piwik no script img

Südpazifikstaat NiueDer „Felsen von Polynesien“ als neuer diplomatischer Partner

Deutschland nimmt diplomatische Beziehungen zum Winzstaat Niue im Südpazifik auf. Ein Zeichen gegen das dort auftrumpfende China.

Kaum Palmen, keine Sandstrände, aber viel Grün: der Pazifikstaat Niue Foto: Michael Runkel/imago

„Ich könnte es auch googeln, aber vielleicht wissen Sie es auswendig: Wie viele Einwohner hat diese Insel eigentlich?“, fragte ein Journalist laut Protokoll bei der Bundespressekonferenz am 7. Januar. „Dann googeln wir gemeinsam“, lautete die ehrliche Antwort von Kathrin Deschauer, der Sprecherin des Auswärtigen Amtes. „Eine sehr niedrige Zahl“, ergänzte Regierungssprecher Stefan Kornelius, der zugab, selbst gegoogelt zu haben. Auf der besagten Pressekonferenz sprach er über den Kabinettsbeschluss, diplomatische Beziehungen zu Niue (sprich: Ni – u – e) aufzunehmen.

Tatsächlich sind es 1.700 Menschen, die in dem Inselstaat, der auch „der Felsen (von Polynesien)“ genannt wird, leben. Er hat damit nach dem Vatikanstaat die zweitkleinste Bevölkerung der Welt. Mit Niues Premierminister Dalton Tagelagi vollzog Bundesaußenminister Johann Wadephul am Dienstag in Neuseeland formal die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Niues Staatsbürger haben auch die Staatsbürgerschaft Neuseelands, wo 15-mal mehr der Bürger des Winzstaates leben als in der 2.400 Kilometer nordöstlich gelegenen Heimat.

Seit 1974 ist das selbstverwaltete Niue, dessen Landfläche etwa die Größe von Erfurt hat, mit einem Assoziierungsvertrag mit Neuseeland verbunden. Dazu hatte sich die Bevölkerung mehrheitlich in einem Referendum entschieden. Neuseeland prägt auch weiter die Verteidigungs- und Außenpolitik der Insel. International voll anerkannt ist Niue erst von 26 Staaten. Im Jahr 1996 war China die Nummer drei. Der erste europäische Staat war 2014 die Türkei, der erste EU-Staat 2015 Italien.

Auf der „falschen“ Seite der Datumsgrenze

Neuseeland liegt anders als Niue auf der westlichen Seite der Datumsgrenze. Das führt nicht selten zur Verwirrung wie etwa bei Flugplänen. Gemeinsam haben beide Staaten mit König Charles III. das gleiche Staatsoberhaupt, was letztlich auf die „Entdeckung“ Niues durch James Cook 1774 zurückgeht.

Der Winzstaat ist seit 1975 Mitglied des Forums pazifischer Inseln, das die Bundesregierung mit der Aufnahme der Beziehungen zu Niue symbolisch stärken will. In den vergangenen Jahren sind in der Region immer mehr Länder in wirtschaftliche Abhängigkeit von China geraten, das damit auch seinen politischen Einfluss ausdehnen und zugleich den von Australien und den USA reduzieren konnte. Eine deutsche Botschaft ist in Niues „Hauptstadt“ Alofi, einem Dorf mit rund 600 Bewohnern, aber nicht geplant.

Wer Südseeinseln vor allem mit Palmenstränden assoziiert, liegt bei Niue falsch. Die aus 14 Dörfern bestehende Insel hat kaum Strände. Sie ist ein erloschener Vulkan mit einem gut 60-Meter-Hochplateau und einer Korallenküste, die schroff aus dem Meer aufragt. Es gibt keinen Hafen und keine Flüsse oder Bäche. Anders als andere Pazifikinseln, die kaum aus dem Meer ragen, ist Niue weniger vom steigenden Meeresspiegel durch den Klimawandel bedroht.

Mit dem Niue-Dollar gibt es auch eine eigene Währung, die aber hauptsächlich bei Münzsammlern beliebt ist. Bezahlt wird lieber mit dem Neuseeland-Dollar. Um die wirtschaftliche Abhängigkeit von dort zu verringern, wird versucht, den Tourismus auszubauen. Der bringt bisher etwa 10.000 Besucher im Jahr auf die Insel, die aber zu vier Fünfteln aus Neuseeland kommen. Die Tourismuswebseite wirbt außer mit dem kristallklaren Meerwasser mit dem Spruch: „Genießen Sie, was Niue nicht hat.“ Damit dürften Zivilisations- und Infrastrukturprobleme wie Verkehrsstaus gemeint sein.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare