Sommerfest der SPD-Fraktion: Mit Hamburger Nummernschild ins Rote Rathaus?
Steffen Krach will Berlins Regierungschef werden – mit einem Wahlkampf-Van mit „HH“-Kennzeichen. Mit der CDU geht er bei seiner Festrede pfleglich um.
Da steht er wieder, längs der Backsteinmauer der alten Lagerhalle im Gleisdreieckpark, in der das Café Tor 1 ist und wo die SPD-Fraktion am Dienstagabend ihr Sommerfest feiert: Ein roter VW-Van mit Bild und Name von Steffen Krach, dem SPD-Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl. Berlins Regierungschef will er werden, und das macht Krach auch an diesem Abend in einer Rede vor den mehreren Hundert Gästen klar.
Es mag dabei nicht so recht ins Bild passen, dass Krach mit einem Auto Wahlkampf macht, das ein Hamburger Kennzeichen hat. Das war schon Ende Oktober so, als die taz Krach samt dem früheren SPD-Regierungschef Walter Momper erstmals zum Interview traf. Da ließ sich noch denken: Na ja, die fangen bei der SPD ja auch erst an, aus dem „HH“ wird schon noch ein „B“. Wurde aber nun erkennbar nicht.
In der jüngsten Umfrage liegt Krachs SPD auf Platz drei, hinter CDU und AfD, aber vor Linken und Grünen. Da würde er sich mehr Prozente wünschen, sagt Krach in seiner kurzen Rede. Wobei er allerdings durchaus Regierungschef sein könnte, ginge die Wahl am 20. September so aus wie eben diese Umfrage: Mit Grünen und Linken käme Krachs SPD auf eine Mehrheit der Parlamentssitze.
Doch an einer gemeinsamen Regierung gibt es zumindest in einzelnen der vielen Gespräche des Sommerfests durchaus Zweifel – mancher will sogar gehört haben, dass sich in der Linken starke Kräfte schon auf eine Oppositionsrolle festgelegt hätten. Offen bleibt auch, wie SPD und Grüne im Herbst, wenn es konkret um eine Koalition gehen wird, den Umgang ihres potenziellen dritten Partners mit Antisemitismus in den eigenen Reihen bewerten.
Nur mäßige Kritik am Koalitionspartner CDU
Krach übt Kritik an dem aktuellen Koalitionspartner CDU – aber er haut an diesem Abend nicht wirklich drauf, er wird nicht verletzend. Es kommt von ihm als SPD-Landeschef kein Satz wie von einer seiner Vizevorsitzenden beim jüngsten Parteitag. „Die CDU zeigt jeden Tag, dass sie es nicht kann“, war da Anfang Mai zu hören. Auch SPD-Fraktionschef Raed Saleh, eigentlicher Gastgeber des Abends, bleibt bei seinen Worten zurückhaltend. Das Kritischste ist dabei sein Eindruck, dass die CDU gerade unsicher und nicht sortiert sei – während die Berliner SPD „sortiert ist wie seit Langem nicht“.
Bei Gegrilltem, Bier und Wein lässt sich durchaus mutmaßen, woran das liegen könnte. Vielleicht daran, die CDU am Ende doch noch zu brauchen, weshalb es besser ist, keine verbrannte Erde zu hinterlassen? Als dritter Partner in einer Keniakoalition mit den Grünen, falls es mit der Linken nicht klappen oder reichen sollte?
Draußen steht Krachs Wahlkampfmobil auch noch, als es dämmert, und weiter wirkt das „HH“ wie die Antwort auf die Frage: „Was passt in diesem Bild nicht?“ Wobei der Gedanke an Hamburg auch als schlechtes Omen für künftige Wahlen erscheint. Schließlich gab es dort vorigen Sonntag eine Klatsche für jene Olympia-Ambitionen, die in Berlin auch Krach vehement unterstützt.
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