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Streit um richtige Corona-SchulpolitikWir alle haben ein Problem

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe wurde zur Reizfigur, weil er oft betonte, die Schulen seien sicher. Besser als Streit wäre ein Runder Tisch.

E inige Kommentare in sozialen Netzen sind sehr aufgeheizt. Nach dem Motto: jetzt ist der Schulsenator fällig, der Lüge überführt. Weil nun durch Blick auf Gene bewiesen ist, dass Schüler sich an Schulen infizieren. Aber bei genauer Betrachtung wird klar: gelogen hat Ties Rabe nicht. Der Hinweis, dass es auch an Schulen Infektionen gibt, findet sich in mehreren Pressemitteilungen. Außerdem zeigt auch dieser Virus-Abgleich noch nicht, wann und wo eine Ansteckung erfolgte.

Aber Rabe, der auch die SPD-regierten Länder in der Bildungspolitik koordiniert, ist zur Reizfigur geworden, wird er doch nicht müde zu betonen, dass sich Kinder häufiger außerhalb der Schule infizieren. Abgesehen davon, dass diese Aussage durch Reihentests besser abgesichert wäre, kann so eine Prozentrechnerei Eltern auch auf die Palme bringen, weil das eigene Kind ja zu den x Prozent gehören könnte, die die Ausnahme bilden und eine Gefahr droht, der sich wegen der Schulpflicht nicht ausweichen lässt.

Rabe betreibt hier eine zugespitzte Kommunikation und greift solche Sorgen kaum auf. Ein Runder Tisch, wie die Linke ihn fordert, wäre wahrscheinlich wirklich nicht schlecht. Denn nicht Herr Rabe allein, auch nicht die 16 Kultusminister, wir alle haben ein Problem, die Kinder gut durch diese Krise zu bekommen. Und Rabe hat ja Recht, die Schüler können sich ebenso in der Freizeit anstecken. Deshalb waren ja im April sogar Spielplätze und Bolzplätze abgesperrt. Es lässt sich aber auf Dauer die Jugend nicht Zuhause einsperren. Die Schule ist unsere Sozialisationsinstanz. Und auch Wechselunterricht und halbierte Klassen bergen ein Restrisiko.

Vieles spricht dafür, dass der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird. Vielleicht werden manche bald sagen: wie gut für die Kinder, dass die Schulen wenigstens vom Sommer bis Weihnachten offen waren. Dafür steckten die Kultusminister viel Prügel ein. Wir brauchen keine Rücktritts-Debatten, sondern pragmatische Lösungen, die den Kindern so viel Normalität wie möglich erlauben. Übrigens: Es war die Gesundheitssenatorin, die diese kleine Studie als Beruhigungspille ankündigte. Damit stand auch sie in der Pflicht, die Bevölkerung zu informieren.

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Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
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1 Kommentar

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  • Wer sich einen Blick über den Hamburger Tellerrand hinaus zutraut, bekommt durch die jüngste Studie deutlich hilfreichere Informationen.

    Würden die in 2020 noch existierenden 105 gesetzlichen Krankenkassen und alle anderen Krankenkassen ebenso eigene Studien anfertigen, käme ein klares, den praktischen Umständen geschuldetes und nicht überraschendes Ergebnis heraus.

    Teilzitat: "Die AOK stellt fest, dass Versicherte, die in der Kindererziehung und -betreuung arbeiten, besonders häufig wegen Corona krankgeschrieben werden. Gesundheitsberufe folgen an zweiter Stelle, auch Beschäftigte in der Alten- und Krankenpflege sind stark betroffen. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat analysiert, welche Berufsgruppen ihrer 13,2 Millionen Versicherten von März bis Oktober dieses Jahres am häufigsten wegen einer Covid-19-Infektion krankgeschrieben wurden."

    www.n-tv.de/wissen...ticle22253463.html