Serie von Terrorangriffen in Nigeria: „Bloody Easter“ folgt auf blutigen Palmsonntag
In mehreren Gemeinden Nigerias töten bewaffnete mutmaßliche Islamisten zu Ostern erneut zahlreiche Menschen. Präsident Tinubu steht unter Druck.
Foto: Samson Omale/ap/dpa
Ein besonders blutiges Osterwochenende in diesem Jahr hat in Nigeria die Sorgen um die Zukunft des Landes vor den nächsten Wahlen im Januar 2027 verschärft. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Sicherheitslage immer weiter verschlechtere, kommentierte die führende nigerianische Tageszeitung Guardian am Ostersonntag.
Dann, so der Kommentator Alabi Williams weiter, könnten die Wahlen nicht wie vorgesehen stattfinden und Nigeria stehe vor „Scheinwahlen, nach denen wir zu einem Status quo von Gewalt und dem Überlassen ganzer Gemeinschaften an die Gnade von Terroristen zurückkehren“. Nigerias Regierung müsse dringend Sicherheit wiederherstellen und dies müsse Priorität vor den laufenden politischen Manövern im beginnenden Vorwahlkampf haben.
Mindestens 17 Menschen starben in einem Angriff auf das Dorf Mbalom im zentralnigerianischen Bundesstaat Benue in der Nacht zum Ostersonntag. Während des Ostersonntags selbst starben mindestens 7 Menschen bei Angriffen auf Kirchen im Dorf Ariko im Bundesstaat Kaduna; 31 wurden entführt, aber noch am gleichen Tag von der Armee wieder befreit.
Ebenfalls in der Nacht überfielen Bewaffnete auf Motorrädern das Dorf Awapul in der Gemeinde Chibok im nordöstlichen Bundesstaat Borno, weltweit bekannt für die dortige Massenentführung von Schulmädchen durch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram im Jahr 2014. Zuvor hatten die Bewaffneten jetzt ein Vertriebenenlager angegriffen und 4 Polizisten getötet. Bei all diesen Angriffen flohen zahlreiche Menschen in die umliegende Savanne, während Häuser niedergebrannt wurden.
Millionenstadt unter Ausgangssperre
Erst am Palmsonntag eine Woche vor Ostern hatte ein blutiger Anschlag in Jos, die gut eine Million zählende Hauptstadt des zentralnigerianischen Bundesstaates Plateau, für Entsetzen im ganzen Land gesorgt. Bewaffnete stürmten eine Bar im Universitätsviertel der Stadt, schossen um sich und töteten 12 Menschen, bevor sie von der wütenden Menge verjagt wurden. Es entwickelten sich schwere Unruhen zwischen Christen und Muslimen. Am Ende zählten die Behörde mindestens 30 Tote.
Die Regierung schickte zusätzliche Militäreinheiten nach Jos und verhängte eine strenge Ausgangssperre. Mehrere Tage lang durfte niemand auf die Straßen, was aber weitere Gewalttaten nicht verhinderte. Zu Ostern galt in Jos immer noch eine Ausgangssperre zwischen 15 und 7 Uhr, die Gottesdienste fanden unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt.
Am Donnerstag hatte Nigerias Präsident Bola Tinubu die Stadt Jos besucht und versprach dort öffentlich: „Dies wird nicht wieder vorkommen.“ Nur drei Tage später erlebt Nigeria ein als „Bloody Easter“ bezeichnetes Osterfest. Nigeria sei ein „Lazarett“ geworden, predigte jetzt der katholische Bischof Matthew Kukah, der bekannteste Kirchenführer Nigerias, in seiner Osterbotschaft. Der Staat schütze die Menschen nicht und das Vertrauen der Menschen schwinde immer weiter, was viele in die Arme von Banditen treibe und damit die Gewalt weiter eskalieren lasse.
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