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Stadtbäume BerlinJetzt die Gießkanne schnappen

In Berlin ist es seit Wochen trocken, darunter leiden vor allem die Stadtbäume. Der BUND fordert den Senat zum Handeln auf.

Aus Berlin

Johanna Weinz

Vielleicht ist die wunderschöne Kastanienblüte schuld, die derzeit die ganze Aufmerksamkeit auf ihre cremeweißen oder pinken Blüten zieht – und damit von einem Problem ablenkt, das sie selbst und uns alle betrifft: dass der Boden staubtrocken ist. Denn in Berlin hat es seit einigen Wochen nicht ausreichend geregnet. Dabei ist es erst Mitte Mai, der Hochsommer steht noch bevor.

Der BUND, der das Problem erkannt hat, will den Berliner Senat darauf aufmerksam machen. „Grüne Freiflächen müssen geschützt und zusätzlich durch Entsiegelung geschaffen werden“, fordern die Umweltschützer:innen. Zudem dürften gesunde Bäume nicht gefällt werden. Es handele sich um Anpassungen an den Klimawandel.

Denn: Die Klimakrise sorgt für länger anhaltende Wetterperioden, sei es Niederschlag oder Dürre. Städte werden heißer. Kühlere Orte sind darum für alle notwendig – dazu gehören Stadtbäume.

Zuständig für die Bewässerung der Berliner Stadtbäume sind die Bezirke. Doch auch Bür­ge­r:in­nen werden seit Jahren von Naturschutzbündnissen dazu aufgefordert, sich um die Bäume zu kümmern, wenn die Bodenfeuchte sinkt. „Wenn der Boden zu trocken ist, gelangt das Wasser nicht in den Boden und fließt als Oberflächenwasser ab“, erklärt BUND-Referent Dirk Schäuble. Seit Februar gehe die Kurve der Bodenfeuchte steil nach unten. Gerade Jungpflanzen seien betroffen.

Gießen kann je­de:r

Um zu erkennen, dass ein Baum Wasser braucht, müsse man keinen grünen Daumen haben, erklärt Schäuble: „Das sieht man einfach an der Baumkrone.“ Die lichte sich aus. „Weil der Baum sich nicht mehr selbst versorgen kann.“

Auch der trockene Boden weise darauf hin. Doch um den Baum mit Wasser versorgen zu können, sei es ebenfalls wichtig, dass die Grundwasserpumpen in der Nähe zugänglich seien. „Aktuell funktionieren nicht alle“, sagt Schäuble. Klar: Man könne auch Wasser mit der Gießkanne aus der eigenen Wohnung zum Baum tragen, das mache keinen Unterschied. Doch den vierten Stock runter – das ist schon zum Müllrausbringen anstrengend genug. Kol­le­g:in­nen vom BUND machen das mit einer Schubkarre und fahren von Baum zu Baum.

Auch das Land Berlin will mehr Bürgerbeteiligung bei der Stadtbaumpflege – zum Beispiel durch „Gieß den Kiez“ von CityLAB Berlin, einer interaktiven Plattform zur Koordinierung der Bewässerung. Auf der Plattform sind 885.825 Stadtbäume kartiert, auch deren Alter und ihr individueller Wasserbedarf lassen sich einsehen – und mit dem Status „gegossen“ markieren.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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7 Kommentare

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  • Das Engagement in allen Ehren, aber den Wasserbedarf eines Baumes mit der Gießkanne decken zu wollen ist einigermaßen aussichtlos.

  • Mit einem motorisierten Tankfahrzeug - bevorzugt elektrisch - lassen sich relevante Wassermengen viel effizienter verteilen als mit der Gießkanne und krummen Rücken. Die werden wir wohl weiterhinselber bemühen - aber vom Versprechen eines Senats, dass Berlin wieder funktionieren soll, ist das weit entfernt.

  • taz: *In Berlin ist es seit Wochen trocken, darunter leiden vor allem die Stadtbäume. Der BUND fordert den Senat zum Handeln auf.*

    Politiker haben keine Zeit dafür, denn sie müssen mit den Wirtschaftsmanagern darüber reden, wie man die Erdkugel noch wärmer bekommt.

  • Wieder mal zwei Kommentare, die irgendwen anderen in der Verantwortung sehen. Was ist denn so schwer, selbst dem Kollegen Baum vor der Haustür einen Eimer Wasser rauszutragen?



    Ich habe nicht gedacht, dass die Bäume schon Durst leiden. Aber nach dem Artikel kriegen die beiden Bäume da vor meinem Fenster nachher ein paar Kannen.

  • Richtig schöner Text! Mehr Liebe für Stadtbäume.

  • Vielleicht eine kleine Anregung an die Jogger und Fitnessbegeisterten. Statt zu Laufen an die Wasserpumpen gehen und Gießkannen füllen, um die Bäume in den Parks zu gießen.

  • Wenn unsere Verwaltung mal wieder versagt, müssen die Bürger ehrenamtlich wieder den Karren aus dem Dreck ziehen. Warum werden nur immer mehr Politiker an ihren Sprechblasen bewertet und nicht an ihren Taten?