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Sterbebegleiterin über Spiritualität„Wichtig ist, dass man die Stille aushält“

Die Initiative „Your Rime-Care“ will bundesweit spirituelle Sterbebegleitung koordinieren. Sie ist buddhistisch orientiert und konfessionsoffen.

Sanftheit für die letzte Lebensphase: Erholungszimmer im Bamberger Kinder- und Jugendhospiz „Sternenzelt“ Foto: Daniel Vogl/dpa

Interview von

Petra Schellen

taz: Frau Radke, was bietet die Initiative „Your Rime-Care“, die sich auf der Bremer Messe „Leben und Tod“ erstmals vorstellt?

Daniela Radke: Es ist eine gemeinnützige, nicht sektiererische Unternehmensgesellschaft, die buddhistisch inspirierte Sterbe- und Krankenbegleitung organisiert und anbietet. Nicht sektiererisch bedeutet, dass nicht nur Angehörige aller Konfessionen, sondern auch aller buddhistischen Schulen willkommen sind. Wir möchten bundesweit auf Ehrenamtler- und Spendenbasis Gespräche, Präsenz und, falls gewünscht, buddhistische Rituale für Menschen mit lebensbegrenzender Diagnose oder in der Sterbephase anbieten.

taz: Woher kam der Impuls?

Radke: Es gab verschiedene Begebenheiten. Einmal bekam ich, langjährige praktizierende Buddhistin und recht gut vernetzt, den Anruf eines Herrn, der eine Sterbebegleitung für seinen buddhistischen Bruder suchte. Er wohnte 450 Kilometer von mir entfernt, deshalb konnte ich nicht hinfahren. Also habe ich alle entsprechenden Vereine und Zentren im Umkreis angerufen, aber niemanden gefunden. Ich habe dann mehrmals am Telefon mit dem Sterbenden gesprochen, aber das ja ist nicht dasselbe.

Bild: privat
Im Interview: Daniela Radke

50, Palliativ-Care-Kraft, Demenzbegleiterin und Meditationslehrerin, Mitbegründerin und Geschäftsführerin von „Your Rime-Care“.

taz: Gab es solche Anfragen häufiger?

Radke: Ein anderes Mal wurde spirituelle Begleitung für ein Kind auf der Palliativstation und dessen buddhistische Familie gesucht. Nach zwei Tagen habe ich zum Glück jemanden gefunden, der das übernahm. Die Notwendigkeit, eine deutschlandweite Koordinationsstelle wie „Your Rime-Care“ zu gründen, war also da.

Die Messe

Messe „Leben und Tod“: Fr, 10.4. und Sa, 11.4., Halle 5 in der Messe Bremen. Infos: www.leben-und-tod.de

taz: Ist der Bedarf in unserer christlichen, oft auch säkularen Mehrheitsgesellschaft so groß?

Radke: Ich denke ja. Statistiken sind zwar immer ungenau, aber es leben schätzungsweise 300.0000 Buddhisten in Deutschland. Und nicht zu vergessen: Wer heute 70 und älter ist, war in der Jugend oft in indischen Ashrams und ist mit Hinduismus und Buddhismus in Berührung gekommen. Bei einem Praktikum auf einer Palliativstation habe ich außerdem erlebt, dass sich viele Menschen ihre Spiritualität aus verschiedenen Traditionen zusammenstellen. Ich kenne zum Beispiel eine ältere Dame, deren Spiritualität schamanische, buddhistische und christliche Elemente vereint.

Bei einem Praktikum auf einer Palliativstation habe ich erlebt, dass sich viele Menschen ihre Spiritualität aus verschiedenen Traditionen zusammenstellen

taz: Und wie muss ein Sterbebegleiter konkret agieren?

Radke: Wichtig ist, dass man sich zurücknehmen kann. Dass man achtsam ist und zu spüren versucht, was der andere braucht. Dass man vor allem die Stille aushält. Denn im Sterbeprozess kann man oft nichts mit Worten ausrichten. Aber man kann präsent sein. Falls derjenige praktizierender Buddhist war, kann man außerdem mit Ritualen oder Mantragesängen durch den Sterbeprozess helfen.

taz: Wie kommunizieren Sie mit sterbenden Alzheimerpatienten?

Radke: Mit Farben, dem Anschauen von Bildern oder Gesängen. Eine demenzielle Veränderung bedeutet nicht, dass diese Menschen nicht mehr am Leben teilnehmen; dass sie nicht Wünsche und Bedürfnisse hätten oder nicht spirituell wären. Auch demenziell veränderte Menschen haben ein sehr feines Gespür für spirituelle Dinge.

taz: Begleiten Sie ausschließlich Sterbende?

Radke: Nein. Wir betreuen auch onkologische Patienten. Die sitzen mit der Diagnose zu Hause, sorgen sich und wünschen sich Gespräche. Sie sind in dem Moment noch nicht palliativ, und viele überleben eine Krebserkrankung ja dank der modernen Medizin. Aber auch in der Anfangsphase brauchen sie jemanden, der da ist. Der ihnen das Gefühl gibt, dass man sich nicht nur medizinisch und psychologisch, sondern auch spirituell um sie kümmert. Auch diese Versorgungslücke will „Your Rime-Care“ schließen helfen.

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