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Spannungen zwischen Australien und China„Wolfskrieger“ empört Canberra

Australiens Premierminister Morrison fordert eine Entschuldigung Pekings für einen provokanten Tweet des chinesischen Außenamtssprechers.

Fabian Kretschmer

Aus Peking

Fabian Kretschmer

Das Bild brennt sich in das Gedächtnis eines jeden Betrachters ein: Ein irre lächelnder Soldat der australischen Streitkräfte hält ein blutiges Messer an die Kehle eines afghanischen Kindes. Nicht weniger makaber fällt die Unterzeile der fotorealistischen Collage aus: „Hab keine Angst, wir sind gekommen, um Frieden zu bringen.“

Was man in den Tiefen verschwörungstheoretischer Internetforen vermuten würde, postete der Sprecher des chinesischen Außenministeriums auf (dem in China verbotenen) Twitter: „Schockiert über die Morde von australischen Soldaten an afghanischen Zivilisten und Gefangenen“, schrieb Zhao Lijian an seine fast 800,000 Follower. Damit spielte er auf eine Untersuchung über mutmaßliche Kriegsverbrechen australischer Elitesoldaten an.

Doch ist das Mitgefühl des chinesischen Diplomaten nur geheuchelt, der Zweck seiner Botschaft eine pure Provokation. Seit in China Xi Jinping die Macht übernommen hat und eine Außenpolitik der Stärke verfolgt, bedienen sich immer öfter auch Regierungsvertreter einer solchen Taktik.

Sein Ziel hat Zhao erreiht: Australiens Premierminister Scott Morrison schäumte vor Entrüstung und forderte eine Entschuldigung für das „empörende“ Posting sowie dessen umgehende Löschung.

Provokation folgt auf Provokation

Doch stattdessen streute am Montag eine Kollegin Zhaos noch mehr Salz in die Wunde: Ob die australische Regierung durch ihre Entrüstung etwa nahelegen wolle, dass es unvernünftig sei, das rücksichtslose Töten afghanischer Zivilisten zu verurteilen?

„Wolfskrieger“-Diplomatie nennt sich dieses Vorgehen junger chinesischer Regierungsvertreter, angelehnt an eine patriotische Action­serie, in der ein Rambo-Verschnitt es mit feindlichen Auslandsmächten aufnimmt. Besonders laut bellt Außenamtssprecher Zhao Lijian, der während seiner Zeit als Diplomat in Pakistan die Briten als „Nachfahren von Kriegsverbrechern“ bezeichnet hat. In den meisten Ländern würde das zur Maßregelung führen, doch in China wartet die Beförderung. Die Provokation hat System.

Die chinesisch-australischen Beziehungen sind seit April angespannt, als die Regierung in Canberra eine Untersuchung zur Frage einer möglichen Vertuschung Pekings des Ausbruchs Virusausbruchs der Coronapandemie forderte. Chinas Staatsführung reagierte, wie sie stets in solchen Fällen reagiert: mit wirtschaftlicher Vergeltung.

Mit Sanktionen drängt Peking auf australisches Wohlverhalten

Zunächst führte China Strafzölle auf australische Gerstenprodukte ein, später traf es Rindfleisch- und Kohlimporte und am Freitag schließlich Weine aus down under. Dass es einen Handelsstrieit zwischen Peking und Canberra geben würde, stritt die parteitreue Global Times noch am Freitag ab.

Die australische Regierung solle endlich „erwachsen werden“, ansonsten müsse sie sich auf „mehr Leid“ einstellen, schreibt das Propagandaorgan der Kommunistischen Partei. Chinas Hebel ist gewaltig: 40 Prozent aller australischen Exporte werden an die Volksrepublik verkauft.

Für Europa sollte dies eine Warnung sein. Wirtschaftliche Abhängigkeit von China birgt immer ein unausgesprochenes Risiko: Wer politisch aufmuckt, bekommt Pekings ökonomische Vergeltung zu spüren.

Seit Jahren führt dies bereits zu vorauseilendem Gehorsam, der nicht selten zum Fremdschämen ist: Wenn sich etwa deutsche Auto-Manager selbst im Hintergrundgespräch mit westlichen Journalisten nicht zu den Arbeitslagern in Xinjiang äußern wollen, oder auf Messen Lobreden auf die Regierung halten. Die Angst vor Pekings ökonomischer Vergeltung hat sich längst tief in die Köpfe der Unternehmer eingebrannt.

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10 Kommentare

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  • Schokolade Wen Xia

    Laecherlich....Dann verkauft die Weine doch zu den anderen Laende...



    Hallo, sollen alle nicht ueber die furchtbare Verhalten der Soldaten nachdenken? Was ist hier wichtiger? Menschenrechte oder Abhaenglichkeit des Chinas?

  • Eric Manneschmidt

    Ich nehme stark an, dass es nicht um "Rindfleisch- und Kohlimporte", sondern um "Rindfleisch und Kohleimporte" geht.

  • Laurenz Kambrück

    Mich würde mehr interessieren, was dran ist an den Morde von australischen Soldaten an afghanischen Zivilisten und Gefangenen

    • satgurupseudologos

      @Laurenz Kambrück:

      alle in afghanistan begangenen kriegsverbrechen sollten aufgeklärt und juristisch aufgearbeitet werden.

      aber da werden die usa sich verweigern-auch unter präsident Joe Biden.

    • Hans aus Jena

      @Laurenz Kambrück:

      Nähere Informationen finden Sie hier. Die Vebrechen werden in Australien gerade juristisch aufgearbeitet.



      taz.de/Kriegsverbr...9873&s=australien/

  • guzman

    Dürfen Chinesen nicht auf australische Kriegsverbrechen zu sprechen kommen?

    • Hans aus Jena

      @guzman:

      1. Ja, dürfen sie, aber nicht in "Stürmer"-Manier.



      2. Dann sollten sie auch genauso zulassen,dass über ihre Straflager in Xinjang gesprochen wird.

      • Thomas Müller

        @Hans aus Jena:

        Wäre das Plakat von Klaus Staeck, wäre es politische Kunst.

  • Sonnenhaus

    Vielleicht sollten die Aussies einfach die vielen Geldwäschekonten der chinesischen Funktionäre sperren und die Studiengebühren für chinesische Studenten erlassen, um noch mehr demokratische "Umerziehung" zu ermöglichen.



    Aber auch selbst schuld an der Abhängigkeit - warum stimmten die Aussies zuletzt auch für das neue Handelsabkommen.



    Es scheint die "sozialistische Staatsregierung" - in Wahrheit alles Autokraten - ist doch etwas schlauer wie so manche demokratische Regierung.



    Die global agierenden Konzerne werden die neue Ökonomie dieses Jahrhunderts sowieso erst nach einer biologischen Veränderung im Mangagement verstehen, fehlt es doch an einer grundlegenden professionellen Ausbildung in diesem Bereich.

    • guzman

      @Sonnenhaus:

      Im Sperren sind die Australier geübt. Aufnahmestopp, Internierung, Offshore-Lager.



      Vielleicht liegt es ja an der Tradition als Gefängniskontinent.