Spielfilm „Godzilla Minus Zero“: Das Drachenwesen liebt Gewitter
Takashi Yamazakis „Godzilla Minus Zero“ ist der 39. Film mit dem radioaktiven Monster. Zur Gewaltgeschichte Japans verhält er sich eher unkritisch.
Vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und zwei Jahre, nachdem Godzilla scheinbar endgültig im Meer versunken ist, greift eine drachenartige Kreatur die Stadt Matsumoto an. Durch Zufall ist der Biologe Professor Kanji Murakami (Min Tanaka) mit seinem Assistenten vor Ort und macht Filmaufnahmen. Als die Nachrichten von dem Angriff Kenji Noda (Hidetaka Yoshioka), den Leiter des Katastrophenamtes in Tokyo, erreichen, beginnt er gemeinsam mit seinem Team, das Verhalten der Kreatur zu erforschen, um einen Plan zu entwickeln und das Monster zu stoppen.
Takashi Yamazakis „Godzilla Minus Zero“ ist der neueste Film, der um das dinosaurierartige Wesen kreist. Der Film schließt nahtlos an dessen Vorgänger „Godzilla Minus One“ (2023) an, der den vermeintlichen Sieg über Godzilla zeigte, und führt die meisten der Hauptfiguren und ihre Besetzung fort. Der Film feierte im September auf dem New York Film Festival Premiere.
Als die neue Kreatur, die das Team um Noda „Ghidorah“ getauft hat, damit fortfährt, Japan zu verwüsten, drängen die US-Truppen, die Japan nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besetzt halten, darauf, das neue Monster mit Bomben zu töten. Sie stellen dafür sogar einen der experimentellen Langstreckenbomber zur Verfügung, die während des Zweiten Weltkriegs entwickelt wurden, um die USA bombardieren zu können.
Der Film
„Godzilla Minus Zero“. Regie: Takashi Yamazaki. Mit Ryûnosuke Kamiki, Minami Hamabe u. a. Japan 2026, 135 Min.
Das Vorhaben erscheint dem Team um Noda wenig Erfolg versprechend. Deshalb arbeitet die Meteorologin Makoto Aoyama parallel daran, Muster in Ghidorahs Auftauchen zu erkennen. Es scheint eine Vorliebe des Monsters für Gewitter zu geben. Auf Basis dieser Hypothese entwickelt Nodas Team einen Plan, die Energie der Blitze zu nutzen, um dem Wüten von Ghidorah Einhalt zu gebieten.
Auch dieser Plan greift auf den Bomber zurück und entsprechend braucht das Team wie im vorangegangenen Film die Unterstützung des ehemaligen Kamikaze-Piloten Kōichi Shikishima (Ryunosuke Kamiki) und seiner Flugkünste. Dieser erste Versuch, Ghidorah zu töten, schlägt fehl. Und dann stellt sich auch noch heraus, dass Godzilla alles andere als tot ist.
Allegorie auf Japans Leiden nach dem Atombombeneinsatz
„Godzilla Minus Zero“ ist entstanden als Reaktion des Studios auf den Erfolg von „Godzilla Minus One“. Der Film ist der dritte Live-Action-Film des aktuellen Relaunches der „Godzilla“-Reihe durch die Produktionsfirma Toho, parallel dazu läuft ein US-„Godzilla“-Relaunch durch Legendary Pictures. Unter den Produktionen des japanischen Studios ist die „Godzilla“-Reihe Teil einer neuen Welle von Kaiju-Filmen, die das Studio Toho 2016 mit „Shin Godzilla“ begann.
Wie sein Film von 2023 verschränkt auch Yamazakis neuester die Geschichte des Kriegsendes und der frühen Nachkriegszeit mit den etablierten Figuren des „Godzilla“-Universums. Das ergibt in der historischen Referenz Sinn, wurde Godzilla durch den Bezug zur Radioaktivität und zu Atomwaffen doch immer wieder auch als Allegorie auf das japanische Leiden in der Folge des Atombombeneinsatzes durch die USA in Hiroshima und Nagasaki gedeutet.
Folgerichtig spielte die japanische Armee, die nach 1945 keine mehr sein sollte und mit dem Namen „japanische Selbstverteidigungsstreitkräfte“ eine defensive Ausrichtung signalisieren sollte, schon in den frühen Filmen eine zentrale Rolle. In vielen der „Godzilla“-Filme opfert früher oder später jemand das eigene Leben, um das Überleben der japanischen Gesellschaft zu sichern. In dieser Geste liegen ziviles Heldentum und völkische Aufopferung des Individuums für die Gemeinschaft nah beieinander.
Schauwerte experimenteller Militärflugzeuge
Ähnlich wie diverse Computerspiele, die im Zweiten Weltkrieg angesiedelt sind und sich für „Wunderwaffen“ begeistern, entkoppeln auch Yamazakis „Godzilla“-Filme in ihrer Begeisterung für die Schauwerte experimenteller Militärflugzeuge aus Kriegszeiten das Militärgerät von seiner Geschichte als Werkzeuge des japanischen Faschismus. Dieser unkritische Umgang mit der japanischen Gewaltgeschichte zieht sich als Unterton durch weite Teile des Films, in der alle immer schon Opfer waren, auch wenn man wie Kenji Noda den Krieg als Waffeningenieur für die japanische Marine erlebt hat.
Doch diesen revisionistischen Elementen zum Trotz wäre es überzogen, „Godzilla Minus Zero“ insgesamt als reaktionär abzutun. Takashi Yamazaki, der neben der Regie auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat, umgibt diese problematischen Referenzen auf die Geschichte mit genug Menschlichem und Monster-„Zack Boom Bang“, sodass der unterdessen 39. „Godzilla“-Film dann doch Eindruck hinterlässt. Freund_innen des Spektakelkinos kommen also auch dieses Mal auf ihre Kosten.
Regisseur und Studio haben bereits angekündigt, dass die „Godzilla-Minus-x“-Reihe mit diesem zweiten Film abgeschlossen ist und kein weiterer Teil geplant ist. „Shin Godzilla“, der erste Beitrag zu Tohos „Godzilla“-Relaunch, wird also vorerst keine weitere Konkurrenz als bester Film der neuen Welle von Monster-Filmen bekommen.
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