Soli-Demo in Friedrichshain: Heiße Liebe für die Liebig
„Gegen die Stadt der Reichen“ demonstrierten am Samstagabend gut 1.000 Menschen. Kurzzeitig drangen sie in die kürzlich geräumte Liebig34 ein.
![](https://taz.de/picture/4472327/14/136947146-1.jpeg)
Großer Jubel brandete am Samstagabend gegen 21 Uhr vor dem geräumten Hausprojekt Liebigstraße 34 in Friedrichshain auf. Ein großes Transparent unter dem Motto „Liebig 34 lebt“ war plötzlich an der Fassade zu sehen. Unbemerkt von einem großen Polizeiaufgebot hatten einige Personen in das Gebäude gelangen können. Es ging dabei nicht um eine Neubesetzung. Vielmehr war die Transparenzaktion der Höhepunkt einer Solidaritätsdemonstration, die am Samstagabend durch Friedrichshain gezogen war.
Aufgerufen dazu hatte das Bündnis Interkiezionale, zu dem sich von Räumung bedrohte Projekte aus ganz Berlin zusammengeschlossen haben. Die Demonstration unter dem Motto „Gegen die Stadt der Reichen“ startete am Helsingforser Platz in der Nähe der Warschauer Brücke. Dort fanden sich zunächst nur etwa zweihundert Personen ein. Doch der Zug wurde auf der Route durch Friedrichshain größer. Sogar die Polizei sprach am Ende von etwa 1.000 TeilnehmerInnen.
Parolen gegen die Verdrängung von MieterInnen wurden ebenso skandiert wie Sprüche gegen Rassismus und Neonazis. Auch auf den Transparenten ging es um den Kampf gegen Gentrifizierung und um Antifaschismus. Alle TeilnehmerInnen waren vermummt.
„Das machen wir schon immer und jetzt ist es wegen Corona sogar Pflicht“, lacht eine Demonstrantin und erinnert daran, dass diese Demonstration bis vor einigen Monaten wegen des Vermummungsverbot nicht hätte losgehen können. Applaus gab es von PassantInnen in der Simon-Dach-Straße. Kritik kam, weil die Demo zu schnell in den Friedrichshainer Nordkiez zog. „Da kann ich nur zurückbleiben, so eine Rollstuhlfahrerin, die aus einem anderen Bezirk gekommen war, um sich mit der Liebig34 zu solidarisieren.
Festnahmen und verletzte Polizisten
Rund um die Liebig34 hatten nicht nur linke Hausprojekte, sondern auch MieterInnen Solidaritätstransparente aus den Fenstern gehängt. Kurzzeitig kam es in der Nähe des geräumten Hauses zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Eine Barrikade wurde errichtet und in Brand gesetzt. Es kam laut Polizei zu 14 vorübergehenden Festnahmen und 34 Ermittlungsverfahren. Bei dem Einsatz seien sieben Einsatzkräfte verletzt worden, zwei davon hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen, hieß es am Sonntagmittag in einer Mitteilung der Pressestelle.
Die Aktionstage des Interkiezionale-Bündnisses, in deren Rahmen die Demonstration stattfand, gingen am Sonntag mit einer Kundgebung gegen Verdrängung durch ein Nobelprojekt der CG-Gruppe in der Rigaer Straße 71-73 weiter.
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