Spree-Flussschwimmbad in Planung

Schwimmend durch die Stadtmitte

Der Verein Flussbad Berlin e. V. plant, einen Abschnitt der Spree in ein Badegewässer umzuwandeln – mit positiven Nebeneffekten für Natur und Kultur.

Ein Schwimmer springt kopfüber in die Spree.

Anfänglich bereitet das kühle Nass noch Freude – die Strömung darf aber nicht unterschätzt werden Foto: Axel Schmidt

Am Anfang ist vor allem Aufregung da, als ich mich – glücklicherweise gut getarnt durch eine nummerierte Einheits-Badekappe – zusammen mit um die 200 Menschen in Bikini und Badelatschen auf den Weg zum Bode-Museum mache. Hier ist der offizielle Startpunkt des „Flussbad-Pokals“, von hier aus werden wir gleich allesamt in die Spree springen, um uns anschließend auf einer einen Kilometer langen Strecke durch das Kanalwasser zu schlagen.

„Ein Kilometer ist nicht so weit“, war ich im Vorfeld beruhigt worden, „das schaffst du locker zu schwimmen“. Als wir im Wasser auf das Startsignal wartend dicht gedrängt auf der Stelle rudern, rufe ich mir diesen Satz immer wieder ins Gedächtnis. Dann – endlich – ertönt von der Brücke der Startruf. Ich staune nicht schlecht – sowohl über die deutlich spürbare Strömung und den vorhandenen Wellengang im Kanal, als auch über die Fitness meiner MitschwimmerInnen – es dauert nicht lange, und ich bin die Letzte in der Gruppe. Das Publikum, das das Spektakel vom Rand des Kanals aus betrachtet, scheint seine Freude an mir zu haben: Ich blicke immer wieder in grinsende Gesichter und auf hochgestreckte Daumen oder höre Zurufe mit offensichtlich motivierender Absicht. Immerhin, so fühle ich mich wenigstens nicht so allein.

Mit zunehmender Strecke jedoch setzen mir Wind und Kälte immer stärker zu, ich merke, wie mich langsam die Kraft verlässt. Weit vor mir sehe ich zwei Schwimmer, die mir zuwinken und offensichtlich auf mich warten, und ganz hinten, noch in sehr weiter Entfernung, leuchtet das Ziel. Aufgeben kommt nicht in Frage, keine halben Sachen. Ich beschließe also, mich weiter durch die Wellen zu kämpfen, und bekomme unterwegs sogar „persönliche“ Begleitung durch eine DLRG-Mitarbeiterin, die mir immer wieder motivierende Worte zuspricht. Hustend und frierend erreiche ich letztlich das Ziel – geschafft! Immerhin, der Blick vom Wasser aus auf die Gemäuer der Museen war schon imposant, und die offene und hilfsbereite Art der anderen Teilnehmenden hat mich sehr gefreut.

Der Flussbad-Pokal, den die Autorin dieses Textes nutzte, um sich einem Selbstversuch zu unterziehen, sollte einen Vorgeschmack dafür liefern, wie es sich anfühlen wird, in der Spree zu schwimmen – der Verein Flussbad Berlin e.V. plant nämlich, entlang einer insgesamt über 1,8 Kilometer langen Strecke ein Spree-Flussschwimmbad zu errichten. Ziel des Vereins ist es, einen Teil der Spree von der Fischerinsel bis zum Bode-Museum in ein badetaugliches Gewässer umzuwandeln – und damit auch ein Stück mehr Leben in die Mitte zu bringen. Die erste Reaktion, die einem beim Thema „Baden in der Spree“ einfällt, ist wohl der Einwand, das Gewässer sei doch viel zu dreckig, um dort zu schwimmen, man wolle schließlich nicht krank werden.

Das Zusammenwirken von Kultur, Körper und Geist

Zu diesem Zwecke hat das Flussbad-Projektteam ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt: Die Spree soll in drei verschiedene Abschnitte eingeteilt werden. Auf einen renaturierten Bereich entlang der Fischerinsel folgt ein Abschnitt, in dem ein Pflanzenfilter installiert werden soll, der der Reinigung des Wassers dient, welches dann schließlich im dritten, 840 Meter langen Abschnitt zwischen Humboldt-Forum und Bode-Museum den ­SchwimmerInnen ein Badeerlebnis in sauberem Spreewasser ermöglicht.

„Eine Stadt, in der der Fluss, während er fließt, durch einen Filter gesäubert wird, hat es bisher nicht gegeben“, freut sich der „Erfinder“ des Flussbads, Tim Edler. Auf Höhe des ehemaligen Staatsratsgebäudes befindet sich ein etwa anderthalb Meter hohes Wehr, mit Hilfe dessen das Wasser allein durch die Schwerkraft durch das Filtersystem geleitet werden kann.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Aspekt, der der Nutzung der Spree als Schwimmbad maßgeblich im Wege steht: Sobald es stark regnet, läuft die Kanalisation über, und der Fluss verwandelt sich in eine Kloa­ke. Ungefähr dreißigmal pro Jahr ist das der Fall. Um für solche Fälle Abhilfe zu schaffen, plant der Fachbereich Strategieabwasser­entsorgung der Berliner Wasserbetriebe, diese Überläufe durch insgesamt 300.000 Kubikmeter Wasserspeicher aufzufangen und anschließend zu klären. Durch ein bereits existierendes Vorwarnsystem konnten schon jetzt Überläufe stark reduziert werden.

Edler freut sich allerdings nicht nur über die Wasserfilterung und die ökologischen Aspekte des Projekts, sondern auch über die zahlreichen soziokulturellen Nebeneffekte, die eine „beschwimmbare“ Spree mit sich bringen würde: „Die letzten 25 Jahre war die Stadtmitte ein Ort, an dem ausschließlich konservative Entwicklungsziele verfolgt wurden, alle großen Pläne gingen in Richtung Hochkultur und Repräsentation. Für das Stadtleben spielt dieses historische Zentrum doch überhaupt keine Rolle. Das Flussbad würde die Möglichkeit bieten, Kultur, Körper und Geist zusammen wirken zu lassen. Außerdem können sich hier diverse Bevölkerungsgruppen begegnen. Wir wollen das Leben in die Mitte zurückbringen.“

Die Idee eines Schwimmbads in der Spree ist übrigens nicht neu: In Berlin gab es seit Anfang des 19. Jahrhunderts zahlreiche Flussbadeanstalten, 1925 wurde aus hy­gie­ni­schen Gründen die letzte Badeanstalt an einem Spreekanal geschlossen. Die Vision des Vereins ist es, 2025, also 100 Jahre nach Schließung, ein neues Flussbad eröffnen zu können – allerdings müssen bis dahin noch zahlreiche bürokratisch e Hürden überwunden werden. Der Flussbad-Pokal hat bewiesen, dass die Stadt bereit zu sein scheint für ihr neues Flussbad – wenn alles nach Plan verläuft, dann könnte es schon in weniger als zehn Jahren so weit sein.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de