Tester über Katastrophen-Warn-Apps: „Eine App reicht meist nicht aus“
Anwendungen wie Nina sollen vor Katastrophen warnen. Doch was ist von ihnen zu halten? Jonas Schönfelder von der Stiftung Warentest erklärt die Lücken.
taz: Herr Schönfelder, Apps wie Nina oder Katwarn sollen Nutzer:innen vor Katastrophen warnen. Sie haben sich die Apps für die Stiftung Warentest angeschaut. Wie lautet Ihr Urteil?
Jonas Schönfelder: Wenn die Anwendungen heruntergeladen werden, stellen sie eine gute Möglichkeit dar, um viele Menschen schnell vor Katastrophen zu warnen. Da liegt aber schon das erste Problem: Wer das nicht tut, bekommt auch keine Warnungen. Dazu funktionieren die Anwendungen nur mit einer Internetverbindung. Das heißt, wenn aus irgendwelchen Gründen das Internet ausfällt oder überlastet ist, kann es sein, dass die Nachrichten nicht weitergeleitet werden.
Warum nicht?
Das kann ich Ihnen nicht sagen. Wir haben bei den Anbietern nachgefragt und von zwei Anbietern, Nina und Biwapp, die Rückmeldung bekommen, dass sie das in einem zukünftigen Update nachjustieren wollen. Bei Katwarn sei das bisher nicht geplant. Eine wirkliche Erklärung haben wir nicht bekommen. Die Funktion an sich gibt es seit 2018 und andere Apps nutzen diese auch.
Welche Mängel haben Sie festgestellt?
Alle Apps – egal ob die allgemeine Warn-App Nina des Bundes oder Katwarn vom Fraunhofer-Institut – weisen eine Lücke speziell für Nutzer:innen von Apple-Geräten auf. Auf den iPhones gibt es eine „Nicht-stören“-Funktion, die viele in der Nacht eingestellt haben, um nicht von Benachrichtigungen geweckt zu werden. Bei einer Bedrohung wäre es aber wichtig, dass mich die Warnung trotzdem erreicht. Dafür müssten die Anbieter bei Apple eine Berechtigung anmelden. Das ist bisher aber nicht passiert.
Jahrgang 1994, ist Redakteur im Team Multimedia bei der Stiftung Warentest.
Was empfehlen Sie den Nutzer:innen?
Das Wichtigste ist das Herunterladen an sich. Dabei ist eine App meist nicht ausreichend. Es hat sich gezeigt, dass der Austausch zwischen den Apps nicht immer funktioniert, zum Beispiel bei der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Man sollte sich bei der örtlichen Kommune informieren, welche App genutzt wird – zum Beispiel Katwarn oder Biwapp – und diese zusätzlich zu Nina installieren.
Was ist besser: Apps oder Cell-Broadcasting?
Der Vorteil von Cell-Broadcasting liegt darin, dass die Nachricht quasi wie ein Radio-Signal an alle Geräte im Umkreis gesendet wird, ohne dass eine App installiert werden muss. Da das nur kleine Datenmengen sind, funktioniert das im Zweifel auch, wenn das Netz überlastet ist. Das wird in Deutschland bisher aber nicht genutzt. Man sollte sich sicherlich nicht nur auf Apps verlassen, sondern so viele Wege wie möglich nutzen.
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