Streik im öffentlichen Nahverkehr: Der U-Bahn-Streik belastet die kleinen Leute
In Hamburg werden am Samstag zum achten Mal in Folge Busse und U-Bahn bestreikt. Das trifft die Leute, die sich weder Taxi noch Auto leisten können.
W ie eine Fliege, die sich immer wieder auf die Nase setzt, hat Hamburg ein Thema, dass sich langsam ins Bewusstsein drängt. Es geht um die Lage der Bus- und BahnfahrerInnen. Also nicht der Fahrgäste, sondern der Arbeitskräfte, die die öffentliche Mobilität in der Zwei-Millionen-Stadt am Laufen halten.
Dass Bus und Bahn am 19. März wegen eines Streiks nicht fahren, erfuhren die Fahrgäste am Vortag durch etliche „Achtung“-Durchsagen in den Zügen. Die S-Bahn würde aber noch fahren, so die Stimme vom Band. Und die Elbfähren auch. Nur hilft das den Leuten wenig. Denn S-Bahnen fahren nur in einem Teil der Stadt. Es ist das Netz der U-Bahnen und Metro-Busse, das die Menschen aus den Außengebieten Langenhorn, Niendorf oder Farmsen ins Zentrum bringt.
Drum galt es den Donnerstag irgendwie zu regeln. Mit dem E-Bike ins Büro, mit dem Auto zum Termin, irgendwie ließ sich das ein oder andere Ziel erreichen. Aber noch am Streiktag gab Verdi bekannt, dass der Ausstand nach einem Tag Pause am Samstag weitergeht.
Die Hamburger Hochbahn AG, die die U-Bahn und viele Buslinien betreibt, reagierte empört. Denn die Gewerkschaft Verdi gab den zweiten Streiktag bekannt, obwohl erst am Montag erneut verhandelt wird. „Verdi handelt unverantwortlich“, sagt Hochbahn-Arbeitsdirektorin Saskia Heidenberger. „Lösungen werden nur am Verhandlungstisch gefunden und nicht auf der Straße.“ Die Gewerkschaft verantworte, dass Hamburg „mittlerweile zum achten Mal nahezu stillstehe“.
Tatsächlich gab es allein im Februar schon sechs Streiktermine, nämlich am 2., 17., 18., 19., 27. und 28. Februar, und eben am 19. März. Da wurschteln sich die Leute durch, verschieben Termine oder nutzen ein Auto und quälen sich mit Parkplatzsuche. Und am 19. März fällt der Streik mit dem Beginn des Hamburger Jahrmarkts zusammen. Es gibt nicht so viele Parkplätze wie Menschen, die dahin wollen.
Keine Einigung in Sicht
Also was treibt die Beschäftigten zum Streik? Und wieso morgen wieder? Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 7,5 Prozent mehr Lohn für eine Laufzeit von 12 Monaten gefordert, und hat diese Summe schon auf 3,4 Prozent halbiert. Doch die Hochbahn will einen Vertrag über 30 Monate abschließen und bietet eine Erhöhung in drei Etappen an. Die ersten 2,1 Prozent mehr Geld gäbe es rückwirkend ab 1. Januar, die zweiten 2 Prozent in anderthalb Jahren am 1. Juli 2027 und die letzten 2,1 Prozent erst am 1. Mai 2028, also einen Monat vor Ablauf jener 30 Monate. Das ist den Beschäftigten zu wenig in diesen Zeiten.
„Wir lassen uns nicht mit Kleckerbeträgen und langen Laufzeiten abspeisen“, sagt der Busfahrer Thorsten Hukriede, der Mitglied in der Verdi-Tarifkommission ist. „Alles wird teurer, alles wird unberechenbarer, aber wir sollen uns für zweieinhalb Jahre auf einen Tarifvertrag festlegen. Das ist überhaupt nicht einzusehen!“ Denn die Beschäftigten könnten nichts für den Krieg in Iran oder die Zollpolitik des US-Präsidenten.
Noch keine Einigung ist auch bei der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) in Sicht, die in und um Hamburg rund 180 Buslinien betreibt. Hier streiken die Beschäftigten für die 35-Stunden-Woche. Die VHH bot laut Verdi bei den Verhandlungen zuletzt lediglich eine Reduktion um eine halbe Stunde von 39 auf 38,5 Stunden zum Fahrplanwechsel 2028/29 an, verlangt im Gegenzug aber längere Schichten und unbezahlte Pausenzeit. „Was die VHH uns vorgelegt hat, katapultiert uns wieder an den Anfang der Verhandlungen“, sagt Verdi-Sekretär Domenico Perroni. „Die Kolleg*innen sind stinksauer und werden am Samstag die Arbeit niederlegen.“
In diesem Jahr seien die Tarifverhandlungen „festgefahren wie nie“, ergänzt Verdi-Vertreterin Irene Hatzidimou. Sie sieht als Ursache den Sparkurs des Hamburger Senats. „Es gibt einen, der hier den Hebel umlegen muss. Und das ist Finanzsenator Dr. Andreas Dressel“, sagt Hatzidimou. Denn Hochbahn und VHH befinden sich mehrheitlich im Besitz der Stadt. „Die Stadt muss von der Bremse gehen und den Weg für die Einigung frei machen.“ Ansonsten wäre es für Verdi sinnlos, sich „weiter am Verhandlungstisch zu verausgaben“.
Auch für die Kunden wird es Zeit, dass Stadt und Beschäftigte sich einig werden. Wir verlassen uns drauf, dass es Busse und U-Bahnen gibt. Ein Streik trifft die kleinen Leute, die, die sich kein Taxi leisten können und kein schickes Elektromobil mit Parkplatzgarantie. Es trifft die, die brav ihr Abo bezahlen und für den Ausfall, anders als bei der Bahn, noch nicht mal einen Ausgleich bekommen. Und die in Hamburg erst in vier Jahren wieder gefragt sind, ihre Stimme abzugeben.
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