Sexueller Missbrauch: Nicht nur Gewalt
Um Kinder besser vor sexuellen Übergriffen zu schützen, brauchen wir einen weiten Begriff von Missbrauch.
S exueller Missbrauch von Kindern ist eines der widerlichsten Verbrechen. Die Seele von Kindern wird auf das Schwerste verletzt. Viele Opfer bleiben ihr Leben lang traumatisiert. Dennoch sind diese Taten alltäglich – im Schnitt werden in Deutschland jeden Tag 43 Kinder sexuell missbraucht.
Das darf unsere Gesellschaft nie akzeptieren. Im Bundestag verabschieden wir am Donnerstag daher ein umfassendes Gesetzespaket, das Kinder besser vor solchen Übergriffen schützen soll und diese Taten endlich als das bestraft, was sie sind: als Verbrechen.
Als Union war uns wichtig, dass das Gesetz keine rechtlichen Grauzonen für Täter bietet. Deswegen haben wir den vom Bundesjustizministerium vorgeschlagenen neuen Begriff „sexualisierte Gewalt“ gestrichen. Im Einklang mit nahezu allen Strafrechtsexperten sind wir der Auffassung, dass diese Begrifflichkeit die Gefahr heraufbeschworen hätte, dass bestimmte Übergriffe an Kindern rechtlich nicht mehr klar erfasst hätten werden können.
Denn die Rechtsprechung definiert den Begriff der „Gewalt“ eng. Es gibt aber Taten, die zweifellos sexuellen Missbrauch darstellen, bei denen aber kein Körperkontakt stattfindet und die deshalb nur schwer unter den Begriff Gewalt zu fassen sind. Manche Täter manipulieren ihre Opfer und bringen sie dazu, sexuelle Handlungen an sich oder anderen vorzunehmen. Oder sie masturbieren vor einem Kind.
ist rechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. Er ist seit 2009 Mitglied des Bundestages und seit 2018 Chef der Berliner Landesgruppe.
Weder juristisch noch umgangssprachlich kann solches Täterverhalten ohne Weiteres als Gewalt eingeordnet werden. Die Verfassung verlangt aber, dass nur das bestraft wird, was klar und unmissverständlich verboten ist.
Mit der Begrifflichkeit sexualisierte Gewalt hätten sich aber Rechtsunsicherheiten und Strafbarkeitslücken ergeben – zulasten der Opfer. Das war für uns nicht akzeptabel. Deshalb ist es gut, dass die etablierte und klare Terminologie „sexueller Missbrauch von Kindern“ weiterhin Verwendung findet. Dies macht jedem deutlich, worum es geht: Um Verbrechen, die wir entschlossen bekämpfen und hart bestrafen.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert