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Stadtgrün auf die Dächer

Öko Koalition beschließt Gründach-Initiative. Grüne sind damit noch nicht ganz glücklich

Bitte lesen Sie aufmerksam den folgenden Satz (er ist grammatisch korrekt): „Das bestehende Bauordnungsrecht ist daraufhin zu überprüfen, welche vereinfachten Verfahren die Nutzung von Flachdächern insbesondere als der jeweiligen Mieter- oder Hausgemeinschaft zugängliche Dachgärten mit Aufenthaltsqualität zu fördern geeignet sind.“ So knallhart formuliert ist der Antrag der Koali­tions­fraktionen für eine Initiative zur Gebäudebegrünung, den am Mittwoch der Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses beschlossen hat – bei Enthaltung der Opposition. Heute wird er wohl im Plenum verabschiedet.

Ins Rennen gebracht haben das Thema vor Jahresfrist die Grünen. Ihr Antrag enthielt ein Förderprogramm für Hauseigentümer, aber auch Kennzahlen: Wie in Hamburg sollten 70 Prozent aller geeigneten Neubaudächer so begrünt werden, dass sie im Schnitt 60 Prozent des Regenwassers speichern. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik oder Freizeitgestaltung wie Roof Gardening, sondern um Verbesserung des Stadtklimas und vor allem die Verringerung der Niederschlagsmengen, die bei starkem Regen in die Kanalisation gelangen und Abwasser in Spree und Kanäle spülen.

Jetzt auch mit Wänden!

Der Koalitionsantrag verfolgt dieselben Ziele (angeblich sogar noch stärker, da neben Dächern auch „Fassaden und Wände“ genannt werden), spart aber Fördergelder ebenso aus wie konkrete Zahlen. Was für die Grünen-Abgeordnete Silke Gebel gar nicht geht, ist die Möglichkeit, Gründächer als Ausgleichsmaßnahme zu verbuchen, wenn für einen Neubau Natur zerstört wird. Allerdings soll auch das laut Koalitionsantrag erst einmal nur geprüft werden.

Zur taz sagte Gebel, sie sei zwar enttäuscht, dass der rot-schwarze Antrag hinter dem ihrer Fraktion zurückbleibe. „Andererseits bin ich froh, dass die Große Koalition überhaupt auf das Thema aufgesprungen ist.“ Auf Kritik aus der SPD, mit maximal 7.500 Euro Zuschuss für eine Dachbegrünung – wie in Hamburg – überzeuge man keinen Eigentümer, entgegnete sie, es handele sich dabei um eine Anschubfinanzierung. Damit gebe man auch Mietern, die sich ein Gründach wünschten, ein Argument in die Hand. CLP

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