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Südostasien und der IrankriegEnergiepreisschock, Home Office und geschlossene Tankstellen

Für das stark von Öl- und Gasimporten, Tourismus und Arbeitsmigration abhängige Südostasien ist der Krieg am Golf eine unerwartete Katastrophe.

Eine vorübergehend geschlossene Tankstelle in einem Vorort von Manila Foto: Aaron Favila ap/dpa

Aus Kuala Lumpur

Robert Lenz

Die Auswirkungen der durch den Irankrieg ausgelösten Energiekrise sind in Südostasien mit die gravierendsten weltweit. Die Region ist sehr stark von Öl- und Gasimporten aus den Golfstaaten abhängig. Länder wie die Philippinen, Vietnam und Thailand sind fast zu 100 Prozent auf Ölimporte aus der Region angewiesen. Selbst die beiden ölfördernden Länder Malaysia und Indonesien decken rund ein Viertel ihres Bedarfs aus dem Nahen Osten.

In Indonesien wird der Kraftstoffpreis mit Subventionen niedrig gehalten. Dafür wurden für 2026 rund 5 Prozent der Haushaltsmittel veranschlagt und von einem Ölpreis von nur 70 Dollar pro Barrel ausgegangen. Damit bei einem Preis von inzwischen mehr als 100 die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, rationiert die Regierung in Jakarta den Treibstoff seit dem 1. April. Zugleich wird als Sparmaßnahme das Programm für kostenlose Schulessen jetzt an einem Tag die Woche ausgesetzt.

Viele südostasiatische Länder nutzen Flüssiggas (LNG) zur Stromerzeugung, das sie im Schnitt zu 30 Prozent importieren. Höhere LNG-Preise bedeuten höhere Stromrechnungen und höhere Preise. Zwischen Bali und Phuket, Hoi An und Boracay wächst in Südostasiens Urlaubsdestinationen zudem die Furcht vor Jobverlusten durch einen Einbruch des Tourismus.

Zwischen Yangon und Manila gehören lange Schlangen an den Tankstellen schon seit kurz nach dem Kriegsausbruch zum Alltag. In den Philippinen hat Präsident Ferdinand Marcos Jr. am 24. März für ein Jahr den „nationalen Energienotstand“ erklärt. Die steigenden Ölpreise stellten eine Bedrohung für die Energiesicherheit des Landes dar, so Marcos. Jetzt kann das Energieministerium Maßnahmen gegen Preistreiberei, Wucher und Marktmanipulation ergreifen. Zugleich kündigte die Regierung an, Fahrern im öffentlichen Nahverkehr sowie Pendlern Treibstoffzuschüsse zu zahlen.

Verdoppelung der Treibstoffpreise in den Philippinen

In dem Inselstaat haben sich die Benzin- und Dieselpreise inzwischen so gut wie verdoppelt. Einige Tankstellen mussten bereits schließen. Die Regierung hat die Viertagewoche eingeführt und wie in anderen Ländern die Produktionskapazität der Kohlekraftwerke hochgefahren. Etwas Linderung verspricht die gerade erfolgte Lieferung von 2,5 Millionen Barrel Rohöl durch einen russischen Tanker. Eine solche Lieferung wäre in der früheren US-Kolonie bis vor kurzem undenkbar gewesen.

Derzeit verhandelt die Regierung in Manila mit Vertretern Irans um die freie Fahrt von Tankern Richtung Philippinen. Thailand hatte bereits am letzten Wochenende eine entsprechende Einigung mit Teheran erreicht. Manila geht es zudem um die Sicherheit philippinischer Seeleute. Die hängen zu Tausenden auf Schiffen aus aller Welt fest, die auf eine Passage durch die von Teheran gesperrte Straße von Hormus warten.

In den Golfstaaten selbst stecken rund 2,4 Millionen philippinische Arbeitsmigranten in einem Dilemma. Sollen sie, falls es überhaupt bezahlbare Flüge gibt, heimkehren oder aber am Golf trotz Gefahren durch iranische Drohnen und Raketen in Lohn und Brot bleiben.

In Thailand, Vietnam und Indonseien sind Beamte zur Arbeit im Home Office angehalten. Klimaanlagen, so die Regierung, sollten in den Amtsstuben nicht kühler als 24 Grad eingestellt sein und Beamte kurzärmelige Hemden tragen. Im buddhistischen Thailand wird zudem schon Diesel für die Einäscherung der Toten knapp.

Im Bürgerkriegsland Myanmar hat die Militärjunta abwechselnde Fahrtage für Autos mit geraden und ungeraden Nummernschildern angeordnet. Doch ihre Luftwaffe bombardiert die Bevölkerung weiter. Viele hatten gehofft, dass dies angesichts von ausbleibendem Flugbenzin unterbleiben würde. Bisher scheint das aber nicht der Fall zu sein, auch wenn der Lieferant China schon Mitte März ein generelles Exportverbot von Treibstoffen – einschließlich Kerosin – erlassen hatte.

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