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Spendengala für die Coronaforschung Hohe Symbolik, zweifelhafte Wirkung

Eric Bonse

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Eric Bonse

Zusammen im Kampf gegen die Coronapandemie: Die Popkultur flirtet mit dem Establishment, die Politik macht sich das gern zunutze.

A ls Bob Geldof 1985 das „Live Aid“-Konzert für Afrika veranstaltete, stand die Politik staunend am Rande. Dass Popmusiker sich für internationale Hilfsprojekte starkmachen, war damals etwas völlig Neues, es hatte noch den Touch des Rebellischen. Heute ist alles etwas anders. Die Popkultur flirtet mit dem Establishment, die Politik macht sich das gern zunutze. So wie an diesem Wochenende, als die NGO „Global Citizen“ gemeinsam mit der EU-Kommission um Spenden für den Kampf gegen die Coronapandemie warb.

Coldplay und Ursula von der Leyen, Shakira und Angela Merkel – das sind keine Gegensätze mehr. Beim Konzert am Samstag waren sie in einem Line-up per Videoclip vereint. Wer Uschi oder Angie nicht hören wollte, konnte einfach wegzappen, bis zum nächsten Megahit. Ist das schlimm? Oder cool? Das mag jeder für sich entscheiden, es ist nur noch eine Geschmacksfrage. Viel wichtiger ist doch, was diese Politshow bewirkt – und ob das viele Geld wirklich hilft. 6,15 Milliarden Euro wurden allein an diesem Abend eingesammelt.

Die Symbolwirkung ist enorm. Wenn US-Künstler gemeinsame Sache mit der EU machen, noch dazu bei Corona, so lässt sich das als Kampfansage an Präsident Donald Trump verstehen. Mit seiner ignoranten und gefährlichen Coronapolitik steht Trump allein da. Der Nutzen hingegen ist zweifelhaft. Merkel und von der Leyen können zwar schöne Zahlen vorweisen. Unglaublich sei dieses Ergebnis, jubelte die Kommissionschefin, die noch vor wenigen Monaten (als Verteidigungsministerin) Geld für Militärprojekte verteilte.

Doch ist es wirklich zielführend, wenn nicht nur engagierte Bürger, sondern auch reiche Mäzene, mächtige Stiftungen und sogar weltumspannende Konzerne in die Tasche greifen (müssen)? Was sagt dieser ungewöhnliche Spendenmix über die Gesundheitspolitik in Europa aus? Und können wir wirklich sicher sein, dass die Milliardensummen tatsächlich den Bedürftigen helfen – und nicht nur den großen Pharmakonzernen?

Big Pharma soll die Medikamente und Impfstoffe gegen Covid-19 entwickeln, die Konzerne dürften dabei auch kräftig abkassieren. Doch dazu schweigen Angela Merkel und Ursula von der Leyen. Ihre Geberkonferenz ist vielleicht populär, aber eben auch intransparent. Bei Geldofs „Live Aid“ war es vor Jahrzehnten kaum anders – leider.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Eric Bonse

Eric Bonse EU-Korrespondent

Europäer aus dem Rheinland, EU-Experte wider Willen (es ist kompliziert...). Hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, ging danach als freier Journalist nach Paris und Brüssel. Eric Bonse betreibt den Blog „Lost in EUrope“ (lostineu.eu). Die besten Beiträge erscheinen auch auf seinem taz-Blog
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