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Serie „Spider Noir“ auf Amazon PrimeNicolas Cage als Spider-Man

Die Amazon-Serie „Spider Noir“ verlegt den Marvel-Superhelden in die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre. Das klingt vielversprechend, ist aber schwach erzählt.

Nicolas Cage als Ben Reilly (Spiderman in „Spider Noir“) Foto: Aaron Epstein/Prime

Eigentlich wird Spider-Man gefühlt immer jünger, zumindest in den Verfilmungen. Nach Tobey McGuire, der neben der Superhelden-Verbrecherjagd vor allem auch noch als Student und Pizzabote schuftete, spielte zuletzt Tom Holland als Highschool-Pennäler Spider-Man. Jetzt gibt der 62-jährige Nicolas Cage in der Amazon-Serie „Spider Noir“ den durch New York fliegenden Spinnenmann.

Der Achtteiler „Spider Noir“ ist ein sehr spezielles Derivat der erfolgreichsten und am häufigsten verfilmten Marvel-Superheldenfigur. Angesiedelt in den 1930er Jahren steht die Serie, die sowohl in Farbe wie in Schwarzweiß abrufbar ist, ganz in der Ästhetik des frühen Noir-Krimis.

Spider-Man alias Ben Reilly ist erfolgloser Privatdetektiv, der in der Weltwirtschaftskrise ums Überleben kämpft und sich mit dem lokalen Mafiaboss Silvermane (Brendan Gleeson) anlegt. Den ermordet fast ein anderer Superheld, der Feuerbälle aus seinen Händen abschießt, aber der Mafiaboss wird von seinem aus Stein und Sand bestehenden Bodyguard Flint aka Sandman (Jack Houston) beschützt. Der wiederum ist liiert mit Jazzsängerin Cat (Li Jun Li), in die sich dann Spider-Man verknallt.

die serie

„Spider Noir“

ab 27.5. auf Amazon Prime

„Spider Noir“ ist der Versuch, aus dem Superhelden-Genre mehr als das Erwartbare herauszuholen. Ein Stück weit gelingt das auch mit einer eigenwilligen Mischung aus Noir-Ästhetik und Slapstick-Elementen. Gegenüber dem Magazin Esquire sagte Nicolas Cage treffend, dass die Darstellung seines Charakters, der dem seit 2009 durch die Marvel’sche Comicwelt geisternden „Spider-Man: Noir“ nachempfunden ist, zu „70 Prozent Humphrey Bogart und zu 30 Prozent Bugs Bunny“ entspreche.

Es fehlt erzählerische Tiefe

So stolpert der lakonische Griesgram-Detektiv durch New York, und in Rückblenden geht es in den Ersten Weltkrieg, wo deutsche Wissenschaftler durch Versuche mit Kriegsgefangenen erst deren Superkräfte erschaffen. Die Helden mit außergewöhnlichen Fähigkeiten sehnen sich indes nach Normalität inklusive des Spinnenmannes, der seiner verlorenen Liebe nachtrauert.

Zusammen mit seinem besten Freund, dem um berufliche Anerkennung ringenden und gegen Rassismus kämpfenden Reporter Robbie Robertson (Lamorne Morris), und Sekretärin Janet (Karen Rodriguez) ermittelt Ben Reilly alias Spider-Man, um die Wahrheit über die Superhelden ans Tageslicht zu bringen.

So stylisch das mitunter wirkt, fehlt der Serie erzählerische Tiefe. Sie erschöpft sich in der viel zu aseptisch geratenen Noir-Ästhetik mit allzu vorhersehbaren Plot-Elementen gängiger Superheldengeschichten. Das reicht vom korrupten Bürgermeister, einer von sich selbst überzeugten und über Leichen gehenden Wissenschaftlerin bis hin zum fiesen Mafiaboss und wahnsinnig werdenden Männern mit Superkräften.

Die bildästhetische Annäherung an den Comic mit Splitscreens, um Handlungen ineinandergeschoben zu erzählen, ikonischen Frames der Metropole New York und detaillierten Close-ups einzelner Figuren kann zwar stellenweise überzeugen. Aber die HBO-Serie „Watchmen“ (2019) machte das schon so viel besser, dass „Spider Noir“ an diesen Meilenstein einfach nicht heranreicht. Trotzdem dürfte dieser eigenwillige Achtteiler, übrigens die erste Serie, in der Nicolas Cage eine Hauptrolle spielt, nicht nur etwas für Comicfans sein.

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