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Spanien zieht ins WM-Finale einIm feinen Netz der Spinne

Mit einer beeindruckenden Dominanz bezwingt Spanien den großen Turnierfavoriten Frankreich. Das Team gilt nun im Finale selbst als nahezu unschlagbar.

Aus Dallas

Maik Rosner

Wenn es vor dem Finale noch eines Beweises für das Selbstvertrauen in der spanischen Nationalmannschaft bedurft hätte, dann lieferte diesen Trainer Luis de la Fuente. Voller Zuversicht blickte der 65-Jährige auf das Endspiel am Sonntag vor den Toren New Yorks. Obwohl die Einlassungen auch immer dem Zweck dienen, Gegner mit gezielten Botschaften zu beeindrucken, und es de la Fuentes Art ist, Selbstgewissheit zu demonstrieren, wirkte diese weder aufgesetzt noch überheblich, sondern schlicht angemessen.

Ein bemerkenswert souveräner 2:0 (1:0)-Sieg gegen Frankreich im ersten Halbfinale lag ja hinter ihm. Gelungen war seiner Belegschaft der klare Erfolg wohlgemerkt gegen jene Mannschaft, die zuvor als Turnierfavorit galt. Doch nun musste sich Didier Deschamps Ensemble mit dem achtmaligen Torschützen Kylian Mbappé, dem Weltfußballer Ousmane Dembélé und dem filigranen Gestalter Michael Olise den Spaniern frappierend eindeutig beugen, zum dritten Mal hintereinander in einem Halbfinale nach dem bei der EM 2024 und dem der Nations League 2025.

Buchstäblich chancenlos verabschiedeten sich die zuvor überragenden Franzosen nach ihren zwei WM-Finalteilnahmen vor acht und vier Jahren diesmal ins Spiel um Platz drei am Samstag in Miami. Es wird zugleich das letzte von Deschamps, 57, nach 14 Jahren im Amt und dem WM-Titel von 2018. Seine Ära endet. De la Fuentes steuert auf ihren Höhepunkt zu.

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Auch wegen der beeindruckenden Dominanz gegen Frankreich kamen de la Fuentes Sätze nicht wie Triumphgeheul daher, sondern vielmehr als analytisches Abbild der Realität. „Wir wollen mehr, wir wollen den Titel“, ließ er also wissen, betonte aber: „Was kommt, wird umso schwieriger.“ Zugleich lieferte er unter Verweis auf die kontinuierliche Steigerung seiner Mannschaft im Turnierverlauf weitere Gründe für seinen Optimismus. De la Fuente sagte: „Wir sind in einer großartigen Form“, man erreiche im richtigen Moment den Peak.

Größte Selbstgewissheit

Und weil er zu diesem Zeitpunkt zwar bereits telefonisch die Glückwünsche des Königs Felipe in Empfang genommen hatte, aber noch nicht wusste, ob der Titelverteidiger Argentinien oder England der Gegner sein wird im Endspiel, gab er zu dieser Frage Gleichmut zu erkennen. Wer auch immer kommen möge, „wir empfangen sie mit offenen Armen“, sagte de la Fuente gelassen. Mehr Selbstgewissheit geht kaum. Und wer wollte ihm widersprechen, dass seine Mannschaft gerade wohl keinen Gegner fürchten muss?

Spätestens nach den Eindrücken vom Dienstag und erst einem Gegentor in sieben Turnierspielen wird es im Finale einen Favoriten geben. Dieser wäre gefühlt auch dann Spanien, wenn als Gegner ein Allstar-Team aus den besten Spielern aller anderen WM-Mannschaften zusammengestellt werden würde. Die Spanier wirken mit ihrem Ballbesitz- und -eroberungsstil gerade so fein austariert wie ein harmonisch funktionierender Organismus.

Alle Offensivbemühungen der Franzosen endeten wie der Flug einer Fliege im Netz der spanischen Spinne. Deren auf defensive Stabilität bedachter Stil ist zwar nicht immer attraktiv, aber kaum zu knacken und sehr effizient. „Diese Mannschaft interpretiert alle Bestandteile des Spiels in Perfektion“, lobte de la Fuente. Zudem hob er „Disziplin, Organisation und Engagement“ hervor. Auch zwischenmenschlich sei das eine echte Einheit, es habe „kein einziges Problem“ in den rund sieben gemeinsamen Wochen gegeben.

All das garantiert ihnen selbstredend nicht den zweiten Gewinn des WM-Titels nach 2010. Zugleich aber spricht nun einiges dafür, dass der Europameister auch den Goldpokal für die weltbeste Nationalelf gewinnt. „Es ist noch ein Schritt im Finale zu gehen, und wir wollen es gewinnen“, sagte Mikel Oyarzabal und verabschiedete sich mit einem vergnügten „New York, New York“. Auch das klang nach Selbstvertrauen und Zuversicht.

Per Foulelfmeter hatte der Angreifer die Führung erzielt (22.), nachdem Frankreichs Linksverteidiger Lucas Digne naiv versucht hatte, den Ball aus dem Strafraum zu schlagen, und dabei nur Lamine Yamal getroffen hatte. Später ließ Pedro Porro nach einem Doppelpass mit Dani Olmo für die auch offensiv klar besseren Spanier das 2:0 folgen (58.). Die Franzosen wirkten spätestens danach verzweifelt ob dieser Übermacht und ihrer Unfähigkeit, ihr gewohntes Niveau zu erreichen. Die Spanier ließen es einfach nicht zu. Und während der Europameister für jeden Ballkontakt in seinen Stafetten gefeiert wurde, gab Mbappé Torwart Unai Simón einen Schubser mit, weil er beim Anlaufen wieder einmal zu spät gekommen war. Auch das zeigte, wie tief der Frust über die Ohnmacht sitzt, gefangen im Netz der spanischen Spinne.

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1 Kommentar

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  • Es gibt durchaus auch Fussballfans, die eine Spielweise, die eher auf das Verhindern von Toren denn auf das Erzielen selbiger ausgelegt ist, nicht für die Krönung dieser Sportart halten.