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Spitzenkandidatin der Nord-LinkenGegenwind bei der Kür, Rückenwind in Umfragen

Johanna Klitzschmüller will Schleswig-Holsteins Linke als Spitzenkandidatin wieder ins Parlament bringen. Sie startet aber mit einem Stolperer.

Radfahren, Laufen, Schwimmen – Johanna Klitzschmüller mag Ausdauersport. Nun aber beginnt die 28-Jährige einen Wettlauf anderer Art. Die Geografin, die im Kieler Rathaus arbeitet, tritt als Spitzenkandidatin der Linken für die Landtagswahl im April 2027 an. Gemeinsam mit ihrem Mit-Kandidaten Finn Luca Frey will Klitzschmüller ihre Partei wieder ins Parlament bringen. Sie persönlich ist aber mit einem Stolperer gestartet.

Beim Parteitag votierten nur knapp 76 Prozent der Delegierten für Klitzschmüller, Frey erhielt rund 95 Prozent Zustimmung. Das sei „ein ehrliches Ergebnis“, sagt die Spitzenkandidatin. Warum ein Viertel der Delegierten sie nicht für die perfekte Wahl hält, will sie aber nicht erklären: „Wir besprechen solche Fragen in der Partei.“

Die Linke hatte zuletzt 2009 den Einzug in den Kieler Landtag geschafft, war aber seit 2012 nicht mehr im Parlament. Umfragen aus diesem Jahr sehen die Partei nun bei rund 6 Prozent. Entsprechend optimistisch sei die Stimmung, auch wenn Klitzschmüller vorsichtig bleibt: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Ja, die Umfragen sind gut, aber wir müssen bis zur Wahl um den Einzug kämpfen.“ Die Hauptthemen, vor allem in den Städten, seien die hohen Mieten und die allgemeinen Lebenshaltungskosten. „Wir kümmern uns um die konkreten Probleme, um die Preise für Mobilität, Essen und Wohnen.“

Verfahren wegen Klima-Protest

Klitzschmüller stammt aus Geesthacht. 2017 ging sie zum Geografie-Studium nach Kiel und lebt seither in der Landeshauptstadt. Politisch interessiert sei sie schon immer gewesen, aktiv wurde sie 2018 in der Klimabewegung. Wegen einer Protestaktion gegen die feste Fehmarnbelt-Querung läuft noch ein Verfahren gegen sie. „Es ging um eine Blockade, ich habe ein Transparent gehalten“, sagt Klitzschmüller.

Seit vier Jahren sei in dem Fall nichts passiert, aber das Verfahren sei noch nicht offiziell abgeschlossen oder niedergeschlagen. „Ich mache es daher öffentlich, damit es mich nicht während des Wahlkampfs einholt“, sagt Klitzschmüller. In der Partei habe es viel Zuspruch für diese Entscheidung gegeben, mehrere Medien aber berichteten kritisch.

Nachdem die Klimabewegung ihren größten Schwung verloren hatte, trat Klitzschmüller in die Linke ein: „Ich hatte den Eindruck, dass ich dort am meisten erreichen kann.“ Ihr Eintritt fiel in die Zeit nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht: „Viele von Sahra Wagenknechts Positionen, etwa zu Trans-Themen, fand ich schwierig“, sagt Klitzschmüller, die in einer Beziehung mit einer Frau lebt. Wie auch in anderen Bundesländern begann nach der Neugründung von Wagenknechts eigener Partei ein Aufschwung für die Linke, es gab zahlreiche Neueintritte.

Zurzeit sitzt die Linke zwar nicht im Parlament, aber in einigen kommunalen Vertretungen, unter anderem in Lübeck und in der Kieler Ratsversammlung. Kreisverbände der Partei gibt es in allen Regionen des Landes, auch in ländlichen Kreisen wie Dithmarschen oder Steinburg.

Wir haben im Landesverband klare Beschlüsse – wir sind solidarisch mit Palästina, lehnen aber jeden Antisemitismus ab

Johanna Klitzschmüller, Die Linke

Die Linksjugend Schleswig-Holstein, eine eigenständige Organisation, gehört zu jenen Verbänden, die Israels Vorgehen im Gaza-Streifen nach dem Angriff der Hamas als „Völkermord“ bezeichnen. In einer Resolution lehnt die Linksjugend eine „besondere Behandlung Israels, auch als angeblicher Schutzraum für Jüdinnen und Juden, ab“.

Klitzschmüller bleibt in der Frage diplomatisch: „Wir haben im Landesverband klare Beschlüsse – wir sind solidarisch mit Palästina, lehnen aber jeden Antisemitismus ab.“ Alle Staaten sollten sich an den Menschenrechten und dem Völkerrecht orientieren, fordert sie.

Im Wahlkampf würden solche Fragen aber keine Rolle spielen: „Wir machen Landespolitik, nicht Außenpolitik.“ Sie will in den kommenden Monaten an viele Haustüren klopfen und auf der Straße wie im digitalen Raum um Stimmen werben.

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