnenabschied feiern.
Verkatert nach dem ersten Abend voller Party und Alkohol steigen sie auf ein kleines Boot, mit dem sie auf eine abgelegene Karibikinsel fahren, wo sie erst mal zwei von ihnen, Mag und Kayla an einem abgelegeneren Strand aussetzen, damit sie endlich über ihre Trennung reden. Denn „Something in the Water“ hat zwar einen ganz klassischen Plot (Freundinnen auf einer einsamen Insel, Haiangriff, Flucht per Boot, Boot sinkt, Haiangriff), ist aber außerdem eine queere Geschichte.
„Something in the Water“, 83 Minuten, ZDF-Mediathek
Der Film verwehrt sich dafür schon zu Beginn, mit einer Feierszene vom Junggesellinnenabschied einzusteigen oder mit einer überschwänglichen Wiedervereinigung am Flughafen. Stattdessen führt er uns in ein schäbiges Treppenhaus in der Nacht und in die Gewalt durch Menschen. Händchen haltend schlendern Kayla und Meg umher, da treffen sie auf eine Gruppe homofeindlicher Frauen, die Meg angreifen und sie fast tot prügeln.
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Sich selbst zerfleischen
Die Beziehung allerdings überlebt nicht. Das Monster ist der Mensch, im Hai-Genre wird das gern vergessen, hier allerdings nicht. Und nun: Treiben sie im Wasser, reden allesamt über ihre Gefühle, verbrennen sich (so schön realistisch) die Haut, unterhalten sich über Abwehrstrategien, verfluchen Reiche, zerfleischen sich selbst und trauern um jene Ally, die vom Hai zerfleischt wird.
Dieser Film ist kein Meisterwerk. Aber Hai-Filme sieht man sich auch nicht an, weil man Tiefgründiges erwartet, sondern Tiefgründiges fürchtet: Man guckt sie für die Angst vor dem Räuber, den man nur ahnt. Vor dem Tod im Unbeherrschbaren, in dem wir Menschen hilfloser sind als überall sonst.
„Something in the Water“ ist kein klassischer Survival-Thriller. Es mag ihm an Einigem fehlen, etwa an blutdurchtränktem Gore, nicht allerdings an Trauma und Gewalt. Denn dieser Hai-Film scheut sich nicht, auf den Klamauk von „Sharknado“ und Konsorten zu verzichten. Stattdessen lehnt er sich in das Drama, das aus der Masse an Hai-Filmen hervorsticht, wie die Rückenflosse eines eigentlich nur neugierigen und hungrigen Tiers, das eben jagen muss, um zu überleben.
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