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Super-El-Niño erwartetHochwasser und Hitze in Argentinien

In Argentinien ist aktuell Winter. Doch Meteorologen warnen bereits vor bevorstehendem Starkregen, Überschwemmungen und weiteren extremen Wetterereignissen.

W ährend die Hitzewelle in Europa auch im argentinischen Winter für Schlagzeilen sorgt, blicken die Me­teo­ro­lo­g*in­nen am Río de la Plata gebannt auf den Pazifik vor der Küste Ecuadors. Erwärmt sich dort das Oberflächenwasser, kommt es in den kommenden Monaten zum Wetterphänomen El Niño. Das tritt alle zwei bis sieben Jahre auf und beeinflusst weltweit das Klima. Die Erwärmung des Ozeans verändert die Luftzirkulation, ihre Auswirkungen unterscheiden sich je nach Region.

Für Argentinien bedeutet El Niño in der Regel viel Regen und Hochwasser. Seit die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) Mitte Juni das Auftreten von El Niño bestätigte, kreist die entscheidende Frage um dessen Intensität. Aktuell pendelt die Oberflächentemperatur des Meeres um die 2 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt, weshalb vor einem drohenden Super-El-Niño gewarnt wird.

Hitzschlag

Über 40 Grad in Deutschland – was früher unvorstellbar war, ist heute real. Die Zahl der Hitzetoten steigt, die Wasserpegel der großen Flüsse sinken. Und wir merken, wie schlecht vorbereitet unser Land auf den Klimawandel ist. Doch der betrifft ja alle Länder. Wie gehen die Menschen anderswo mit den steigenden Temperaturen um? Und wo können wir von ihnen lernen? Eine Sommerserie der taz. Bisher erschienen:

Schwarzer Humor im Libanon

Hundstage in Südkorea

Wie eine Wüstenstadt in den USA die Hitze bekämpft

Japans kreative Hitze-Gadgets

Randmeldungen in Italien.

Angst vor den Bränden in Kroatien

In Irland sind schon 25 Grad Hitze

Flucht ans Meer in der Türkei.

Lernerfolge in Skandivien

Hitzestau in Österreich

Volle Saunen in Uganda

Wasserknappheit in den Niederlanden

Sommerhitze in der Ukraine

[Link auf Beitrag 8629168]Rekordhitze in Nordafrika

Wenn im Winter die Pegelstände steigen

Einen Vorgeschmack darauf gab es in Argentinien bereits. Im Juli ließen heftige Regenfälle im Süden Brasiliens und im Norden Argentiniens die Abflussmenge des Río Uruguay im Norden innerhalb eines Tages von 4.700 auf 17.100 Kubikmeter pro Sekunde ansteigen. Nur eine Woche später verdoppelte sich der Pegelstand des Flusses rund 900 Kilometer flussabwärts bei Colón.

Inzwischen gehen Hochwasser und Hitze parallel einher. „Beim letzten El Niño 2023 war es deutlich heißer“, sagt José Luis Stella vom Nationalen Meteorologischen Dienst (SMN). Allerdings seien die Bedingungen damals durch drei vorausgegangene La-Niña-Jahre außergewöhnlich gewesen, räumt der Meteorologe ein. La Niña ist das Gegenstück zu El Niño und bringt meist Hitze und Dürre. Welchen Anteil der Klimawandel an der veränderten Ausprägung beider natürlichen Wetterphänomene hat, ist Gegenstand der Forschung.

Temperaturen im Sommer höher als gewöhnlich

Denn auch unabhängig von El Niño steigen die Temperaturen. In der Metropolregion Buenos Aires lagen die durchschnittlichen Höchsttemperaturen drei Jahrzehnte lang bei rund 30 Grad. In den letzten 10 Jahren war es dann aber deutlich heißer. „2022 war ein Sommer, in dem die Temperaturen mehrfach über 40 Grad lagen“, so Stella. Es gab die höchste Zahl von Hitzewellen seit 60 Jahren, in der Regel jeweils zwischen drei und neun Tagen.

Der Höhepunkt von El Niño könnte zwischen September und Dezember liegen und zunächst mehr Regen sowie etwas geringere Hitze bringen. Lässt das Phänomen in den Sommermonaten Januar und Februar nach, dürfte die Hitze wieder deutlich zunehmen.

Argentiniens Hightech-Agrarwirtschaft sieht dem Wetterphänomen mit gemischten Gefühlen entgegen. Zwar sorgt El Niño für willkommene Niederschläge, doch zu viel Regen führt schnell zu Überschwemmungen. Nicht vergessen sind die Folgen des El Niño 2015/16, als die Wassertemperatur an der Pazifikküste 2,7 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt lag.

Hochwasser und Milliardenverluste

Sieben Provinzen im Nordosten und Zentrum des Landes riefen damals den Hochwassernotstand aus. Die wirtschaftlichen Verluste wurden auf mehr als drei Milliarden Dollar geschätzt.

Die Zentralregierung hat bereits einen Koordinierungsplan beschlossen. Im Mittelpunkt steht das am stärksten gefährdete Einzugsgebiet des Río de la Plata. Doch erst, wenn Gemeinden und Provinzen an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, greift der Nationalstaat ein. Die drei zuständigen staatlichen Behörden, der Meteorologische Dienst, das Wasserinstitut und die Straßenbaubehörde wurden durch die Sparpolitik von Präsident Javier Milei durch Budgetkürzungen und Stellenabbau massiv geschwächt.

Wie absurd die Situation mitunter ist, zeigt der staatliche Treuhandfonds für Wasserinfrastruktur. Er finanziert sich aus Teilen der Benzin- und Erdgassteuer, und seine Mittel sind unter anderem für die Renaturierung von Nutzflächen und den Hochwasserschutz bestimmt. Doch Wirtschaftsminister Luis Caputo legte Teile des Geldes stattdessen in Staatsanleihen an. Um Zinserträge zu erzielen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jürgen Vogt

Jürgen Vogt Korrespondent Südamerika

Kommt aus Karlsruhe. Studierte Politische Wissenschaft in Hamburg und Berlin und arbeitete als Redakteur und Geschäftsführer der Lateinamerika Nachrichten in Berlin. Heute lebt er in Buenos Aires. Er ist Autor des Reisehandbuchs “Argentinien”, 2026, Reise Know-How Verlag.
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